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Vereinschef will Lühe wiederbeleben: Schlick verhindert maritimen Tourismus

Peter Möller will die Lühe attraktiver für Touristen machen
 
Idylle an der Lühe: die Hogendiek-Brücke bei Steinkirchen (Foto: Archiv)
(jd). Der Tourismus ist neben dem Obstbau der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Alten Land. Die Ausflügler kommen entweder mit Auto oder Rad. Eine wachsende Zielgruppe - die Bootstouristen - wird leider sträflich vernachlässigt. Dabei besitzt das Alte Land in dieser Hinsicht ein Riesenpotenzial: die Flüsse Lühe und Este, die sich durch die malerische Marschlandschaft schlängeln - Postkartenidylle pur. Doch beide Gewässer sind stark verschlickt und selbst mit kleineren Booten nur bei Hochwasser schiffbar. "Es ist ein Trauerspiel", sagt der neue Vorsitzende des Fördervereins Lühe-Aue, Peter Möller. Er kritisiert, dass die Ausbaggerung der Este nun aufgrund des Deals bei der A26-Brücke möglich ist, sich um die Lühe aber niemand schert.
"Die Buxtehuder profitieren jetzt von diesem Kuhhandel und Horneburg wird weiter das Wasser abgegraben", beklagt sich Möller. Sein Verein setzt sich dafür ein, die Lühe in maritimer Hinsicht wiederzubeleben. Dafür ist es allerdings zwingend erforderlich, das der Fluss eine gewisse Mindesttiefe aufweist: Für die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel gebe es derzeit nur ein minimales Zeitfenster, so Möller: "Daher wird die Lühe von Freizeitkapitänen gemieden."
So verwundert es auch nicht, dass der im Sommer 2014 errichtete Anleger im alten Horneburger Hafen kaum genutzt wird. Rund 150.000 Euro wurden damals für den Ponton inklusive Einstiegshilfe für Kanuten aufgewendet, die Hälfte davon stammte aus Leader-Mitteln. Ziel war es, mehr Sportboote auf die Lühe zu holen. Doch das Fördergeld wurde buchstäblich versenkt, wenn die Lühe in absehbarer Zeit nicht vertieft wird.
Die Fahrt mit der Barkasse ging von Horneburg über die Lühe und Elbe nach Hamburg - und sie kostete 50 Pfennig. Das war vor mehr als 100 Jahren. Der Preis ist heutzutage natürlich illusorisch, doch eine Wiederbelebung des bereits vor Jahrzehnten eingestellten Ausflugsverkehrs auf der Lühe hält der Förderverein Lühe-Aue für durchaus realistisch. Im Verein hat vor Kurzem Peter Möller das Ruder übernommen. Er ist seit der Gründung im Jahr 2008 dabei und trat die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Wulf Hoffmann an, der im Januar verstorben ist. Möller zählt es zu seinen wichtigsten Aufgaben, die Lühe als Schifffahrtsweg - vor allem für den Tourismus - wiederzubeleben.
Dieses Ziel ist allerdings nicht einfach zu erreichen: Zwar war der Bau des Schwimmstegs im Horneburger Hafen ein wichtiger Schritt in diese Richtung, aber nach Ansicht von Möller verharrt die Lühe weiter im Dornröschenschlaf, wenn sie nicht ausgebaggert wird. Doch für eine Entschlickung sieht das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) keinen Anlass. Dort wird seit jeher argumentiert, dass der Elbe-Nebenfluss keinerlei Funktion als Wasserstraße mehr besitze. So nimmt die Verschlickung weiter zu: "Bei Ostwind und Niedrigwasser kann man die Lühe fast durchwaten", sagt Möller.
"Die immens hohen Kosten für eine Ausbaggerung müssten die Anliegerkommunen übernehmen", so Horneburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Detje. Die örtliche Politik sei an dem Thema dran, doch derzeit sehe er keine Lösungsmöglichkeit. Laut Detje macht die Streichung der Region Altes Land-Horneburg aus dem Leader-Förderprogramm die Sache nicht einfacher: "Die Inwertsetzung der Lühe unter anderem durch eine bessere touristische Erschließung war ein wichtiger Aspekt im Leader-Konzept."
Auch wenn die Politik Unterstützung signalisiert, bleibt der Förderverein Lühe-Aue wohl vorerst auf sich gestellt: "Wir haben in Anknüpfung an den historischen Schiffsverkehr auf der Lühe vor zwei Jahren wieder eine Barkasse in Betrieb genommen", sagt Möller: Mit der "Elli" werde nun wieder ab und zu bis zum Lüheanleger geschippert - allerdings nicht im Rahmen eines kommerziellen Linienbetriebes, sondern im Rahmen der Vereinsaktivitäten. Gäste sind herzlich willkommen, eine Spende wird erbeten. Doch auch die "Elli" kommt nur bei Hochwasser aus dem Horneburger Hafen heraus. "Aus touristischer Sicht ist das ein Fiasko", meint Möller.