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Flüchtlinge können meist selbst keinen Beitrag zur Integration leisten

Die Wohncontainer an der Wohlesbosteler Straße sollen Anfang November bezugsfertig sein
 
Eckhard Gewert mit den Syrern Mohamed Yousef, Soliman und Yusef in deren Appeler Unterkunft

Wohncontainer an der Wohlesbosteler Straße sind nicht das Ende der Fahnenstange

gb. Hollenstedt. Die Wohncontainer stehen bereits. Derzeit erfolgt der Innenausbau. Voraussichtlich Anfang November werden 58 Asylbewerber die neue Unterkunft an der Wohlesbosteler Straße in Hollenstedt beziehen. "Sobald ein Betreiber feststeht, wollen wir die Öffentlichkeit zu einem Tag der offenen Tür in die neue Einrichtung einladen", kündigt Hollenstedts Bürgermeister Jürgen Böhme an. Um sich auf die Ankunft der Neubürger bestmöglich einstellen zu können, plant die Gemeinde zum Ende der Schulferien auch die Neubelebung des Arbeitskreises "Willkommenskultur".
"Die positiven Erfahrungen in Appel sollten ein Vorbild sein, das wir auf Hollenstedt und andere Orte der Samtgemeinde übertragen sollten", sagt Samtgemeindebürgermeister Heiner Albers. Ein Blick in die Gemeinde Appel bestätigt diesen Vorbildcharakter. "Bei uns läuft alles sehr gut, wir haben keine Probleme", erklärt Ratsmitglied und Hotelier Carsten Fock, der in seinem "Deutschen Haus" Zimmer für zehn Asylbewerber zur Verfügung stellt. Ortsbürgermeister Reinhard Kolkmann teilt diese Einschätzung. "Bis heute hat sich in meiner Sprechstunde niemand negativ über die Asylbewerber geäußert."
In Appel wurde nach anfänglichen heftigen Auseinandersetzungen um die Zahl der zugewiesenen Asylbewerber noch vor Ankunft der Flüchtlinge eine Unterstützergruppe gebildet, die Vorbildliches geleistet habe. Aber, so Kolkmann, dauerhaft könne dieser Arbeitsaufwand nicht im Ehrenamt getragen werden. Eine wirkliche Integration der Flüchtlinge in die Dorfgemeinschaft, so die Erfahrungen in Appel, sei schwierig.
Grund: Die Flüchtlinge können meist selbst keinen Beitrag zur Integration leisten, weil sie traumatisiert sind und in großer Unsicherheit über ihr Bleiberecht leben. So wurden die Kossovo-Albaner, die im Frühjahr als Erste im "Deutschen Haus" eingezogen sind, zwischenzeitlich bis auf eine Person von Syrern abgelöst.
Mohamed Yousef (19), Soliman (28) und Yusef (27) sind drei von ihnen. Seit vier Monaten leben sie in Appel. Über ihre Erlebnisse in ihrer Heimat wollen sie nicht reden. Zu groß ist die Angst um ihre Familien in Syrien, zu denen sie schon seit Monaten keinen Kontakt mehr herstellen können. "Es ist dort alles zerstört", sagt Soliman in gebrochenem Deutsch. In Aleppo, seiner Heimatstadt, hat er studiert. Jetzt heißt seine Beschäftigung "warten". Warten auf den Ausgang des Asylverfahrens, warten und hoffen auf eine Nachricht seiner Liebsten, warten auf die nächste Trauma-Therapiestunde. Mehr Deutschunterricht wünschen sich die jungen Syrer: "Drei Stunden pro Woche sind zu wenig", übersetzt Soliman. Und über mehr soziale Kontakte würden sie sich freuen.
„Die Asylbewerber versuchen sich einzubringen, sie haben zum Beispiel bei der jährlichen Müllsammlung oder dem Zeltaufbau für das Kindergartenfest mitgeholfen“, sagt Eckhard Gewert von der Appeler Unterstützergruppe.
Dass mit den zehn Plätzen in Appel und den künftigen 58 in Hollenstedt noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, macht Kreissprecher Johannes Freudewald auch klar: „Wir benötigen in der Samtgemeinde Hollenstedt 100 Plätze plus.“