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Wenn Lärm über die Theorie hinausgeht

Der Demonstrationszug auf dem Weg zur Autobahnauffahrt
 
Die Polizei sicherte den Demonstrationszug

Demonstranten fordern Umkehr der Beweislast und Nachbesserungen beim Schallschutz der A1

gb. Hollenstedt. Es war die größte Demonstration, die Hollenstedt seit Jahrzehnten gesehen hat. Rund 150 Bürger waren dem Aufruf der Bürgerinitiative (BI) „Lärmschutz Hollenstedt und Umgebung“ gefolgt, und zogen mit Protestplakaten durch den Ort. „Uns lärmgeplagten Anwohnern der A1 reicht es.“ Mit diesen Worten brachte BI-Mitglied Kerstin Krüger dem Ärger Luft. Der Zorn richtet sich gegen die Schallschutzmaßnahmen A1. Die sind nach Auffassung der Demonstranten unzureichend. Die Folge: Anwohner der nun der sechsspurig ausgebauten Trasse sehen sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, sorgen sich um ihre Gesundheit, und fürchten Wertminderungen ihrer Grundstücke. Eine entsprechende Petition wurde bereits von 1.726 betroffenen Bürgern der Samtgemeinde Hollenstedt unterzeichnet.Darin wird neben Nachbesserungen im Schallschutz auch die Umkehr der Beweislast gefordert. Denn nur auf dem Papier ist für die Demonstranten die Welt noch in Ordnung. Ein von den A1-Anreinergemeinden Appel, Hollenstedt und Wenzendorf in Auftrag gegebenes Gegengutachten bestätigte zwar die „richtlinienkonforme Durchführung der Berechnungen im Planfeststellungsverfahren“. Tatsächliche offizielle Lärmmessungen spielten dabei allerdings in beiden Fällen keine Rolle, und sind bislang auch nicht vorgesehen. Genau das könnte sich jedoch ändern, denn im Bereich Oyten wurden auf Grund des Drucks einer BI bereits solche Lärmmessungen angestellt. Als Dreh- und Angelpunkt könnten sich dabei die im Planfeststellungsverfahren offenbar nicht berücksichtigten Agglomeratstreifen erweisen. Diese optischen Fahrbahnmarkierungen erzeugen bei einem Fahrbahnwechsel ein summendes Geräusch von hoher Frequenz, das als von den Lärmgegnern als besonders störend empfunden wird.

„Auch hier muss endlich etwas passieren, deshalb habe ich bereits den Landesverkehrsminister Olaf Lies (SPD) angeschrieben“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Heiner Albers, der sich dem Demonszug angeschlossen hatte. Albers baut darauf, dass nach Auswertung der Oytener Zahlen auch im Bereich Hollenstedt geprüft werden kann, ob die im Planfeststellungsverfahren prognostizierten Dezibelwerte, trotz bisheriger Unterschreitung der darin zugrunde gelegten Verkehrsdichte, überschritten werden. Auf Privatgrundstücken durchgeführte Lärmpegelmessungen legen diesen Verdacht jedenfalls nahe. „Wir konnten damit die erhöhte Lärmbelastung gegenüber der Finanzbehörde glaubhaft machen, und damit eine Einheitswertreduzierung von drei Prozent erwirken“, heißt es in einer Erklärung der BI. Schützenhilfe erhoffen sich sowohl die BI wie auch der Samtgemeindebürgermeister durch die Bundestagsabgeordneten Michael Grosse-Brömer (CDU) und Svenja Stadler (SPD sowie den Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke (CDU). Sie wurden von Heiner Albers mit der Bitte um Unterstützung der Lärmbetroffenen kürzlich zu einem runden Tisch eingeladen.

Das der Protestmarsch, der zeitgleich auch von weiteren Initiativen entlang der A1 veranstaltet wurde, auf Grund behördlicher Anordnung nicht zur Autobahnbrücke führte, sondern bereits an der Autobahnauffahrt endete, führte bei einigen Teilnehmern der friedlichen Demonstration zu einem gewissen Unmut. Auf der Website „www.a1zulaut.de“ sollen künftig alle weiteren Aktionen sowie ein Spendenaufruf veröffentlicht werden.