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Pfad darf kein Weg werden

Im Bauausschuss forderte der SPD-Politiker Marc Kakarott, die Polizei soll endlich durchgreifen. Vielleicht so, wie auf dieser Fotomontage?

jd. Harsefeld. Harsefelder Politiker wollen Betreten des Grünstreifens am Lärmschutzwall der Umgehung unterbinden.

Zäune ziehen scheint eine Harsefelder Spezialität zu werden: Im Ortsteil Ruschwedel kommt der Grundeigentümer Peer S. mit der Sperrung eines beliebten Wanderweges durch, weil ihm lokale politische Größen Rückendeckung geben. Und im Fall des Trampelpfades am Osteroher Feld (das WOCHENBLATT berichtete) findet sich nun wieder eine breite politische Mehrheit, die die Interessen einzelner Anwohner über die der Allgemeinheit stellt.

Kürzlich kochte das Thema "Trampelpfad" im Bauausschuss hoch: Überlegungen, die umstrittene Wegeverbindung hinter dem Lärmschutzwall der Ortsumgehung nachträglich per Bebauungsplan zu legalisieren, wurde eine klare Abfuhr erteilt. Die Ausschussmitglieder von SPD, CDU und Freie Wählern (FWG) folgten nicht nur dem Vorschlag der Verwaltung, die Schaffung eines "offiziellen" Weges abzulehnen. Die Politiker setzten noch eins drauf: Der Landkreis Stade als Eigentümer des Streifens entlang der Umgehungsstraße soll aufgefordert werden, das Gelände künftig an beiden Zugängen abzusperren.

Laut SPD-Ratsherrn Marc Kakarott steht die Situation kurz vor der Eskalation. Nach seinen Angaben sollen fremde Hunde immer wieder in die Gärten der Anwohner eingedrungen sein und sogar Kinder angefallen haben. Die Schuldigen hat er bereits ausgemacht: "Das sind keine Nachbarn, sondern Leute aus anderen Wohngebieten, die dort Gassi gehen." Kakarott verlangt, das Areal komplett einzuzäunen sowie "Polizei und Ordnungsamt in die Pflicht zu nehmen", um das Betreten des Trampelpfades zu unterbinden.

"Ein Weg an dieser Stelle ist völlig überflüssig" erklärte auch Sabine Hellweg (FWG) und Friedrich Dammann (CDU) ergänzte: "Wir müssen schließlich die Wohnqualität der Anwohner schützen."

Zur Mäßigung rief der Grüne Ralf Poppe auf: Er zeigte als einziger Verständnis für diejenigen, die den Trampelpfad nutzen, um dort zu joggen und (mit oder ohne Hund) spazieren zu gehen. "Das ist öffentlicher Grund", warf Poppe ein und stellte die Frage: "Welche Vorschrift soll rechtfertigen, das Betreten zu verbieten?" Sollten sich Anwohner durch neugierige Blicke oder fremde Hunde belästigt fühlen, wäre es ihre Sache, die Gärten einzuzäunen oder einen Sichtschutz anzubringen. Poppe schlug vor, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen.

Dieses Ansinnen stieß bei den anderen Parteien auf taube Ohren: "Nur mit Sabbeln geht das nicht. Wir müssen klare Verhältnisse schaffen", unterstrich Dammann die Forderung von SPD, CDU und FWG, einen robusten und unüberwindbaren Zaun zu ziehen.

Ob dieser tatsächlich aufgestellt wird, bleibt fraglich. "Der Landkreis wird an dieser Stelle keine weitere Absperrung errichten", erklärte Kreissprecher Christian Schmidt auf WOCHENBLATT-Anfrage. Es gebe keinen Anlass, Steuergelder für einen Zaun zu verschwenden, nur weil Nachbarn sich streiten.