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"Polizisten gehören auf die Straße"

Werner Oelenbüttel war 39 Jahre Polizist: "Die Polizei muss Präsenz zeigen"
bc. Horneburg/Stade. Werner Oelenbüttel (82) ist ein Polizist vom alten Schlag. 39 Jahre war der Horneburger Freund und Helfer, Vermittler und Ansprechpartner für die Bürger. Als er jetzt im WOCHENBLATT las, dass die Anzeigenaufnahme in Stade neu organisiert sei, um die Arbeitsabläufe zu optimieren, fühlte sich der mehrfach ausgezeichnete, ehemalige Hauptkommissar auf den Plan gerufen. "Polizeibeamte gehören auf die Straße und nicht den ganzen Tag an den Schreibtisch", sagt der Mann mit entschiedener Stimme. Gegenwärtig sehe er kaum noch Polizisten Streife fahren oder laufen. Die Polizei müsse aber Präsenz zeigen, vorbeugend tätig sein und nicht den Verbrechern hinterherlaufen, so Oelenbüttel.

Ihn stören besonders die offensiv kommunizierten Geschäftszeiten der Stader Wache: Von Montag bis Freitag zwischen 7 und 20 Uhr dürfen die Bürger ihre Anzeigen aufgeben - in Ausnahmefällen auch nach vorheriger Terminvereinbarung. "Zu meiner Zeit war es üblich, dass Anzeigen jeglicher Art Tag und Nacht aufgegeben werden konnten." Von der Bereitschaft sei stets jemand zugegen gewesen. Öffnungszeiten seien etwas für den Supermarkt, aber nicht für eine Polizeiwache.

Eine extra eingerichtete Abteilung für die Anzeigenaufnahme mit fünf spezialisierten Polizeikommissaren sei nicht nötig, meint Oelenbüttel. Das habe mit Bürgernähe nicht viel zu tun. "Die Polizei muss auf der Straße mit den Menschen im Dialog stehen." Alleine die Präsenz trage zu einem größeren Sicherheitsgefühl bei den Bürgern bei. "Ich habe das Gefühl, dass sich die Polizei derzeit versteckt", so Oelenbüttel.

Die Polizei in Stade verteidigt die neue organisierte Anzeigenaufnahme. Die Geschäftszeiten hätten sich sogar um eine Stunde täglich verlängert. Zudem könnten in wirklich dringenden Fällen Anzeigen auch rund um die Uhr aufgegeben werden. Zudem gebe es die Möglichkeit, jederzeit eine Anzeige im Internet (www.onlinewache.polizei.niedersachsen.de) aufzugeben.

Es sei nicht so, dass sich die Leute auf der Wache langweilen würden. "Die Beamten in der Anzeigenaufnahme teilen sich die Zeit ein. Natürlich sind sie auch weiterhin im Streifendienst tätig. Sie fehlen also nicht auf der Straße", sagt Ralf Hildebrandt, stellvertretender Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Stade. Nichts desto trotz sei die Polizei froh, wenn sich die Bürger an die Geschäftszeiten halten würden. Hildebrandt: "Es sei denn, es handelt sich um einen akuten Fall."

Werner Oelenbüttel werden die Worte nur teilweise erfreuen: Welcher Bürger kann schon einschätzen, wann eine Anzeige eilt und wann nicht?