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Bossards neue Sprachregelung

Claus-Peter Echter überreichte die Urkunde an Stefanie Nagel (Mitte) und Dr. Gudula Mayr (Leitung Kunststätte Bossard)
 
Eine Innenansicht des Kunsttempels mit Blick auf den "Zweiten Tempelzyklus" bei geöffneten Triptychen (Foto: oh)

Feierstunde in Lüllau: Kunststätte Bossard wird mit dem "Europa-Nostra-Award" ausgezeichnet.

mum. Jesteburg. "Ich denke, wir werden uns eine neue Sprachregelung für die Kunststätte Bossard überlegen müssen." Landrat Joachim Bordt zeigte sich bei seinem ersten offiziellen Auftritt nach seiner schweren Erkrankung gewohnt wortgewandt. "Ich schlage vor, wir sprechen jetzt vom offenkundigen Geheimtipp." Bordt war sichtlich stolz, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Bossard-Stiftungsrates, die Begrüßungsworte anlässlich der Verleihung des Europäischen Preises für das Kulturerbe zu sprechen.
Bordts Begeisterung ist verständlich, denn die Kunststätte wurde in diesem Jahr als einzige deutsche Kulturinstitution mit dem "Europa-Nostra-Award" geehrt. Es ist einer der bedeutendsten Preise für besondere Leistungen zur Erhaltung des europäischen Kulturerbes. Und es ist eine der renommiertesten Auszeichnungen, die an Museen verliehen werden können.
Nach der feierlichen Bekanntgabe der Gewinner im Sommer dieses Jahres (das WOCHENBLATT berichtete) überreichte Dr. Claus-Peter Echter, Vize-Präsident von Europa Nostra Deutschland, am Freitag offiziell die Auszeichnung an die Kunststätte Bossard. „Wir finden es bedeutend, beispielhafte Leistungen aus der Denkmalpraxis und Wissenschaft zu würdigen", so Echter. "Unsere Preisträger stehen für Exzellenz, für Leidenschaft und Engagement. Sie sind die idealen Botschafter für die Kraft unseres kreativen Europas."
Die Kunststätte erhält den Preis für die Restaurierung des "Zweiten Tempelzyklus" (siehe Info-Kasten) in der Kategorie „Erhaltung/Konservierung“. Die Jury würdigte speziell die restauratorischen und konservatorischen Arbeiten, die den Erhalt dieses „ungewöhnlichen und bedeutenden Werks der deutschen Kunst“ auch für künftige Generationen ermöglichen. Bossard wurde als einer von insgesamt 28 Preisträgern unter 226 Bewerbungen aus mehr als 38 Ländern ausgewählt.
Echter lobte in seiner Laudatio vor allem das Engagement von Stefanie Nagel. Die kommisarische Leiterin der Kunststätte ist federführend für die Restaurierung des "Zweiten Tempelzyklus" verantwortlich.

Stichwort "Zweiter Tempelzyklus": Der Künstler und Hamburger Professor für Bildhauerei Johann Michael Bossard (1874-1950) legte im Jahr 1911 auf einem abgeschiedenen, drei Hektar großen Grundstück am Rand der Lüneburger Heide den Grundstein für die Kunststätte Bossard. Dort schuf er gemeinsam mit seiner Ehefrau Jutta Bossard (1903-1996) bis 1950 eine Stätte, die seinen Traum von der Einheit von Leben und Kunst verwirklichen sollte. Den "Zweiten Tempelzyklus" entwickelte Bossard 1928 auf Sperrholztafeln. Er setzt sich aus zahlreichen Gemälden und vier großen Triptychen (dreiteilige Gemälde mit beweglichen Flügeln) zusammen, die die gesamte Wandfläche des Tempel-Innenraumes bedecken. Die Bilder zeigen neben abstrakten, kristallinen Formen und Elementen unter anderem auch verschiedene Szenen des menschlichen Zusammenlebens und Arbeitens. In den 30er-Jahren wurde der Tempelzyklus durch Feuchtigkeit stark beschädigt und daraufhin eingelagert. Erst nach seiner aufwändigen und komplizierten Restaurierung wurde er 2009 erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Die Triptychen sind ein zentrales Gestaltungselement des Kunsttempels: Werden sie geöffnet, verändern sich die Lichtverhältnisse im Inneren und bieten ein völlig neues Raumerlebnis.
Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.bossard.de.