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Weg vom Kirchturmdenken

Bürgermeister Dieter Tomforde hofft, dass Brest in die Dorferneuerung aufgenommen wird
jd. Brest/Kutenholz. Das ist bisher einmalig im Landkreis: Die Gemeinden Brest und Kutenholz wollen bei der Dorferneuerung kooperieren. Warum nicht mal über den Tellerrand schauen? Das sagt sich der Brester Bürgermeister Dieter Tomforde. Er will mit den Nachbarn aus Kutenholz an einem Strang ziehen, um an Fördertöpfe heranzukommen. Die beiden Kommunen mit ihren insgesamt sieben Dörfern planen über die Gemeindegrenzen hinweg eine enge Zusammenarbeit, damit sich die Chancen für die Aufnahme ins Dorferneuerungs-Programm erhöhen. Das Land Niedersachsen will künftig nur noch sogenannte Dorfregionen in das Programm aufnehmen. "Interkommunaler Ansatz" heißt die Zauberformel: Die Dörfer sollen sich zusammentun, um gemeinsam Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Derzeit befinden sich kreisweit acht Orte in der Dorferneuerung. Nach Auskunft des zuständigen Amtes für Landentwicklung (AfL) sind seit 2008 Zuschüsse in Höhe von knapp vier Millionen in die einzelnen Projekte geflossen, pro Kommune im Schnitt 500.000 Euro. Das ist eine ordentliche Summe für ein kleines Dorf. Von dem Geld wurden unter anderem Dorfgemeinschaftshäuser saniert, schmucke Dorfplätze angelegt und Wege instand gesetzt. Doch bislang beschränkten sich diese Maßnahmen ausschließlich auf ein einzelnes Dorf.

Doch nach den neuen Vorgaben aus Brüssel und Hannover ist eine Förderung im Rahmen der Dorferneuerung nur noch möglich, wenn gemeindeübergreifende Konzepte vorgelegt werden. "Die vielfältigen Verflechtungen, die zwischen den Dörfern bestehen, müssen künftig stärker berücksichtigt werden", erläutert AfL-Planer Lienhard Varoga, der die Kommunen bei der Antragstellung berät. So müsse bei der Infrastruktur geschaut werden, ob bestimmte Ressourcen besser gemeinsam genutzt werden können. Er denke da an Sportstätten, die medizinische Versorgung oder den Einzelhandel, so Varoga.

Bis Ende Juli muss von den Brestern und Kutenholzern ein gemeinsamer Antrag gestellt werden, um in die bis 2020 laufende Fördermaßnahme PFEIL (Programm zur Förderung im ländlichen Raum) aufgenommen zu werden. Aus diesem neuen Topf wird künftig die Dorferneuerung finanziert. Bevor der Antrag rausgeht, ist das Vorhaben von beiden Gemeinderäten abzusegnen. Bereits gestern Abend - nach Redaktionsschluss - tagte der Kutenholzer Rat, am kommenden Mittwoch werden sich die Brester Politiker mit dem Thema befassen. Tomforde rechnet fest damit, dass die Sache ein Selbstgänger sein wird: "In dieser Ecke des Landkreises gibt es schließlich kein Kirchturmdenken."

Laut Tomforde bestehen schon jetzt zahlreiche Berührungspunkte zwischen beiden Kommunen. Als Beispiel nennt er die EVB-Bahnstrecke: "Brest und der Kutenholzer Ortsteil Aspe teilen sich bereits einen Bahnhof. Warum soll es da künftig nicht noch mehr Gemeinsamkeiten geben?" Tomforde hat schon etliche Ideen, die er in die gemeinsame Arbeitsgruppe einbringen will. Kooperation statt Konkurrenz müsse jetzt die Devise sein, betont Tomforde, der sich im Übrigen seinen Nachbarn zu Dank verpflichtet fühlt: "Schließlich ging die Initiative von den Kutenholzern und vor allem von deren Gemeindedirektor Friedhelm Helk aus."