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Ist ihr Traum ausgeträumt?

Valentin und Luiza Shkambi mit ihren Söhnen Daniel (re.) und Francesko sowie Nesthäkchen Meredit wollen in Deutschland bleiben. In nur acht Monaten haben sie hier viele neue Freunde gewonnen
bc. Agathenburg. Mit ein paar Koffern stand Familie Shkambi im Februar in Agathenburg (Landkreis Stade): Vater Valentin (45), Mutter Luiza (42), die Söhne Daniel (15) und Francesko (13) sowie Nesthäkchen Meredit (6). In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft hatten sie ihr Leben in der albanischen Kleinstadt Shkodra zurückgelassen. Nach acht Monaten scheint der Traum ausgeträumt zu sein.

Die Familie muss nach dem Willen deutscher Ausländerbehörden das Land am Freitag, 31. Oktober, verlassen. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Auch eine Klage sowie eine Eingabe bei der Härtefallkommission in Hannover brachte keinen Erfolg. "Die Eingabe wurde nicht mal geprüft", sagt Marianne Zimmer.

Sie ist eine von Hunderten Menschen in Agathenburg und Umgebung, die den Shkambis helfen wollen. Schule, Kindergarten, Sportverein, Kirche: Überall zeigen sich die Leute solidarisch mit der Familie. Knapp 800 Unterstützer-Unterschriften haben Marianne Zimmer und etliche andere Bürger in den vergangenen Wochen gesammelt: "Wir wollen erreichen, dass sich die Härtefallkommission mit dem Einzelfall beschäftigt", sagt die Frau. Ein Bleiberecht für Familie Shkambi sei das Ziel.

Die Zuwanderer sind im Ort sehr beliebt. Vom ersten Tag an suchten sie den Kontakt zu den Agathenburgern. Valentin und Luiza sind im Backofenverein engagiert. Als gelernter Koch heizt er bei Backtagen den Ofen an. Sie backt mit den "Backobenfrünn" Pflaumenkuchen, hält sich außerdem in der Gymnastikgruppe fit. Die Familie ist Mitglied der Stader Heilig-Geist-Kirchengemeinde, fährt jeden Sonntag zum Gottesdienst. "Für uns sind sie Freunde geworden, die wir nicht wegschicken wollen", erzählt Gemeindemitglied Marianne Zimmer.

Daniel und Francesko gehen zur Oberschule in Horneburg. Daniel will im Sommer seinen Hauptschulabschluss machen, ein Praktikum in einer Tischlerei hat er bereits sicher. Beide Teenager spielen Fußball beim SV Agathenburg, auch Vater Valentin kickt in der Ü40. "Sie sind immer hilfsbereit und nett", sagt Platzwart Karl-Heinz Basedahl.

Töchterchen Meredit geht in den örtlichen Kindergarten, turnt und tanzt leidenschaftlich gerne. Alle Kinder haben in wenigen Monaten hervorragend Deutsch gelernt, die Eltern verstehen die Sprache zumindest schon ein wenig. "Wir haben hier viele neue Freunde gefunden, wollen nicht mehr weg", sagt Daniel.

Doch das entscheiden andere. Albanien ist kein Kriegsland. Die Familie muss dort nicht um Leib und Leben fürchten. In Deutschland gelten sie als Wirtschaftsflüchtlinge. Auch wenn Valentin Shkambi berichtet, dass sie als katholische Christen im muslimisch geprägten Albanien einen schweren Stand hätten.

In Deutschland würde er gerne als Koch arbeiten, sofern er denn dürfte. Luiza ist ausgebildete Friseurin. "Beides Berufe, in denen Fachkräfte gebraucht werden", sagt Marianne Zimmer.

Übers Wochenende wollen die Agathenburger weitere Unterschriften sammeln. Am Montag werden sie dann über einen Anwalt den Antrag bei der Härtefallkommission einreichen. Solange in Hannover darüber nicht entschieden ist, darf Familie Shkambi bleiben.

Abschieben werde sie sich ohnehin nicht lassen. Valentin Shkambi hat bereits erklärt, freiwillig auszureisen, sofern auch das letzte Gesuch scheitert. Denn andernfalls dürften sie nicht mehr nach Deutschland einreisen, beispielsweise für einen Besuch oder für einen Job.


Kommentar:

Klar ist: Die Shkambis haben keinen gesetzlichen Anspruch, in Deutschland zu bleiben. Klar ist auch: Deutschland kann nicht Heimat für alle Notleidenden dieser Welt sein. Menschen, die von Tod und Terror verfolgt werden, bräuchten vermutlich dringender Hilfe als Familie Shkambi.

Und trotzdem ist zu hoffen, dass sich die Härtefallkommission noch einmal mit der albanischen Familie beschäftigt. Sie ist im Dorf perfekt integriert - sicherlich mehr als mancher Deutscher. Vater und Mutter möchten arbeiten, die Kinder sind wissbegierig und voller Tatendrang.

Erst am Mittwoch sagte Kanzlerin Merkel, dass Deutschland "ein tolles Integrationsland" sein könnte. Die Gesellschaft müsse Zuwanderung nur als Chance begreifen. Angesichts einer alternden Gesellschaft und dem fortschreitenden Fachkräftemangel ein kluger Gedanke. Familie Shkambi steht bereit, um zu helfen.

Björn Carstens