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Mariengrotte auf Norddeutsch - „Lost Place“, Teil 6: Im Rüstjer Forst rasteten einst Wanderer an einer Feuerstein-Mauer

Während die Grotte am Horneburger Schloss (Foto li.) intakt ist, ...finden sich im Rüstjer Forst (oben) nur noch spärliche Überreste
jd. Rüstje/Horneburg. Wer in katholischen Regionen wie Bayern, der Pfalz oder dem Rheinland im Urlaub war, kennt sie sicher: sogenannte Mariengrotten. Die künstlich angelegten, meist aus Feldsteinen errichteten Halbkreis-Mauern, in deren Mitte eine Madonna platziert ist, erinnern an eine der berühmtesten Mariendarstellungen in einer Grotte: der Madonna von Lourdes, die jedes Jahr von Abertausenden Pilgern aufgesucht wird. Nicht als Pilgerziel, sondern als Ausflugsziel diente eine „Kunst“-Grotte im Rüstjer Forst. „Einer meiner Vorfahren ließ die Grotte vor rund 130 Jahren errichten“, erzählt der Eigentümer des Waldgebietes, Karl Friedrich Freiherr von Düring. Viel zu sehen gibt es nicht mehr. Dafür ist eine ähnliche Grotte am Horneburger Schloss weitgehend intakt.

Heute würde man es wohl als Picknick-Plätze bezeichnen: Die einst mit einem Steintisch und Bänken versehenen, lauschigen Ecken neben dem Horneburger Burggraben und im Rüstjer Forst. Die aufgemauerte, halbkreisförmige Wand erinnert entfernt an eine Grotte und sollte hoch im Norden südliches Flair verbreiten. Ein lauschiges Plätzchen eben, an dem erschöpfte Wanderer ein wenig verschnaufen konnten. Das Besondere daran war, dass nicht irgendwelche Feldsteine, sondern Feuersteinknollen verwendet wurden. Damit sollte imitiert werden, was hier in der Region gar nicht vorkam: eine Höhle.

Diese „grottigen“ Gebilde waren vor allem in den Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts beliebte Gestaltungselemente. In der Provinz hielt sich diese Mode noch wesentlich länger. Die Grotte im Wald entstand, nachdem der von Düring‘sche Teil des Rüstjer Waldgebietes aufgeforstet wurde. Ein findiger Gastwirt, der sein Lokal nahe des Gutshofes der Dürings betrieb, lockte Ende des 19. Jahrhunderts seine Gäste mit der einzigen Attraktion der Gegend, dem inzwischen nicht mehr stehenden Mausoleum der Gutsherrn. Damit sich der Abstecher in das noch junge Wäldchen lohnt, wurde als weitere Sehenswürdigkeit möglicherweise die Grotte empfohlen.

Ein beliebtes „Ausflugsziel“ scheint noch immer das Gegenstück im Horneburger Schlosspark zu sein: Dort stapeln sich regelmäßig leere Schnapsflaschen, die von den „Flüssig-Picknickern“ ausgeleert werden. Ob man sich in Horneburg über diese Art von „Gästen“ freut? Wohl eher nicht.