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Titel als Balsam für die Seele

Turnier-Chef Dirk Retzlaff (re.) gratuliert dem neuen Norddeutschen Meister im Rollstuhltennis, Matthias Albanus vom TSV Stelle, zum Titelgewinn
 
Im Endspiel standen sich der Bendestorfer Matthias Albanus und Bianca Osterer aus Berlin gegenüber (Foto: retzlaff)

ROLLSTUHLTENNIS: 17 Rollis waren an zwei Turniertagen bei der 1. Offenen Norddeutschen Meisterschaft in Hollenstedt am Start

(cc). Bei der Siegerehrung überkam ihn ein unglaubliches Glücksgefühl. Denn der Bendestorfer Matthias Albanus wurde vor wenigen Minuten in der Tennishalle von Hollenstedt Norddeutscher Meister im Rollstuhltennis. Im Finale bezwang er die ehemalige Nummer 12 der Weltrangliste, Bianca Osterer aus Berlin, die aufgrund ihrer Spielstärke ins Herrenfeld gesetzt wurde. „Das war absolute Top-Werbung für den Behinderten- und Rollstuhlsport“, strahlte auch ein zufriedener Turnierorganisator Dirk Retzlaff aus Buchholz. Im Anschluss an die Siegerehrungen lobte Spielervertreter Frank Bergs die gelungenen Nordtitelkämpfe: „Dirk Retzlaff hat ein gutes Turnier auf die Beine gestellt.“
In einem hochklassigen und hart umkämpften Finale behielt der Bendestorfer nach gut zwei Stunden mit 6:3 5:7 und 12:10 die Oberhand. „Bianca hat sich gut auf mich eingestellt“, sagte Matthias Albanus nach seinem Turniersieg. 10:9 hatte die Berlinerin im dritten Satz gegen unseren Lokalmatadoren schon geführt. Dann drehte der neue Nordmeister noch zum 12:10. „Ein Glück, dass ich den letzten Ball druckvoller über das Netz gespielt habe. Da konnte Bianca die Filzkugel nur noch in die Maschen drücken“, strahlte Matthias Albanus.
Der Gewinn des Nordtitels bedeutet dem Behindertensportler Matthias Albanus, der für den TC Stelle startet, weitaus mehr als eine Meisterschaft. Der Titel ist auch eine Art Seelenbalsam für den 36-Jährigen, der für einen Moment sein traumatisierendes Erlebnis vergessen lässt.
Dem erfolgreichen Sportsmann stehen Tränen in den Augen, als er von seinem Unfall im Jahre 2000 berichtet. Als 21-Jähriger leistete er damals bei der Bundeswehr seinen Grundwehrdienst und wollte in dieser Zeit unbedingt einen LKW-Führerschein machen. „Ich war Beifahrer auf dem LKW. Da der Kamerad am Steuer eingeschlafen war, passierte der Unfall“, erinnert sich Matthias Albanus an den Moment, der sein Leben völlig verändert hat. Er verlor bei diesem Unfall seinen linken Oberschenkel. Sein rechter Unterschenkel konnte zwar wieder angenäht werden, aber sein Leben ging im Rollstuhl weiter.
Matthias Albanus, der in der Jugend ein guter Leichtathlet war, suchte eine neue sportliche Herausforderung für Menschen mit Behinderung - und fand sie im Schlitteneishockey. Dafür musste er zum Training immer nach Bremen fahren. Auf der Suche nach einer Sportart mit kürzeren Trainingswegen fand er vor vier Jahren die Gruppe Rollstuhltennis beim TC Stelle, mit der er sportliche Triumphe feiert. Sein nächster Start ist Ende August bei den German Open in Berlin.
Zurück zu den Norddeutschen Meisterschaften in Hollenstedt. Denn bei diesen Titelkämpfen konnte auch seine Vereinskameradin Corinna Krause als Vizemeisterin jubeln. Im Damen-Einzel-Endspiel musste sie Hannah-Louisa Schmidt von den Zehlendorfer Wespen (Berlin) mit 6:4 und 6:3 den Vortritt bei der Titelvergabe lassen.
Im Doppel holte Bianca Osterer mit ihrem Partner Christoph Minkus (Windhagen) den Titel vor Matthias Albanus und Thorben Böhm (beide TC Stelle).
„Insgesamt war das Turnier von ausgesprochen guten und fairen Spielen sowie einem ungemein guten Klima zwischen allen Teilnehmern, Trainern und Betreuern geprägt“, resümierte Turnierleiter Dirk Retzlaff.