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Sich blind auf den anderen verlassen

Spieler der U14 bei der „Blindenpolonaise“

Jugendmannschaften des FC Este absolvierten Training im Behindertensport

gb. Hollenstedt. Wie orientieren sich blinde Fussballspieler? Dieser Frage spürten die Jugendmannschaften des FC Este im Rahmen des Programms „Anstoß“, das von der Deutschen Telekom unterstützt wird, nach. „Mit dieser besonderen Sporterfahrung sprechen wir auch die soziale Kompetenz der Jugendlichen an“, erklärte Übungsleiter Jens Pleier. Als hochgradig Sehbehinderter spielt der Würzburger selbst in der Blindenfußball-Bundesliga. Gemeinsam mit seinem sehenden Co-Trainer Simon Fischer machte er für die Mannschaften der U-12, U14, und U16 des FC Este den Tag zur Nacht. Dazu wurden die jungen Spieler mit Schwarzbrillen ausgestattet, die ihnen die Sicht nahmen.

Ein erstes Gefühl dafür, wie es ist, sich blind auf den anderen verlassen zu müssen, erhielten die jungen Kicker bei der „Blindenpolonaise“. In ihr gibt ein Sehender mittels Händedruck auf die Schultern des „blinden“ Vordermannes den Richtungswechsel der Hintereinanderlaufenden an. Wie schnell alle verbalen Kommandos in die Tat umgesetzt werden müssen, lernten die Spieler durch die in hohem Tempo in einer weiteren Trockenübung gegebenen Ansagen von Jens Pleier. Blitzartig mussten die Jungs dabei vor, zurück, nach links oder rechts laufen. Und verloren dabei prompt jede Orientierung. Die erhielten die Kicker mit Schwarzbrille wie unter realen Bedingungen durch ihre Guides. Das sind Personen, die hinter jedem Tor stehen, und durch ihre Zurufe die Spieler lenken. „Weibliche Stimmen haben sich dabei besser bewährt, sie sind leichter herauszuhören“, erklärt Simon Fischer.

Im Gegensatz zum normalen Fußall ist der beim Blindenfußball verwendete „Futsal-Ball“ kleiner und schwerer. Er ist mit unter seiner Außenhaut liegenden Rasseln bestückt. Da dieser spezielle Ball nur im Rollen, nicht jedoch in der Luft Geräusche von sich gibt, an denen sich Spieler orientieren können, wird er flach gespielt. Wie in der Blindenfußball-Bundesliga, in der Männer und Frauen gemeinsam spielen, und nur der Torwart ein Sehender sein darf, fand auch in Hollenstedt das Training auf einem 40 x 20 Meter messenden Feld statt. „Es war komisch, weil man nichts sieht und keine Orientierung hat“, sagt Justus (11) anschließend. „Ich fand es komisch, weil man immer auf den Guide vertrauen muss“, ergänzt Jonah (10). „Es war schwierig zu schießen, weil man nichts sieht, und deshalb daneben tritt“, schildert Henrik(11) seine auf dem Platz gemachte Erfahrung. „Für unsere Jungs ist es ein enormer Lernprozess, in dem sie erfahren, wie es ist, wenn man nicht sehen kann“, sagten FC-Este-Trainer Detlev Heins und Thies Jansen.

Wer sich ebenfalls für das Programm „Anstoß“ interessiert, in dessen Rahmen auch der Alltag von Blinden geschildert wird, findet unter www.anstoss.telekom.com/neue-sporterfahrung weitere Informationen.