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100 Tage Samtgemeindebürgermeister

Heiner Albers

Heiner Albers zieht im WOCHENBLATT- Interview ein erstes Resümee seiner Amtszeit

Seit 100 Tagen ist Heiner Albers Hollenstedts Samtgemeindebürgermeister. Ein guter Zeitpunkt also, ein erstes Resümee zu ziehen. WOCHENBLATT- Mitarbeiterin Gabriele Basilius führte das Interview mit dem neuen Verwaltungs-Chef.
WOCHENBLATT: Herr Albers, im Wahlkampf um Ihr Amt gab es Kritiker, die Ihnen fehlende Fachkompetenz attestierten, und deshalb die Einstellung eines Verwaltungsfachmannes an Ihrer Seite für notwendig erachteten.
Heiner Albers: Meinen Kritikern kann ich sagen, es wird keine weitere Verwaltungskraft an meiner Seite geben, weil ich dieses Amt ausfülle. Da ich in ein kompetentes Team gekommen bin, dass mich mit offenen Armen empfangen hat, fiel mir die Einarbeitung leicht. Mein Vorteil ist, dass ich die Menschen in der Samtgemeinde kenne, und die Menschen hier kennen mich. Vor allem kenne ich die hiesigen Themengebiete aus meiner jahrzehntelangen kommunalpolitischen Arbeit.
WOCHENBLATT: Sie hatten im Wahlkampf Bürgernähe versprochen. Wie ernst ist Ihnen dieses Versprechen im Amt?
Heiner Albers: Meine Vision, dass der Samtgemeindebürgermeister von der Leitung der Verwaltung bis zu den kleinen und großen Sorgen der Menschen für alles da ist, ist schon in den ersten 100 Tagen Realität geworden. So wie ich es im Wahlkampf versprochen habe, schicke ich niemanden weg, weil ich mich nicht zuständig fühle. Für Probleme, die ich nicht lösen kann, suche und finde ich den richtigen Ansprechpartner. Neben der Leitung der Verwaltung und der Umsetzung der politischen Aufgaben ist das eine enorm verantwortungsvolle Aufgabe, der ich mich gerne stelle.
WOCHENBLATT: Gibt es etwas, was bereits Ihre Handschrift trägt?
Heiner Albers: Ja. Denn ich sehe die Samtgemeindeverwaltung als ein modernes Dienstleistungsunternehmen, aus dem ich den Verwaltungsstaub kehren will. Deshalb habe ich neue Strukturen eingeführt, und Mitarbeiter in ihren Kompetenzen gestärkt. So finden jetzt beispielsweise wöchentlich Konferenzen mit den Abteilungsleitern der Verwaltung statt, in denen wir uns gegenseitig auf den neuesten Stand der Dinge bringen. Zudem wurden die Vorbereitungen der anstehenden politischen Sitzungen intensiviert. Fragestellungen aus der Politik werden auf dem kürzesten Weg beantwortet. Bei all dem geht es mir auch um Transparenz, nicht um einsame Entscheidungen, was seitens der Politik auch geschätzt wird. Ich erlebe eine große Offenheit der Gemeindebürgermeister, von denen ich keineswegs ausgebremst werde. Sicher gibt es bei einigen Kommunalpolitikern auch noch ein kritisches Abwarten, generell aber auch eine Zufriedenheit bei der bereits angepackten Themen.
WOCHENBLATT: Welche sind das?
Heiner Albers: Auf der Agenda steht das Anrufsammeltaxi, bei dem es erste Fortschritte gibt. Dann der Regionalpark Rosengarten, denn damit sind einige Gemeinden so unzufrieden, dass sie erwägen aus dem Projekt auszusteigen. Deshalb müssen alle Beteiligten an einen Tisch. Themen wie diese erfordern, dass die Bürgermeistertreffen jetzt nicht mehr quartalsweise sondern monatlich stattfinden. Ein großes Thema ist auch das regionale Raumordnungsprogramm zur Windenergie. Dazu werde ich Ende April ein öffentliches Treffen mit Verantwortlichen des Landkreises und allen Gemeinderäten einberufen. Großen Handlungsbedarf gibt es beim Autobahnlärm. Hier schränken Zuständigkeiten die Handlungsfähigkeit ein. Das vorliegende Lärmgutachten hilft uns auch nicht wirklich, und die Betroffenen leiden weiter. Deshalb brauchen wir ein Treffen mit den uns vertretenden Bundestags- und Landtagsabgeordneten.
Unsere anstehenden Investitionen müssen mit Blick auf knappe Kassen realisiert werden. Großer Handlungsbedarf besteht bei den Feuerwehrhäusern Appel und Halvesbostel, dem Freibad, sowie bei den Kindergärten Hollenstedt und Moisburg. Außerdem platzt unser energetisch vollkommen veraltetes Rathaus aus allen Nähten. Für all das müssen finanzierbare Lösungen entwickelt werden.
WOCHENBLATT: Gibt es etwas, was sie in ihrer täglichen Arbeit ernsthaft ärgert?
Heiner Albers: Ja, das sind die Dinge, die uns vom Land Niedersachsen aufgebürdet werden. Wir sehen uns hier einem Bürokratiemonster gegenüber, das dringend abgebaut werden muss. Viele Dinge sollten auch vor Ort entschieden werden können. Ein aktuelles Beispiel dazu ist die ausgelaufene Brennverordnung des Landes. Osterfeuer, die nicht in einem traditionellen Rahmen stattfinden, dürfen nun nicht mehr abgebrannt werden. Was hier seit Jahren privat stattgefunden hat, muss ich jetzt mit meiner Unterschrift verbieten. Das ärgert mich sehr.
WOCHENBLATT: Was bedeuten die beruflichen Veränderungen für den Menschen Heiner Albers?
Heiner Albers: Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst. Die stehen zuweilen der Erkenntnis gegenüber, dass auch mein Tag nur 24 Stunden hat. Meine Freizeit ist deutlich knapper geworden, denn ich versuche an so vielen Sitzungen und Veranstaltungen teilzunehmen wie ich nur irgend kann. Allerdings merke ich, dass ich dabei auch meine Kräfte einteilen muss.
WOCHENBLATT: Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Albers.