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Profitgier statt Kampf gegen Herztod?

Helmut Detje vor dem Werbeplakat der Defibrillator-Station

Werbefinanzierter Defibrillator: 40.000 Euro für ein 999-Euro-Gerät

gb. Hollenstedt. Reine Profitgier, nicht der Kampf gegen den Herztod. Darum scheint es der schwäbischen Firma "Brunner Mobil Werbung" zu gehen. Das Unternehmen bietet Vertragspartnern Defibrillatoren an. Die lebensrettenden Geräte werden jedoch nicht regulär bezahlt, sondern über Werbeeinnahmen finanziert. Und zwar mit einem ebenso simplen wie gewinnbringenden Konzept, dem eine aggressive Werbestrategie zu Grunde liegen soll. "In meinen Augen handelt es sich hier um eine ganz grobe Hinterlistigkeit", empört sich Helmut Detje. Der Hollenstedter Unternehmer ist einer von 40 Geschäftsleuten, deren Werbung auf zwei 90 x 150 Zentimeter große Folien prangt, die am Schaufenster des hiesigen Edeka-Marktes Hingst kleben. Legt man die von Detje geforderten 1.400 Euro zu Grunde, dürfte das Böblinger Unternehmen insgesamt rund 40.000 Euro bei dieser Aktion eingenommen haben. Um im Gegenzug einen Defibrillator zu liefern, der aktuell und ohne Mengenrabatt für 999 Euro zu haben ist. In Eigenregie hätte man in Hollenstedt für die insgesamt investierte Summe folglich 40 statt nur eines Gerätes anschaffen können. Denn die Nebenkosten sind vergleichsweise marginal.

"Zwei Folien dieser Größe kosten maximal 200 Euro", sagt der Hollenstedter Folienprofi Henning Pfau. Bliebe noch die einstündige Einweisung an dem Gerät. Sie wurde durch einen von Brunner Mobil beauftragten Rettungssanitäter vorgenommen. Allerdings erst neun Wochen nach der Lieferung des Gerätes, und auch erst nach mehrmaliger telefonischer Aufforderung. "Mir ist das mittlerweile sehr unangenehm, dabei dachte ich, ich tue etwas Gutes, und nun fühlen sich die Leute über den Tisch gezogen", sagt EDEKA-Kaufmann Christian Hingst dem WOCHENBLATT. Besonders schlecht auf Brunner Mobil zu sprechen ist Helmut Detje. Er schildert das Vorgehen deren Werber als aggressiv. So habe sich eine seiner Mitarbeiterinnen von deren Außendienstmann derart bedrängt gesehen, dass sie den vorgelegten Dreijahresvertrag unterschrieb. Ohne die dafür erforderliche Befugnis zu haben, wie Detje betont. Drei Tage nach Unterschriftsleistung seiner Mitarbeiterin kündigte Detje den Vertrag per Einschreiben. Doch Brunner Mobil akzeptiert diese Kündigung nicht. Nun beschäftigen sich Juristen mit diesem Fall. Unserer Redaktion gegenüber nahm Brunner Mobil Werbung keine Stellung zu den Vorwürfen.