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Rektor kippt Kompromiss - Ausschuss stimmt gegen Abgabe von Oberschul-Räumen an das Harsefelder Gymnasium

Das Harsefelder Gymnasium besuchen künftig mehr Schüler. Daher werden zusätzliche Klassenzimmer benötigt Foto: jd
jd. Harsefeld. Die Harsefelder "Schul-Streit" geht weiter: Der Schulausschuss der Samtgemeinde hat eine von der Verwaltung vorgeschlagene Kompromisslösung gekippt, bei der es um die umstrittene Abgabe von drei Unterrichtsräumen der Selma-Lagerlöf-Oberschule an das benachbarte Gymnasium geht. Rathaus-Vizechef Bernd Meinke verkündete zunächst im Ausschuss, die Kommune habe sich mit der Schulleitung geeinigt. Doch dann konterte Oberschul-Rektor Raimund Seeldrayers: "Wir sind mit dieser Regelung überhaupt nicht glücklich", erklärte der Schulleiter. Seiner Schule würden künftig dringend benötigte Räume fehlen. Seeldrayers stellte den Wert der gymnasialen Schulbildung grundsätzlich in Frage.

Die Ausschuss-Mitglieder zeigten sich irritiert: "Ich dachte, dass eine Einigung mit der Oberschule erzielt worden ist", erklärte der FWG-Politiker Uwe Arndt. Nach den Ausführungen von Seeldrayers habe er Zweifel, ob es richtig sei, dem Gymnasium Räume zur Verfügung zu stellen.
Auslöser der Raum-Diskussion ist der Landkreis: Der ist Schulträger des Harsefelder Aue-Geest-Gymnasiums (AGG), das aufgrund der (Wieder-)Einführung von G9 in Zukunft einen höheren Raumbedarf haben wird. Zudem möchte der Landkreis durch eine durchgängige Fünfzügigkeit das pädagogische Angebot des AGG stärken. Um das zu erreichen, wird ab dem Schuljahr 2018/19 die Grundschule Bliedersdorf/Nottensdorf dem Schuleinzugsbereich des AGG zugeschlagen. Auch deswegen sind mehr Klassenräume nötig. So richtete der Landkreis die Bitte an den Samtgemeinde Harsefeld, entsprechende Kapazitäten in der Oberschule bereitzustellen.

Dieser Bitte könne man sich nicht verweigern, schließlich werde so Harsefeld als gymnasialer Schulstandort gestärkt, hieß es zuvor immer wieder seitens der Verwaltungsspitze. Diese Position vertrat im Ausschuss auch der CDU-Politiker Lüder Pott: "Wir haben lange für den Bau eines Gymnasiums gekämpft. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass es dort ein möglichst breites Angebot gibt, um auch in der Oberstufe die Schüler zu halten." Auch wenn die Samtgemeinde nicht Schulträger sei, trage sie doch eine Mitverantwortung für das Gymnasium.

Gegen diese Argumentation bezogen vor allem die FWG-Vertreter Stellung - mit "Rückenwind" der rund 40 Eltern, die der Sitzung bewohnten und die die Bürgerfragestunde nutzten, um heftige Kritik zu üben. "Die Oberschule werde im Stich gelassen und "gehe den Bach runter", so eine der emotionalen Wortmeldungen aus dem Publikum. Die FWG-Politiker plädierten dafür, dass der Landkreis das Raumproblem mit einem Anbau am Gymnasium lösen solle statt der Oberschule Räume wegzunehmen: "Sonst wird nur ein Missstand vom Gymnasium zur Oberschule verschoben", erklärte Jan-Boris Ingerowski (FWG). Seine Fraktionskollegin Susanne de Bruijn sieht den Landkreis ebenfalls in der Pflicht: Ein Anbau am AGG sei wesentlich sinnvoller als "diese schlechte, halbherzige Lösung."

Der Beifall der Eltern war de Bruijn sicher. (jd). Bei einem weiteren Tagesordnungspunkt folgte der Ausschuss der Empfehlung der Verwaltung: Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, für die Selma-Lagerlöf-Oberschule digitale Schultafeln anzuschaffen. Diese großen, interaktiven Touchscreens, die mittels WLAN mit PCs, Smartphones und Tablets verbunden werden können, sollen bis 2019 in allen Klassenräumen installiert werden. Kostenpunkt: rund 260.000 Euro. Digitale Tafel für jede Klasse (jd). "Ich bin vom Verhalten des Schulleiters enttäuscht", erklärte Verwaltungs-Vizechef Bernd Meinke nach der Sitzung. Er sei davon ausgegangen, dass beide Seiten sich auf einen tragfähigen Kompromiss geeinigt hätten.

Beim Landkreis wollte man die Abstimmungs-Schlappe nicht näher kommentieren: Er gehe davon aus, dass die Beteiligten sich noch einmal zu Gesprächen zusammensetzen, so der Erste Kreisrat Dr. Eckard Lantz.

Die Entscheidung des Schulausschusses ist ohnehin nicht bindend: Das letzte Wort hat der nicht-öffentliche tagende Samtgemeinde-Ausschuss, der am 12. Dezember zusammenkommt. Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Gremium den Beschluss eines Fachausschusses revidiert. Keine endgültige Entscheidung