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Schrott-Betrüger aus Hanstedt und Jesteburg verurteilt

Im Oktober 2015 hatte das WOCHENBLATT erstmals über die Machenschaften des Paares berichtet
 
Der Prozess gegen die Schrotthändler sollte bereits im Januar beginnen. Doch die umfangreichen Ermittlungen erforderten einen späteren Termin

Die kriminelle Energie, mit der die Täter vorgegangen sind, lässt selbst Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, staunen. Mit manipulierten Containern ergaunerten sich Hannelore B. (46) aus Hanstedt und ihr damaliger Lebensgefährte Michael R. (52) aus Jesteburg vermutlich 1,8 Millionen Euro. Jetzt wurde das kriminelle Duo verurteilt. R. muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, seine Lebensgefährtin bekam zwei Jahre, die zur Bewährung ausgesetzt sind. Das bestätigte der Staatsanwalt auf Nachfrage. Das WOCHENBLATT hatte im Oktober 2015 exklusiv über die Machenschaften des Paares berichtet.

Michael R. zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt



(mum). Das WOCHENBLATT hatte exklusiv im Oktober 2015 von Razzien in Hanstedt und Marxen berichtet. Im Visier der Polizei: Hannelore B. (46) aus Hanstedt und ihr damaliger Lebensgefährte Michael R. (52) aus Jesteburg. Jetzt wurde das Paar verurteilt: R. muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Richter hatte keinen Zweifel daran, dass der Mann schuldig ist. Er wurde für mittäterschaftlichen, gewerbsmäßigen Betrug in 189 Fällen und Beihilfe zum Betrug in 132 Fällen verurteilt. Hannelore B. wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt. Gegen das Urteil kann das Duo in Revision gehen. Maßgeblich beteiligt an den Ermittlungen, die zu der Verurteilung führten, war die Wirtschaftsdetektei WFP Nord.
Wie erst jetzt bekannt wurde, befand sich Michael R. seit Januar wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. „Er hat in mindestens fünf Fällen versucht, zwei Zeugen einzuschüchtern, indem er ihnen Gewalt angedroht hat“, so Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue. Auch für diese Straftat steht R. noch ein Verfahren bevor. Es drohen bis zu drei Jahre Haft.

Geschädigtes Unternehmen vermutlich um 1,8 Millionen Euro betrogen

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft ebenfalls das Ehepaar Uwe (56) und Cornelia F. (51) aus Hanstedt wegen gemeinschaftlichen, gewerbsmäßigen Betruges in 74 Fällen angeklagt. Wann das Verfahren eröffnet wird, steht noch nicht fest.
Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, mit Hilfe von manipulierten Containern ein Unternehmen aus dem Landkreis Göttingen um mehr als 270.000 Euro betrogen zu haben. Die Ermittler waren dem systematischen Abrechnungsbetrug durch die Strafanzeige des geschädigten Betriebs auf die Spur gekommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte das Unternehmen regelmäßig die Firma aus dem Landkreis Harburg mit der Abholung von Altmetallen von seinen Standorten in Südniedersachsen und Nordhessen beauftragt. Nach einigen Jahren sei der Verdacht aufgekommen, dass die Metallhandelsfirma deutlich mehr Schrott abtransportierte, als sie mit ihrem Auftraggeber abrechnete. Die Straftaten sollen unter anderem über das Unternehmen „Elbe-Metallhandel Ltd“ mit Sitz in Hanstedt abgewickelt worden sein, dessen Geschäftsführerin Hannelore B. war.
Die Anklage umfasst nur die Jahre 2011 bis 2013, da laut Staatsanwaltschaft nur für diesen Zeitraum eine verlässliche Auswertung der Schäden möglich war. Der Vertrag zwischen dem Geschädigten und den Beschuldigten bestand jedoch seit 2006.
• Ein Insider erklärt den Trick: „In der Regel wird ein Lkw nur zu Beginn des Auftrags gewogen. Der trägt einen manipulierten Container, in dem eine 1,5 Tonnen schwere Platte auf dem Boden verschweißt ist. Die Waage zeigt beispielsweise fünf Tonnen an. Später werden Container ohne das zusätzliche Gewicht eingesetzt. Das bedeutet, das Abfuhr-Unternehmen kann pro Container 1,5 Tonnen Schrott mehr abfahren, als abgerechnet wird. Das rentiert sich schnell, denn für eine Tonne Schrott zahlt der Großhandel etwa 200 bis 240 Euro. Für Zugfahrzeug und Hänger macht das ein Plus von gut 500 Euro. Da bis zu drei Touren am Tag möglich sind, kommen da bis zu 1.500 Euro täglich zusammen.“
Laut Ermittlungen hatten die Betrüger allein 2012 fast 800.000 Euro an Geldautomaten im Abstand weniger Tage abgehoben. Die Ermittler hatten bei den Razzien im Herbst 2015 gezielt nach den Wiege-Protokollen gesucht, um die Differenz zwischen Ab- und Antransport zu ermitteln. Insider gehen von einem Schaden von mehr als 1,8 Millionen Euro aus.
Rechtsanwalt Dieter Steuernagel - er vertritt R. - war bis zum Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut Anklage, die dem WOCHENBLATT vorliegt, besitzt R. ein eindrucksvolles Vorstrafenregister. Er wurde unter anderem bereits wegen Sachbeschädigung, gemeinschaftlichen Diebstahls, fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr, Körperverletzung, Vortäuschens einer Straftat und Handelns mit Betäubungsmitteln verurteilt.