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Politiker auf kleiner Landpartie

Landpartie auf dem Schweineanhänger: der Brester Rat nahm die örtlichen Wege in Augenschein
jd. Brest. Tour mit dem Trecker: Brester Ratsmitglieder begutachten jedes Frühjahr die örtlichen Wege.Die Gemeinde Brest gehört zu den fünf kleinsten Kommunen im Landkreis Stade. Die knapp 800 Einwohner verteilen sich auf die Dörfer Brest, Reith und Wohlerst. Über das Thema Bürgernähe muss man sich hier keine Gedanken machen. Während anderswo die Verwaltungen überlegen, wie die politischen Entscheidungswege transparenter gestaltet werden können, haben die Brester quasi einen direkten Draht zu ihren Volksvertretern.

Alle drei Dörfer sind im neunköpfigen Gemeinderat vertreten. Ein Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Bürger wohnt meist gleich um die Ecke. Brennt jemandem etwas auf den Nägeln, wird die Sache oft gleich im Rat abgehandelt. Fachausschüsse, an die erst Themen delegiert werden müssen, gibt es nicht. Die Ratsmitglieder "bekakeln" alles gemeinsam - wie bei der in jedem Frühjahr stattfindenden Wegebereisung.

"Bei uns entscheiden die Politiker nicht am grünen Tisch, sondern nehmen das, worüber sie sprechen, vorher selbst in Augenschein", erklärt Bürgermeister Dieter Tomforde. Dass ihr Anspruch, jeden Winkel der Gemeinde zu kennen, manchmal mit einigen Unbequemlichkeiten verbunden ist, bekamen die Brester Politiker erst kürzlich wieder zu spüren: Bei Eiseskälte und fiesem Sprühregen, der fast in der Luft gefror, begaben sie sich auf eine Tour rund um die Dörfer. Die Ratsmitglieder wollten sich über den Zustand der Wege informieren und sehen, wo beispielsweise ein Schlagloch beseitigt oder stark wucherndes Buschwerk zurückgeschnitten werden muss.

Wer nun geglaubt hätte, die Rundfahrt wird bequem per Pkw absolviert, liegt völlig daneben. In Brest geht es schon ein wenig rustikaler zu: Dick eingemummelt bestiegen die Politiker einen Schweineanhänger, vor den ein Trecker gespannt war. Laut rumpelnd ging es über Stock und Stein. Mangels Federung wurde die Fahrt zu einer Tortur für die Bandscheiben. Doch Bürgermeister Tomforde sieht auch den praktischen Nutzen: "So können wir gleich jedes Schlagloch selber testen." Holpere es nur ein wenig, könne die Erneuerung des Belages noch ein Jahr warten. Poltere es hingegen heftig, werde das Loch umgehend verfüllt.

Eine durchaus nachahmenswerte Methode: Gingen Politiker in anderen Kommunen ähnlich vor, würden wahrscheinlich wesentlich weniger Steuergelder unnütz ausgegeben werden.