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"Günni, mach schneller!"

Noch ist nichts passiert - die Spannung steigt (Foto: sc)
 
Zuerst kommen die Konturen, was schon ziemlich schmerzhaft ist (Foto: sc)

Wie schmerzhaft ist das Stechen eines Tattoos? WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping fand es heraus

Es sollen die Namen meiner Töchter werden. Das sind für mich, WOCHENBLATT-Redakteurin und Nadel-Paranoikerin Alexandra Bisping, die einzig wahren Tattoo-Motive. Für sie bin ich bereit zu leiden. Ich stehe in Horneburg vor "Günnis Tattoo-Werkstatt" und warte auf Inhaber "Günni" Günter Quast. Um 16 Uhr dürfen wir, Kollegin Saskia Korleis, die alles bildlich festhalten wird, und ich das Tätowier- und Piercing-Studio betreten.

Erst mal heißt es warten. Ständig kommen neue Kunden, erstaunlicherweise nur Frauen. Die meisten wollen ein Bauchnabelpiercing. Weil es schneller geht, wird es dem Tätowieren vorgezogen. Günni macht seine Sache ordentlich. Desinfizieren und sauberes Arbeiten stehen bei ihm an erster Stelle. Als ich endlich drankomme, ist es kurz vor 18 Uhr. Ich zeige Günni die ausgewählten Flächen an meinen Unterarmen, rede von der Größe der Buchstaben und werde gleich unterbrochen. "Willst du ein Tattoo oder nicht? So klein kann ich das nicht machen." Er zeigt mir, was ihm vorschwebt. "Die Haut lebt und verändert sich. Du wirst älter, die Haut verliert an Spannung und bei kleinen Buchstaben hast du da irgendwann nur noch einen schwarzen Klumpen." Günni hat mich schon überzeugt.

Ich sitze auf einer breiten Lederliege. Mit einer Blaupause überträgt Günni die Buchstaben der Namen auf meine Arme, die abwechselnd auf eine mit Handtuch und Klarsichtfolie umwickelte Armlehne kommen. Günni spannt eine sehr lange Einmal-Nadel in sein Gerät ein. "Du darfst pöbeln, mich beschimpfen, heulen, kreischen und schreien, aber eines darfst du nicht: den Arm wegziehen", weist er mich an. Jetzt wird mir doch ziemlich mulmig zumute ...

"Der Schmerz ist ähnlich wie beim Epilieren", sagt Günni noch, dann tunkt er die Nadel in ein schwarzes Farbtöpfchen und legt los. Mitnichten ist es wie beim Epilieren - es ist viel schmerzhafter! Reflexartig will ich meinen Arm zurückziehen, aber Günni hat ihn fest im Griff. "Entspann dich mal", rät er mir. Leichter gesagt, als getan. Ich zittere und versuche mich mit Fragen von dem beißenden Brennen der Einstiche abzulenken. Ob schon einer bei ihm umgefallen sei, will ich wissen. "Nicht nur einer", sagt Günni. Das käme durchaus vor. "Auch gestandene Kerle?", frage ich und fühle mich gleich etwas besser, als Günni dies bejaht.

Ich konzentriere mich darauf, Schmerzschreie zu vermeiden. Meine Hände sind feucht vor Anspannung. Während ich leide, erfahre ich, dass Günni schon immer Tätowierer werden wollte. "Meine ersten Tattoos habe ich mit 13 Jahren bei meinen Kumpels gestochen, mit Nadel und Tinte." Als ich nachhake, wie die geworden sind, grinst Günni breit. "Na, wie wohl? Ganz übel, natürlich."
Zwischendurch kann ich Schmerzlaute nicht mehr unterdrücken. Saskia blickt besorgt, hält aber mit der Kamera drauf. Nach gefühlten Stunden - es waren nur wenige Minuten - sind die Konturen der Namen fertig. Anschließend werden sie mit einer zweiten Farbe ausgefüllt, was erstaunlicherweise nicht mehr ganz so schmerzhaft ist und recht zügig geht.

Ca. eine halbe Stunde später bin ich fix und fertig - aber megastolz. Der Tätowierer wickelt mir Klarsichtfolie um die tätowierten Arme, damit sich möglichst wenig Schorf bildet und Salbe besser wirkt, und gibt mir noch ein paar Pflegetipps mit auf den Weg. "Tätowieren macht süchtig, wirst sehen", verabschiedet sich Günni von mir. Mein Fazit: Er hat es toll gemacht - doch diese Tattoos werden bei mir die einzigen bleiben. Ganz bestimmt.