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Streit um die Douglasie: "Baum des Bösen" oder Antwort auf den Klimawandel?

Die Antwort auf den Klimawandel: Forstwirt Norbert Leben zeigt einen Douglasien-Bestand
  mi. Landkreis. 14 Naturschutzgebiete nach der Flora, Fauna, Habitat-Richtlinie (FFH) muss der Landkreis Harburg bis Ende 2018 ausweisen, das ist EU-Vorgabe. Die Flächen umfassen nicht nur öffentlichen Grund, sondern auch Privatbesitz. Für die Eigentümer sind damit diverse Einschränkungen verbunden. Der schmale Grat zwischen sinnvollem und dogmatischem Naturschutz wird kaum deutlicher als am Konflikt um die Douglasie. Der Nadelbaum ist seit über 100 Jahren in unseren Wäldern heimisch. Jetzt soll er weg. Doch Forstwirte schlagen Alarm. Denn die Douglasie ist nicht nur wirtschaftlich attraktiv, sie könnte auch die Antwort auf den Klimawandel sein.
Aus Sicht der amtlichen Naturschützer beim Landkreis Harburg ist sie überspitzt gesagt „der Baum des Bösen“! Die aus Nordamerika stammende Douglasie soll am besten ganz aus den Naturschutzgebieten verschwinden. Den Nadelbaum gibt es seit dem 19. Jahrhundert in Europa, und seit Ende der 1890er Jahren in Deutschland. Dennoch gehört er nicht zur heimischen Flora. Für solche Flora-Immigranten sieht der Entwurf der Verordnung für das Naturschutzgebiet „Mittleres Estetal“ vor, dass ihre Ausbreitung verhindert werden muss. Ferner sollen „fremde“ Baumbestände durch heimische ersetzt werden.
Das Problem: Rund 250 Hektar der insgesamt 700 Hektar FFH-Gebiet sind Wald. Viele Waldbesitzer sehen sich durch die Einschränkungen massiv in ihrem Eigentum verletzt. Die Douglasie ist für die Forstwirtschaft in vielerlei Hinsicht eine Alternative zur heimischen Fichte.
„Das hat schon einen ideologischen Touch“, sagt Norbert Leben. Als Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung vertritt er die Interessen von 3.000 Waldbesitzern im Landkreis Harburg. Nach Ansicht des Forstwirts geht der Landkreis deutlich über das Schutzziel der FFH-Gebiete hinaus. Die Douglasie sei keine invasive Art. Sie ließe sich gut in die heimische Flora integrieren. Douglasien-Mischbestände wiesen sogar eine größere Artenvielfalt auf als reine Laubwälder. Deswegen führe die Anpflanzung von Douglasien auch nicht zwingend zu einer Verschlechterung im Sinne des Naturschutzrechtes .
Norbert Leben: „Waldwirtschaft setzt auf langfristige Investitionen. Viele Waldbesitzer haben in der Vergangenheit die Douglasie angepflanzt.“ Der Nadelbaum mache derzeit ca. sechs Prozent des gesamt Baumbestands aus.
Der Feldzug gegen die Douglasie sei dabei nicht nur wirtschaftlich schädlich, sondern auch dem Wald an sich könnten die amtlichen Naturschützer langfristig einen Bärendienst erweisen. Hintergrund: Forstwirte und Experten treibt nämlich beim Wald - jenseits von FFH-Romantik - ein weitaus bedeutenderes Thema um: Die Klimaveränderung. Heute dominiert noch die Fichte viele Wälder. Im Landkreis Harburg macht sie 20 Prozent des Gesamtbestandes aus. Der heimische Nadelbaum ist allerdings besonders anfällig gegenüber extremen Wetterereignissen wie Stürmen und langen Trockenperioden. Ganz anders die Douglasie, die sich als äußerst widerstandsfähig erweist. „Norbert Leben: „Wollen wir die Wälder zukunftsfest machen, müssten mehr und nicht weniger Douglasien gepflanzt werden.“
Stellungnahme des Landkreises:
Beim Landkreis Harburg versteht man die Bedenken der Forstwirtschaft nicht. Kreissprecher Johannes Freudewald teilte mit: Es gebe kein generelles Verbot der Douglasie, sondern nur die Vorgabe, dass sich Waldbestände in NSG- und FFH-Gebieten durch Bewirtschaftung nicht verschlechtern dürften. Deswegen müsse der Bestand aber auf zehn Prozent beschränkt werden. Es werde Bestandsschutz und eine Entschädigung geben. Allerdings müsste eine Vermehrung durch Selbstaussaat verhindert werden.

Auf ein Wort

Auch die Kirsche war bei uns nicht heimisch
Hätten die Römer schon solch dogmatischen Naturschutz betrieben wie heute die EU, sähe das Alte Land anders aus.
Die Kirsche - wie wir sie kennen - ist nämlich ein Import aus dem Schwarzmeerraum, der mit „Roms Legionen“ nach „Germanien“ kam. Sie ist, wenn man so will, wie die Douglasie der Gegenwart. Nur dass es Rom wohl lediglich darum ging, etwas Wohlschmeckenderes als die hier heimische Vogelkirsche anzubauen und nicht, wie heute darum, einen prägenden Natur- und Wirtschaftsraum vor den Folgen des Klimawandels zu bewahren. Denn dazu ist die Fichte - mag sie auch hier heimisch sein - nicht geeignet.
Mitja Schrader