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Bürger gerieten in Rage: Anwohner-Protest im Bliedersdorfer Rat gegen B-Plan

Diese Baulücke an der Straße Lahmsbeck soll geschlossen werden (Foto: jd)
jd. Bliedersdorf. Das "böse Wort" ist nun auch in aller Öffentlichkeit gefallen: In Zusammenhang mit dem Bebauungsplan "Westlich Lahmsbeck", den die Gemeinde Bliedersdorf im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, war von Anfang an von einer "Verhinderungsplanung" die Rede. Jetzt kam dieser Vorwurf, der zunächst nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wurde, auf der jüngsten Ratssitzung offen zur Sprache. Denn die Eigentümerin des Grundstücks, auf dem der neue B-Plan gelten soll, möchte die Fläche anders bebauen, als es die Gemeinde vorschreiben will. Nun steht dieser "Verhinderungsplanung" selbst ein gewaltiges Hindernis im Weg: Aufgebrachte Bürger liefen auf der Sitzung Sturm gegen den B-Plan. Die Politiker beschlossen daraufhin, eine Entscheidung zu vertagen.

Rückblende: Schon vor sechs Jahren hatte die Kreissparkasse vor, die große freie Fläche zwischen Hauptstraße und Lahmsbeck für die Wohnbebauung zu erschließen. Das scheiterte, weil zwei Grundstückseigentümer nicht mitzogen. 2014 kam dann der Bliedersdorfer Unternehmer Hans-Heinrich Schulz ins Spiel, der auf dem Gelände Einzel- und Doppelhäuser errichten wollte. Die Verhandlungen mit der Gemeinde waren fast in trockenen Tüchern, scheiterten aber letztlich an den Geldforderungen der Gemeinde: Diese wollte von Schulz als "Folgekosten der Bauleitplanung" sowie als Kostenbeitrag zur Errichtung von Kitas knapp 180.000 Euro haben.

Der östliche Teilbereich der Fläche an der Straße Lahmsbeck ging danach an die ZK-Grundbesitz GmbH. Die wollte Wohnhäuser im Rahmen der Lückenbebauung nach § 34 Baugesetzbuch errichten. Doch daraus wurde nichts: Die Gemeinde erließ eine Veränderungssperre und überplante die Fläche nach eigenem Gusto: Laut dem Entwurf des B-Plans, der jetzt Thema im Rat war, sollen drei Reihenhausgruppen mit jeweils sechs Wohnungen entstehen. Die ZK-Grundbesitz als Grundeigentümerin will das nicht hinnehmen und hat über eine Rechtsanwalt Einwendungen gegen den B-Plan vorgebracht - eben mit dem Argument, es handele sich um eine Verhinderungsplanung.

Das hätte die Aufstellung des B-Plans vielleicht noch nicht gestoppt. Doch der Anwohner-Protest auf der Ratssitzung gegen die vorgesehenen Reihenhaus-Bebauung war so heftig, dass die Politiker zusagten, die Pläne noch einmal zu überdenken und eine einvernehmliche Lösung zu finden. Unmut rief die nach Ansicht der Nachbarn zu massive Bauweise der Hausgruppen hervor. Von "dicken Klötzen" und einer Beeinträchtigung des Ortsbildes war die Rede. "Das entspricht nicht dem Volkswillen" erklärte einer der rund 50 Zuhörer.

Der Hinweise des Horneburger Planers Hans-Joachim Guleke, dass auch Hausgruppen aufgelockert gestaltet werden können, fand bei den erregten Bürgern kein Gehör. Die Anwohner befürchten außerdem, dass sich die Verkehrsproblem in der Straße Lahmsbeck noch größer werden, wenn Reihenhäuser entstehen sollten. Schon jetzt sei alles zugeparkt, wurde geschimpft. Es bleibt nun abzuwarten, welche Änderungen am B-Plan vorgenommen werden, um doch noch die Bürger zu überzeugen.