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Schulstreit in Harsefeld: Oberschule soll Räume an Gymnasium abtreten

Der Bereich im Erdgeschoss der Oberschule könnte künftig vom Gymnasium genutzt werden Foto: jd
jd. Stade/Harsefeld. Mit dem Bau des Harsefelder Aue-Geest-Gymnasiums (AGG) vor 13 Jahren hat sich die schulische Landschaft im Kreis Stade gewandelt. Doch nun ist das Gymnasium Anlass für einen handfesten Streit: Es geht um die Pläne des Landkreises, dort eine stabile Fünfzügigkeit zu schaffen. Dafür soll die Grundschule Bliedersdorf/Nottensdorf künftig dem Schuleinzugsbereich des AGG zugeschlagen werden. Doch es fehlen - auch bedingt durch den Mehrbedarf in Folge von G9 - künftig die erforderlichen Klassenräume. Der Vorschlag von Rathauschef Rainer Schlichtmann, Räume der örtlichen Oberschule zu nutzen, stößt dort auf heftige Kritik.

Es sind harte Vorwürfe, die Raimund Seeldrayers, Rektor der Selma-Lagerlöf-Oberschule in Harsefeld, erhebt: In einem nicht-öffentlichen Schreiben, das er an die Harsefelder Politik richtete und das dem WOCHENBLATT vorliegt, wirft der Schulleiter Rathauschef Rainer Schlichtmann und dessem Vize Bernd Meinke vor, die Interessen der Oberschule zugunsten des Gymnasiums zu übergehen. Seeldrayers kritisiert, dass das Thema "urplötzlich" auf der jüngsten Schulausschuss-Sitzung behandelt werden sollte: "Dieser Vorgang ist in seiner Inszenierung unglaublich", so der Rektor: Seine Schule werde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Mit seinem Brandbrief erreichte der Schulleiter, dass das Thema von der Tagesordnung genommen wurde. Dennoch geht die Diskussion weiter. Bernd Meinke, der in der Samtgemeinde für die Schulen zuständig ist, führte in diesen Tagen erneut Gespräche. Gegenüber dem WOCHENBLATT erklärte er, ein Kompromiss rücke in greifbare Nähe. Wie eine Lösung konkret aussehen könnte, wollte er allerdings nicht erläutern.

Fakt ist: Wenn das AGG künftig durchgängig fünf Klassen pro Jahrgang haben soll, um so das schulische Angebot auch in den oberen Jahrgangsstufen zu verbessern, müssen zusätzliche Unterrichtsräume her. "Theoretisch wäre ein Anbau am AGG möglich, aber das sei eine Kostenfrage", erklärt der Erste Kreisrat Dr. Eckart Lantz, dem im Kreis der Bereich Schulen untersteht. Ziel des Landkreises sei es, den Schulstandort Harsefeld zu stärken, indem man das Angebot des Gymnasiums verbessert - und das möglichst kostengünstig: "Wenn es möglich ist, bestehende Klassenräume direkt nebenan in der Oberschule zu nutzen, dann ist das am sinnvollsten."

Aus diesem Grund habe er in einem Schreiben an die Samtgemeinde seine Bitte gerichtet, drei Unterrichtsräume der Oberschule dem AGG zu Verfügung zu stellen. Die betreffenden Räume hatte sich die Verwaltung bereits "ausgeguckt": Sie liegen im Erdgeschoss des ehemaligen Orientierungsstufen-Traktes. Allerdings werden sie längst von der Oberschule genutzt - unter anderem vom Beratungslehrer und für Zwecke der Berufsorientierung.

Nach Ansicht von Schlichtmann und Meinke entspricht der von der Oberschule für sich reklamierte Raumbedarf nicht den tatsächlichen Erfordernissen. Zum Beleg präsentiert Meinke Zahlen: Im Jahr 2004 befanden sich an der Oberschule, die damals noch Haupt- und Realschule war, rund 650 Schüler. Hinzu kamen noch die Schüler aus der Orientierungsstufe. Derzeit wird die Oberschule von rund 490 Schülern besucht. Entsprechend müssten freie Raumkapazitäten vorhanden sein, so Meinke.

Das sieht man an der Oberschule offensichtlich anders: Seeldrayers kündigt in seinem Schreiben an, sich gegen die Wegnahme von Räumen zu wehren. Sei die Oberschule etwa eine "Restschule", auf deren Bedürfnisse nicht mehr Rücksicht genommen werden müsse? - so seine sarkastische Frage. Das Kollegium könne nicht verstehen, wenn die Gemeinde "einer fragwürdigen Argumentation des Dr. Lantz" zustimmt: "Was hat das mit Pädagogik zu tun?"