Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

50 Flüchtlinge im 415-Seelendorf?

Reinhard Kolkmann auf dem Hof des als Asylbewerberheim geplanten Objektes
 
Die Straßenansicht des ehemaligen Altenheimes

Bürgerinitiative fordert soziale Gerechtigkeit bei Zuweisung von Asylbewerbern

gb. Appel. Sorge über die mögliche Zuweisung von Asylbewerbern treibt die Bürger der kleinen Gemeinde Appel in der Samtgemeinde Hollenstedt um. Gleich zwei Appelle richtete eine neue Bürgerinitiative (BI) jetzt an Verantwortliche in Politik und Verwaltung. In einem offenen Brief an alle Bürgermeister der Samtgemeinde wird Gerechtigkeit in der Frage der Verteilung von Flüchtlingen aus Krisengebieten gefordert. Die BI wendet sich damit gegen Pläne des Landkreises, der 50 Männer aus Ländern wie Äthiopien, Iran, Irak oder Syrien in einem ehemaligen Altenheim im Ort unterbringen will. Denn damit würde alleine Appel sogar mehr als die Zuweisungsquote aller sieben Mitgliedsgemeinden schultern müssen, die bei insgesamt 30 Personen liegt.

Zu viel für ein 415-Seelen-Dorf, von denen nur rund 200 Einwohner im näheren Umfeld der ins Auge gefassten Unterkunft leben, finden die aktuell 162 Unterzeichner. „Wir sind uns der gesetzlichen und moralischen Verpflichtung bewusst“ heißt es dort weiter, jedoch müsse eine sozial verträgliche Lösung für alle Beteiligten gefunden werden. Wie in dieser brisanten Verteilungsfrage weiter verfahren werden soll, darüber wollen die Bürgermeister der Samtgemeinde in der kommenden Woche beraten.

„Ich halte die Aufregung im Ort für berechtigt“, sagt Bürgermeister Reinhard Kolkmann (Bündnis für Appel). Kolkmann überreichte Landrat Joachim Bordt (FDP) ein weiteres Schreiben der Appeler Bürger. In dem wird auch auf die mangelhafte Infrastruktur im Ort hingewiesen. Schlechte Busanbindungen, fehlende Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen, nicht vorhandene Ärzte oder Apotheken seien alles andere als geeignete und sozial verträgliche Voraussetzungen für die Einrichtung einer Sammelunterkunft, heißt es darin. „Der Landrat versteht die Sorgen der Anwohner“, erklärt Kreispressesprecher Johannes Freudewald gegenüber dem WOCHENBLATT. Jedoch sei die Prüfung jeder Unterbringungsmöglichkeit unumgänglich. So werde derzeit geprüft, welche Investitionen zur Umwandlung des Gebäudes notwendig seien. Auch werde geprüft, wie viele Personen dort untergebracht werden könnten. Ein entsprechender Bauantrag sei bereits gestellt. Weil bisher landkreisweit erst eine Flüchtlingsfamilie unterzubringen war, könne man dem Wunsch der Appeler auf Zuweisung von Familien an Stelle von alleinstehenden Männern nicht nachkommen. Was jedoch Herkunft und Religion angeht, wolle man versuchen die Unterkünfte homogen zusammenstellen, heißt es aus Winsen. Daraus, dass dem Landkreis Unterkünfte, in denen mehr als 20 Personen gleichzeitig untergebracht werden können, entgegenkommen, macht Freudewald kein Geheimnis. So sei die Betreuung der Bewohner einfacher zu gewährleisten als in Einzelwohnungen.

Der Aufruf des Landkreises geeignete Objekte für Unterkünfte zur Verfügung zu stellen verhallte außer in Appel im Rest der Samtgemeinde Hollenstedt indes bisher ungehört. „Wir appellieren hier seit Wochen und Monaten erfolglos“, erläutert der Kreissprecher. Ob der von Samtgemeindebürgermeister Uwe Rennwald in Aussicht gestellte Gedankenaustausch aller Bürgermeister auch zur Findung alternativer Unterbringungsmöglichkeiten führen wird, bleibt abzuwarten. In Appel sind indes bereits die ersten und unerwünschten NPD-Plakate aufgetaucht. Denn hier stellt man sich nicht gegen die Zuwanderung an sich, nur sollte die nach dem Willen der Bürger in einem zahlenmäßig verkraftbaren Verhältnis zur jetzigen Bevölkerung stehen.