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Rostige Nägel im neuen Bodenbelag/Anwohner sauer über Verschlimmbesserung ihrer Straße

Nägel und Plastikfetzen: So etwas finden die Anwohner des Wiesenweges seit der Sanierung ständig auf der Straße.
 
Foto: So sah der Wiesenweg vor der Sanierung aus (Foto: privat)
mi. Hollenstedt. Zentimeterlange, rostige Nägel, Plastikreste, Altmetall - seitdem die Gemeinde Hollenstedt vergangenen Herbst den Wiesenweg, eine kleine Anliegerstraße in Hollenstedt-Ochtmannsbruch, erneuert hat, finden Anwohner solch verletzungsträchtigen Unrat häufig auf der Straße. Für die „Wiesenweger“ das I-Tüpfelchen bei einer aus ihrer Sicht deutlichen Verschlimmbesserung der alten Straße.
Im Wiesenweg in Hollenstedt-Ochtmannsbruch wohnen acht Familien. Bis September vergangenen Jahres war der Weg asphaltiert. Die alte Deckschicht wies allerdings schon diverse Beschädigungen und Löcher auf. Deswegen wurde die Gemeinde tätig. Der Asphalt wurde untergefräst, dann ein Betongemisch verteilt und planiert. Die Anwohner sind allerdings mit ihrer neuen Straße überhaupt nicht zufrieden. „Für uns ist das keine Verbesserung, sondern eine deutliche Verschlechterung“, sagt Dennis Meier. Familie Meier spricht dabei nach eigenen Angaben auch für die anderen Anwohner.
Schon kurz nach der Maßnahme hatte sich Familie Meier in einem Brief an Bürgermeister Jürgen Böhme gewandt. In dem Schreiben kritisieren sie, dass der neue Bodenbelag gar nicht als Deckschicht geeignet sei. Dazu erklärt Dennis Meier: „Es handelt sich um ein Betongemisch, das als Unterbodenbelag geeignet ist, nicht aber als Wegdecke.“ Als Folge befürchteten die Anwohner u.a. eine erhebliche Staubbelastung im Sommer durch vorbeifahrende Autos. Außerdem gehe von dem mit alten Nägeln, Glasscherben und Altmetall durchsetzen Belag großes Verletzungsrisiko für Kinder und Haustiere aus. Auch Beschädigungen von Fahrrad- oder Autoreifen seien nicht auszuschließen. „Wir fragen uns wer die Verantwortung übernimmt, wenn etwas passiert. Wer bezahlt uns die Schäden an unseren Fahrzeugen?“, so Familie Meier. Weiter bemängeln die Anwohner, dass durch den neuen Belag das Gefälle der Straße verändert wurde. Regenwasser sammele sich jetzt vor den Grundstücken und fließe nicht wie bei der alten Straße ab. Wegen der geringeren Stabilität sei außerdem nicht auszuschließen, dass sich schnell Schlaglöcher bilden und die Straße ständig erneuert werden müsse.
Zum Schluss fragen sich die Anwohner, warum der Wiesenweg - eine Wohnstraße - mit einem minderwertigen Belag saniert wird, während einen Katzensprung entfernt ein reiner Wirtschaftsweg in der Feldmark, wo es außer einer Schweinefarm gar nichts gibt, mit tollem neuen Asphalt versehen wurde.
Bürgermeister Jürgen Böhme erklärt auf WOCHENBLATT-Nachfrage, der Fall sei der Gemeinde bekannt. Das Schreiben der Anwohner liege zur Stellungnahme bei der zuständigen Baufirma. Allerdings sei die Straße vorher in einen katastrophalen Zustand gewesen. Die Sanierung mit dem Mineralgemisch sei von Experten empfohlen wurden. Es handele sich um eine kostengünstige und dennoch nachhaltige Lösung. „Sollen sich die Beschwerden der Anwohner bewahrheiten, wird selbstverständlich nachgebessert“, so der Bürgermeister.
Böhme räumte außerdem ein, dass der Wirtschaftsweg an der Schweinefarm tatsächlich mit hochwertigerem Belag erneuert worden sei. Jürgen Böhme: „Es handelt sich aber auch um eine äußerst wichtige Querverbindung zwischen Wohlesbostler Straße und Holveder Straße, die im Übrigen schon immer asphaltiert war.“

Müll im Betonbelag zulässig?

Es ist nicht das erste Mal, dass Anwohner im Landkreis nach einer „Straßensanierung“ Müll finden, der offenbar dem Baustoff für die Sanierung fahrlässig oder mit Vorsatz beigemischt wurde. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2013 im Jesteburg. Hier fanden Anwohner auf einer frischgeschotterten Straße alte Nägel, sowie Blechbesteck, Plastikstücke, Porzellankugeln und ähnliches. Der Belag für den Weg stammte damals von der Firma „Otto Dörner“. Verantwortlich für die Ausbringung war der Landkreis Harburg. Hier ließ man durch die Umweltbehörde nach monatelanger Prüfung feststellen, dass der Baustoff trotz Müllbeimischung nicht zu beanstanden gewesen sei.