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Sein Reisepass ist voller Stempel

In Australien angelte Eddi oft am menschenleeren Strand.
 
Eddi hält ein Bild von sich und seinen Kindern aus erster Ehe in den Händen. Seine Tochter und sein Sohn leben in Australien und besuchten Eddi vor Kurzem in Buxtehude.
Globetrotter "Eddi" Raddatz war auf der ganzen Welt zu Hause / Heute lebt er im beschaulichen Horneburg

at. Horneburg. Eckhard "Eddi" Raddatz (74) schaut mit sehnsuchtsvollen Augen auf die Bilder, die vor ihm auf dem Küchentisch in seinem Haus in Horneburg liegen. Eins zeigt ihn in der Weite des australischen Outbacks, das andere in einer Ferienanlage in Thailand, auf dem nächsten Foto steht Eddi bei Sonnenuntergang am Strand und angelt. "Das vermisse ich am meisten", sagt er mit verträumten Augen. "Das Angeln am Beach und kein Mensch ist da." Sein Zuhause hatte er auf der ganzen Welt. Australien, Thailand, Deutschland, Kanada, die USA - unzählige Stempel in seinem Pass zeugen von seinen Reisen. Dem WOCHENBLATT gibt der Globetrotter einen Einblick in sein bewegtes Leben.

Heute blickt Eddi nicht in die Weite des Outbacks oder auf den Ozean, sondern auf eine Lärmschutzwand an der Bundesstraße 73 in Horneburg. Er hatte sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland vor 14 Jahren in das Haus in Horneburg verliebt und es für sich und seine zwei Kinder, Otto und Ammy, gekauft. Er kam mit zwei Koffern, einem Rucksack und einem Kinderwagen aus Thailand zurück. Seinen Kindern zuliebe. "Ich wollte, dass sie eine gute Schule besuchen und etwas lernen."
Reisen war immer ein Teil seines Lebens. Eddi war 16 als seine Mutter mit ihm und seinen zwei Geschwistern 1956 nach Down Under auswanderte. Die Familie war zuvor aus Schlesien geflohen. "Das Ereignis hat uns wohl so sehr geprägt, dass wir immer umhergereist sind", vermutet Eddi. 45 Jahre tourte er durch die Welt, lebte lange Zeit in Australien und Thailand.

Im australischen Perth kaufte er eine Weinbar mit Café. Die erwirtschaftete irgendwann soviel Gewinn, dass Eddi sich eine Yacht und mehrere Wohnungen leisten konnte. "Man nannte mich damals den 100-Prozent-Mann", sagt Eddi mit einem Schmunzeln. "Alles, was ich kaufte, konnte ich mit 100 Prozent Gewinn wieder verkaufen." So auch seine Bar. Nach deren Verkauf ging Eddi mit 42 Jahren in Rente. Er lebte von dem Gewinn der Bar. "Ich bin kreuz und quer durch Australien gereist. Ich habe viel gesehen." Als das Outback nicht mehr reichte, reiste er in die USA und Kanada, auf die Philippinen, nach Bali sowie Thailand. Die Urlaube wurden aber irgendwann zu teuer. "Also blieb ich gleich in Thailand", sagt er schmunzelnd. Dort investierte er wieder in Wohnungen, ein Haus und zwei Geschäfte. Seine zwei Kinder Otto und Ammy wurden geboren. Doch die Mutter der beiden, habe ihn dann über den Tisch gezogen, sagt Eddi. Deswegen entschloss er sich 1999 zur Rückkehr nach Deutschland.

"Ich habe gelebt und das ist alles, was zählt", sagt er. Eddi ist seit seiner Einreise nach Deutschland Rentner. Heute kümmert er sich um die Erziehung seines Sohnes Otto (17) und um seine Tochter Ammy (21) sowie um die Renovierung seines Hauses an der B73. Trotzdem will er das Reisen nicht ganz aufgeben. "Im nächsten Jahr werde ich 75 - vielleicht packe ich dann wieder meinen Koffer", sagt er und lacht verschmitzt.