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Kein Essen für arme Kinder?

Das Modell Hollenstedt: Gemeinsames Toben im Kindergarten, aber gemeinsames Essen nur für die Kinder, deren Eltern bezahlt haben? (Foto: Fotos: archiv)
Hollenstedt droht Kindern säumiger Eltern mit Ausschluss von gemeinsamer Mahlzeit in KITA

gb. Hollenstedt. Kindergartenkinder, deren Eltern das Essensgeld nicht  entrichten, müssen im Zweifel ihren Platz am Mittagstisch in der Kita räumen. Diese Regelung soll in der Samtgemeinde Hollenstedt Satzungsrecht werden. Das hat der Sozialausschuss dem Samtgemeinderat empfohlen.
Der Zwangsausschluss vom gemeinsamen Mittagessen soll nach dem Willen von CDU, SPD und Wählergemeinschaft aber nur der letzte Schritt sein. „Es besteht kein Interesse daran, Kinder darunter leiden zu  lassen, dass Eltern ihren Pflichten nicht nachkommen“, sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Uwe Rennwald.
Ein Teilhabepaket des Landkreises subventioniert das Mittagessen (Kosten 2,80 Euro) für Kinder von Hartz IV-Empfängern auf Antrag mit 1 Euro pro Tag. Jedoch seien einige Eltern so nachlässig, dass sie diese Anträge nicht stellen, beklagt Uwe Rennwald.
Katrin Munz (Grüne) sieht das ganz anders: Gerade für Eltern mit mehreren Kindern sei es nicht händelbar, pro Halbjahr und Kind mehrere recht komplizierte Anträge zu stellen. „Nicht weil diese Leute faul sind, sondern weil sie es nicht besser können, wünschen wir uns, dass in Problemfällen die Solidargemeinschaft einspringt“, sagt Katrin Munz. Ihre Fraktion stimmte als einzige gegen die Ausschussempfehlung.
Säumige Essensgeldzahler belasten die Gemeindekasse mit rund 1.700 Euro pro Jahr. Bisher sei aber kein Kind vom Mittagstisch ausgeschlossen worden, sagt Bürgermeister Rennwald. „Wir haben in jedem Einzelfall den Kontakt zu den Eltern gesucht, die üblichen Mahnverfahren betrieben und bei der Antragstellung geholfen“, sagt Uwe Rennwald. Dennoch sei in wenigen Einzelfällen die Androhung des Ausschlusses das letzte Mittel gewesen, Eltern zur Zahlung zu bewegen.
Er benötige für einen derartigen Schritt aber eine rechtliche Grundlage. „In keinem Fall wird es so sein, dass ein Kind den anderen Kindern beim Essen zuschauen muss“, verspricht der Samtgemeinde-Bürgermeister, der in jedem Einzelfall das letzte Wort haben soll. Rennwald gibt aber noch dieses Jahr seinen Job auf.
•Der Samtgemeinderat wird sich am Montag, 6. Mai, mit dem brisanten Thema beschäftigen.