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Ikone des Widerstands: Warum der "Isern Hinnerk" unsterblich wurde

"Isern Hinnerk" lebte Anfang des 14. Jahrhunderts im Elbe-Weser-Dreieck und leistete schon als junger Mann Widerstand gegen den Erzbischof (Foto: Dietrich Alsdorf)
 
Hat ein Buch über den "Isern Hinnerk" geschrieben: Dietrich Alsdorf
lt. Horneburg. Er soll durch unterirdische Geheimgänge geflohen sein, Schätze im Moor versenkt und ein Pferd verkehrt herum beschlagen haben, um seine Verfolger zu täuschen: Um Hinrik von Borch alias "Isern Hinnerk" (Eiserner Hinrik), der Anfang des 14. Jahrhunderts im Elbe-Weser-Dreieck lebte, ranken sich viele sagenhafte Erzählungen und Legenden, die sich bis heute hartnäckig in den Köpfen der Menschen halten. Das WOCHENBLATT hat sich auf Spurensuche begeben, um das Geheimnis des eigensinnigen Raubritters Heinrich von Borch zu lüften, der eigentlich gar kein Ritter war.
Hinrik von Borch wurde um 1290 auf der Horneburg als ältester von sieben Söhnen des Ritters Hinrik III. geboren und gehörte zur Horneburger Burgmannschaft. "Er muss sehr jähzornig und impulsiv gewesen sein und geriet schon mit 17 oder 18 Jahren in eine Auseinandersetzung mit dem Erzbischof", sagt der Stader Autor Dietrich Alsdorf. Er hat sich ausführlich mit dem "Isern Hinnerk" beschäftigt und ein Buch über den legendären Horneburger geschrieben.
Als junger Mann war Hinrik von Borch bereits Burgherr auf der Burg Vörde in Bremervörde. Vermutlich hatte er die Burg zwischen 1307 und 1310 besetzt, als das Erzbistum Bremen ohne Bischof war.
Die Probleme begannen mit dem neuen Bischof, der u.a. die Burg Vörde zurückhaben wollte. Doch der "Isern Hinnerk" dachte nicht daran, klein beizugeben und schaffte es, die Burg gegen alle Widerstände jahrelang zu halten.
Erst nachdem sich verschiedene Adlige aus Norddeutschland und Bremen gegen ihn zusammenschlossen, floh "Isern Hinnerk" auf seine Burg im Dannsee (Beckdorf). Von dort soll der Rebell zu Raubzügen und Überfällen ausgerückt sein.
Weil seine Gegner daraufhin die Burg im Dannsee komplett zerstörten, floh der inzwischen exkommunizierte "Hinnerk" zu seiner Familie auf die Horneburg, die daraufhin ebenfalls belagert wurde.
Wie es ihm gelang, von dort zu fliehen und für längere Zeit spurlos zu verschwinden, bleibt wohl ein Geheimnis. Dietrich Alsdorf jedenfalls glaubt nicht an die Legende der unterirdischen Geheimgänge, die womöglich von der Horneburg (heute steht dort das "Schloss") bis zum mehrere Hundert Meter entfernten Burgmannshof führen. Für den Bau solcher Fluchtwege sei der Boden viel zu sumpfig. Vielleicht habe es aber einen Kriechgang aus Holz gegeben, der dem "Isern Hinnerk" die Flucht durch den Burggraben ermöglichte.
Schätze soll der "Isern Hinnerk", der nie offiziell zum Ritter ernannt wurde, auch nicht gehabt haben, so Alsdorf. Und die Geschichte mit dem falsch beschlagenen Pferd habe sich auch nur ein Nicht-Reiter ausdenken können.
Fest steht: "Isern Hinnerk" ist als Ikone des Widerstands unsterblich geworden und erreichte, trotz einer jahrelangen Kerkerhaft, ein für die damalige Zeit stolzes Alter von mehr als 50 Jahren. Kinder hat der "Isern Hinnerk" vermutlich nicht gehabt.
Übrigens: Auf seiner Flucht von der Horneburg soll "Isern Hinnerk" von Kiebitzen verraten worden sein, die sich von ihm gestört fühlten und lauthals schrien, als er sich hinter einem Stapel Torf versteckte. Die Horneburg wurde während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) komplett zerstört.
www.dietrich-alsdorf.de