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Drogenkontrolle oder Polizeischikane?

Philipp-Niclas Jung mit seinem Kleinkraftrad
 
Philipp-Niclas Jung: . „Mein bisher gutes Bild von der Polizei ist zu Bruch gegangen“

Abiturient fühlt sich durch öffentlich abgegebene Urinprobe entwürdigend behandelt

gb. Buchholz. „Mein bisher gutes Bild von der Polizei ist zu Bruch gegangen“, sagt Philipp-Niclas Jung. Grund dafür ist eine Drogenkontrolle am Straßenrand, durch die sich der 18-Jährige schikaniert fühlt. Der Vorfall in der Bendestorfer Straße in Buchholz wird von dem Dierstorfer Mokickfahrer und der Polizei gegensätzlich dargestellt.

Er habe nicht einmal aktiv am Straßenverkehr teilgenommen, sondern ohne Sprit im Tank zigaretterauchend auf die Hilfe seiner Mutter gewartet, schildert der Abiturient das Geschehen. In dessen weiterem Verlauf habe aus dem Gegenverkehr eine Polizeistreife angehalten.
Auf sein „sorry“ angesichts der Aufforderung die Zigarette auszumachen, hätte einer der Beamten das Gespräch mit „das Englisch lassen wir jetzt mal weg, und was nehmen sie denn für Drogen und wie lange schon?“ fortgesetzt. Zittrig sei er bei seiner ersten Polizeikontrolle gewesen, sagt der junge Zweiradfahrer. Den Beamten habe er erklärt, grundsätzlich drogenfrei zu sein, jedoch ehrlich gesagt, auf dem „Hurricane Festival“ mal an einem Joint gezogen zu haben. Nachdem er sich einem neurologischen Vortest mit geschlossenen Augen unterziehen musste, hätten ihn die Beamten dann zur Abgabe einer Urinprobe aufgefordert. „Ich sollte, obwohl ich nicht konnte, und angeboten habe, mit auf die Wache zu kommen, direkt am Bulli in den Becher pinkeln“, sagt Philipp-Niclas Jung. Während des von ihm als entwürdigend empfundenen Vorgangs hätten vorbeikommende Radfahrer das Geschehen verfolgt.

„Den Kollegen war das Kleinkraftrad bereits in der Bremer Straße begegnet und auf Grund eines unleserlich angebrachten Kennzeichens aufgefallen“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger. Daraus ergäbe sich die rechtliche Grundlage einer Verkehrskontrolle im Rahmen der Straßenverkehrsordnung. Die Beamten hätten gewendet und seien dem Krad mit einigem Abstand gefolgt. Hinter dem Ortsausgang Buchholz sei der Fahrer dann am Straßenrand stehend festgestellt worden, worauf hin das Polizeifahrzeug erneut gewendet wurde. Das folgende Gespräch wird seitens der Polizei als „freundlich und kooperativ“ geschildert. Philipp-Niclas Jung habe unumwunden „gelegentlichen Cannabiskonsum“ zugegeben und beim Vortest „klassische Auffälligkeiten“ gezeigt, worauf hin sich die Beamten zu dem als freiwillig abgegeben geschilderten Urintest entschieden hätten. Dieser sei negativ verlaufen und habe - vor Blicken durch Unbeteiligte geschützt - am Polizeifahrzeug stattgefunden, so der Sprecher weiter.

„Grundsätzlich werden solche Tests auf einer Dienststelle mit entsprechenden sanitären Einrichtungen durchgeführt“, sagt Jan Krüger. Jedoch zögen einige Betroffene aus Zeitgründen die „Vor-Ort-Variante“ vor. Bei weiblichen Probanden sei die Fahrt auf das Präsidium ohnehin obligatorisch. Philipp-Niclas Jung, der wegen unsachgemäßer Nummernschildanbringung und einer nicht mitgeführten Versicherungsbestätigung mündlich verwarnt wurde, bietet Jan Krüger ein klärendes Gespräch an. Der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes sowie die betroffenen Beamten seien gerne dazu bereit.