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Wind lässt Scheinchen flattern: Landwirte verdienen gut an Pachtzinsen für Rotoren

Für Windpark-Flächen sind die Pachten höher als für Maisäcker. Dieter Tomforde schlägt vor, dass die Kommunen künftig mehr Vorteile von der Windkraft haben
(jd). Selbst wenn an heißen Sommertagen nur ein laues Lüftchen weht, lässt sich mit Windrädern gutes Geld verdienen: Für diejenigen, die ihren Grund und Boden an Windpark-Betreiber verpachtet haben, sind die Rotoren wahre Gelddruckmaschinen. Bei neuen Anlagen kletterten die jährlichen Pachterlöse mittlerweile auf Beträge bis zu 100.000 Euro - pro Windrad! Bei solchen Summen steigt dem Brester Bürgermeister Dieter Tomforde die Zornesröte ins Gesicht: In seiner Gemeinde steht seit fast 15 Jahren ein Windpark mit elf Anlagen. Doch die erhoffte Gewerbesteuer floss bisher nur tröpfchenweise.

"Wenn jemand zu den Profiteuren der Energiewende gehört, dann ist es so mancher Landwirt", erklärt Tomforde. Dabei geht es in Brest, wo sehr kleine und für den Standort offenbar ungeeignete Anlagen stehen, eher bescheiden zu, wie ein Rechenbeispiel zeigt: Die jährlichen Netto-Stromerträge im dortigen Windpark liegen bei durchschnittlich 1,4 Millionen Euro. Legt man die üblichen Pachtzinsen von bis zu acht Prozent zugrunde, kommt man auf Pachtzahlungen in Höhe von 10.000 Euro pro Windrad und Jahr.

Andere Windparks im Landkreis mit moderneren und leistungsfähigeren Rotoren dürften da wesentlich mehr Pachtzinsen abwerfen. Aber auch in Brest wird der garantierte Mindest-Pachtzins, der unabhängig von der Windstrom-Ausbeute gezahlt wird, wohl höher als die geschätzten 10.000 Euro liegen. Doch solche Zahlen sind ein gut gehütetes Geheimnis. Schließlich geht es auch ums Image: Die Windparks werden über die EEG-Umlage, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird, von jedem Bürger subventioniert. Die Tatsache, dass ein großer Teil dieses Geldes direkt in die Taschen einiger Landwirte fließt, trägt nicht dazu bei, das ramponierte Ansehen der Bauernschaft zu verbessern.

So verhandeln die Grundeigentümer lieber im stillen Kämmerlein mit den Windpark-Projektierern. Auch in Brest laufen derzeit hinter verschlossenen Türen Gespräche: Dort wird über ein Repowering beraten, da die erwartete "Windernte" bislang äußerst spärlich war. Die jährlichen Stromerlöse lagen zum Teil mehr als 20 Prozent unter den Prognosen.

Für ein Repowering in Brest müssen aber die bestehenden Pachtverträge aufgelöst werden, denn der Landkreis hat dem neuen Windpark einen anderen Zuschnitt verpasst. Einige Flächen fallen weg, andere kommen hinzu. Das bedeutet, dass auch ein paar Eigentümer neu dabei sein werden, während andere leer ausgehen. Bürgermeister Tomforde fürchtet nun, dass es zu einem Hauen und Stechen um die Anteile an den Pachterträgen kommen könnte - wie schon im Jahr 2000, als der Windpark entstand. Damals sollen die Landwirte die Streitereien wegen ihrer Anteile vor Gericht ausgefochten haben.

"Das ist doch nicht schön, wenn sich die Leute in den Windpark-Gemeinden wegen des schnöden Mammons in die Plünnen kriegen", meint Tomforde: "Sobald jemand mit Geldscheinen wedelt, geht der Ärger los." Der Bürgermeister schlägt vor, die Allgemeinheit künftig von den Windparks profitieren zu lassen: "Die Gemeinden pachten die Flächen zu ortsüblichen Preisen von den Landwirten und verpachten sie dann an die Windpark-Betreiber." Die Differenz würde dann in die Gemeindesäckel fließen: "So könnten indirekt alle Bürger und nicht nur ein paar wenige Bauern von der Energiewende profitieren."


Windräder bringen mehr Geld als Mais

Wohl dem, der ein Windrad auf seinem Grundstück stehen hat: Musterberechnungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gehen bei Windparks von Pachtpreisen von rund 3.500 Euro pro Jahr und Hektar aus. Zum Vergleich: Für einen Maisacker werden zwischen 800 und 1.000 Euro gezahlt. Mögliche Pachtsummen kann jeder selbst überschlagen: Laut Fraunhofer-Institut laufen die Windräder in der Region mit rund 1.800 Volllast-Stunden. Diese Zahl wird mit der Leistung pro Windrad und der EEG-Vergütung multipliziert, die derzeit bei 9 Cent je Kilowattstunde liegt. Damit erhält man den Netto-Stromerlös. Davon fünf bis acht Prozent sind in etwa der Pachtzins.