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Wird Skandal um "Ehrecke-Krüger" zum Kriminalfall? / Anwalt kritisiert Verhalten des Steuerberaters

Übt Kritik: Anwalt Ingo Ebling
jd. Beckdorf/Harsefeld. Ein Mit-Inhaber plündert sein Unternehmen über Jahre mit Buchhaltungs-Tricks und fingierten Rechnungen aus und treibt die Firma in den Ruin, weil er sie für wenig Geld ganz übernehmen möchte. Das ist zugespitzt der Kern des Skandals um die Insolvenz der Firma "Ehrecke-Krüger Haustechnik" in Beckdorf - vorausgesetzt, die Vorwürfe treffen zu, die der Geschäftsführer Michael Ehrecke gegen seinen Kompagnon K. erhebt (das WOCHENBLATT berichtete).
Fakt ist: Bei K. gab es bereits eine Razzia. Gegen ihn ermittelt die Steuerfahndung. Das geht aus einem Durchsuchungsbeschluss gegen K. hervor, der dem WOCHENBLATT vorliegt. Doch die Sache zieht immer weitere Kreise: Es sieht ganz danach aus, dass sich die Steueraffäre zu einem handfesten Kriminalfall entwickelt (siehe unten). Zudem bezeichnet "Ehrecke-Krüger"-Anwalt Ingo Ebling die Rolle von K.s Steuerberater als "sehr problematisch".

Eblings Vorwürfe beziehen sich auf das Übernahme-Angebot, das K. im September seinem Partner Michael Ehrecke unterbreitet hat. Wie berichtet, hat K. darin angekündigt, den Kredit bei der Hausbank zu kündigen, sofern Ehrecke sich nicht bereit erklärt, seine Geschäftsanteile für einen Bruchteil ihres ursprünglichen Wertes an K. zu verkaufen. Ehrecke lehnte ab, K. kündigte den Kredit - die Folge: "Ehrecke-Krüger" ging in die Insolvenz. Aus dem Text geht hervor, dass dieses Angebot "in Zusammenarbeit" mit einer Harsefelder Steuerberatersozietät erstellt wurde.

"Das Pikante daran ist, dass einer der Inhaber der Sozietät ausgerechnet Aufsichtsratsvorsitzender der Hausbank ist", sagt Ebling. Er halte diese Doppel-Funktion für "moralisch hoch bedenklich". "Einerseits steht der Steuerberater dem maßgeblichen Kontrollorgan der Hausbank vor, andererseits vertritt er die Interessen von K., der bei der Bank einen wichtigen Kredit für "Ehrecke-Krüger" gekündigt hat", erklärt Ebling: Damit sei "Ehrecke-Krüger" in Schieflage geraten und auch der Bank entstehe womöglich ein finanzieller Schaden.

Das WOCHENBLATT bat den betreffenden Steuerberater um eine Stellungnahme. Dieser ließ über seinen Anwalt erklären, dass Auskünfte "aufgrund des gesetzlich normierten Steuerberatergeheimnisses nicht erteilt werden dürfen."



Feiger Anschlag auf ermittelnde Finanzbeamtin?

Mehr als drei Jahre habe K. die Firma "Ehrecke-Krüger" finanziell ausgesaugt, so Michael Ehrecke. Nach seinen Angaben soll eine Finanzbeamtin den Stein ins Rollen gebracht haben: Sie soll bei einer Betriebsprüfung bei K.s Harsefelder Unternehmen auf Unstimmigkeiten beim Verbuchen der Rechnungen gestoßen sein. Laut Ehrecke fungierte diese Firma als Zwischenhandel, um günstigere Konditionen bei den Herstellern von Heizungen herauszuholen. Wenn Ehreckes Angaben zutreffen, soll es zwar jede Menge Ausgangsrechnungen an "Ehrecke-Krüger" gegeben haben - aber die dazu passenden Lieferscheine hätten gefehlt.
Die Finanzbeamtin habe die gesamten Geschäftsbeziehungen zwischen "Ehrecke-Krüger" und K.s Firma unter die Lupe genommen, so Ehrecke. Dabei soll sie festgestellt haben, dass Ks. Ehefrau, die bei "Ehrecke-Krüger" für die Buchhaltung angestellt war, die Ressourcen des Beckdorfer Unternehmens und ihre Arbeitszeit zugunsten der besagten Harsefelder Firma nutzte: Dem WOCHENBLATT liegt ein Dokument des Finanzamtes vor, in dem "Ehrecke-Krüger" aufgefordert wird, die Kosten für die "Personal- und Sachmittelnutzung" durch diese Firma nachträglich zu versteuern.

Zusammenhang oder Zufall: Wie das WOCHENBLATT erfahren hat, soll die mit dem Fall betraute Finanzbeamtin Opfer einer feigen Attacke geworden sein. Unbekannte Täter sollen die Radmuttern an ihrem Auto gelöst haben. Allerdings hält sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Kai Thomas Breas, in dieser Sache bedeckt. Er bestätigt lediglich: "Es gibt Ermittlungen im Zusammenhang mit Vorgängen zum Nachteil einer Finanzbeamtin." Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass es einen Bezug zwischen dieser Tat und dem Beckdorfer Skandal gibt, erhielte dieser Fall eine Dimension, die über normale Wirtschaftskriminalität weit hinaus geht.