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Schwächung der Gymnasien? Opposition und Elternverbände kritisieren Kultusministerium wegen geplanter Abordnung von Lehrern

Immer wieder ein Ärgernis für Eltern: der Unterrichtsausfall an vielen Schulen (Foto: Fotolia/Torbz)
(jd). Die Empörung war groß: Schulleiter von Gymnasien wurden von der niedersächsischen Landesschulbehörde kürzlich dazu aufgefordert, Lehrer an andere Schulformen abzuordnen. Der Grund: An den Haupt-, Real und Oberschulen droht massiver Stundenausfall, weil Lehrkräfte fehlen. Die dortigen Löcher in der Unterrichtsversorgung mit Gymnasiallehrern stopfen? Das klingt wenig sinnvoll. Schließlich ist die Situation auch in vielen Gymnasien angespannt. So mancher Schulleiter sucht händeringend nach Fachlehrern. Kein Wunder, dass Opposition und Elternvertreter sofort auf den Plan traten.

Das WOCHENBLATT hakte nach, ob auch die Gymnasien zwischen Oste und Luhe bereits Post von der Schulbehörde bekamen. Doch Fehlanzeige: Keiner der befragten Schulleiter will bislang eine Anfrage erhalten haben. Das bedeutet aber nicht, dass die Sache ausgestanden ist. Das Kultusministerium teilte auf WOCHENBLATT-Anfrage mit, dass die Bitte um Abordnung von Lehrern grundsätzlich für alle Gymnasien in Niedersachsen gilt. Über den Schulleitern in der Region wird also weiter dieses Damoklesschwert schweben.

"Ausgerechnet Gymnasien sollen die Fehler der Kultusministerin ausbügeln", empörte sich deshalb der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, der Landtagsabgeordnete Kai Seefried aus Drochtersen. Und auch der Verband der Elternräte der Gymnasien äußerte massive Kritik: Dessen Vorsitzender Oliver Gossel erklärte, "sich mit ganzer Kraft gegen die weitere Benachteiligung der Gymnasien zu stemmen." Laut Gossel soll es lediglich an den Gesamtschulen eine ausreichende Unterrichtsversorgung geben. Der Verband hält die ganze Sache für ideologisch motiviert: Die rot-grünen Landesregierung wolle die Gymnasien weiter schwächen.

Das Kultusministerium weist diese Vorwürfe zurück: Ministeriums-Sprecherin Susanne Schrammar erklärte, dass man auch Gesamtschulen wegen der Abordnung von Lehrern angesprochen habe. Zudem seien die Schulleiter lediglich darum gebeten worden, ihre personellen Möglichkeiten zu prüfen, so Schrammar.

Gymnasien und Gesamtschulen, die Lehrer abordnen, sollen im Gegenzug bereits zum neuen Schulhalbjahr, das am 1. Februar beginnt, die gleiche Zahl an Lehrern wieder einstellen dürfen. Wie das in der Praxis funktionieren soll, hat das Ministerium nicht erklärt: Laut den Aussagen verschiedener Schulleiter ist der Markt für Gymnasiallehrer so gut wie leergefegt.

Von den Regionalabteilungen des Landesschulbehörde ist der entsprechende Erlass für die Lehrer-Abordnung übrigens ganz unterschiedlich kommuniziert worden. Während in Südniedersachsen Rundschreiben an alle Schulen herausgingen, wurden im Bereich Lüneburg, zu dem auch die Schulen in den Kreisen Stade und Harburg gehören, einige Schulleiter gezielt telefonisch oder per Mail angesprochen.


Aus pädagogischer Sicht bedenklich


Auf das Thema Abordnung ist Johann Book, Schulleiter des Aue-Geest-Gymnasiums Harsefeld, nicht gut zu sprechen: "Wenn ich eine Lehrkraft an eine andere Schule abordnen muss, geschieht das oftmals gegen deren Willen." Ihm selbst seien die Hände gebunden, weil es sich um eine Dienstanweisung handele. Eine solche Abordnung sorge oftmals für Unmut im Kollegium: "Betroffene sind natürlich verärgert und fragen sich, warum ausgerechnet sie geschickt werden."

Auch aus pädagogischer Sicht hält Book nichts davon, Lehrer befristet an andere Schulen zu entsenden: "Das stört natürlich die Kontinuität im Unterricht." Ein Lehrerwechsel mitten im Schuljahr sei äußerst unglücklich. Eine neue Lehrkraft müsse sich erst wieder auf die Klasse einstellen. Oftmals sei es zudem erforderlich, die Stundentafeln an der Schule komplett umzustellen. Letztlich gehe das Hin-und-Her-Schieben von Lehrern zu Lasten der Schüler.