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Bürger wehren sich gegen Pferde-Krematorium

Die geplante Ansiedlung eines Pferde-Krematoriums bewegt die Hanstedter. Für zahlreiche Besucher gab es am Montag keinen Sitzplatz mehr
 
Informierten die Besucher über das geplante Krematorium (v. li.): Michael Hintzen (Sachverständiger), Eric Bulteux (Cremare-Regionalleiter), Hanna Schronen (Projektleiterin), Dirk Schmidt (Cremare-Betriebsleiter), Annette Scholz (Architekturbüro Scholz), Jörg Biermann und Christina Freifrau von Mirbach (beide Gewerbeaufsichtsamt)

Mit aller Macht wollen Hanstedter Bürger verhindern, dass im wohnortnahen Gewerbegebiet ein weiteres Tier-Kreamatorium eingerichtet wird. Das Unternehmen Cremare plant dort die Einäscherung von Pferden (das WOCHENBLATT berichtete exklusiv). Es wäre die zweite Einrichtung dieser Art in Deutschland. Eine Gesetzesänderung erlaubt die Pferde-Kremierung seit dem vergangenen Jahr. Die Bürger befürchten, dass durch das Verbrennen der Pferde Schadstoffe, Dioxine und Flurane in die Luft gelangen. Zudem räumte das Unternehmen Pannen beim Betrieb des bereits bestehenden - deutlich kleineren - Krematoriums ein.

„Wir haben kein Vertrauen!“

mum. Hanstedt. Widerstand hatte sich bereits angekündigt. Doch dass das Unternehmen Cremare selbst die besten Argumente gegen die Ansiedlung des ersten Krematoriums für Pferde in Norddeutschland liefern würde, dürfte selbst die Kritiker überrascht haben. „Ja, es stimmt. Es ist zu mehreren Zwischenfällen gekommen“, gab Dirk Schmidt, Betriebsleiter des bereits seit 2009 bestehenden Krematoriums für Kleintiere im Hanstedter Gewerbegebiet „Auepark“, zu. Aufgrund von Schwierigkeiten mit der Verbrennungsanlage sei schwarzer Rauch aufgestiegen und es hätte eine unangenehme Geruchsentwicklung gegeben. Dieses Eingeständnis überraschte selbst Verwaltungschef Olaf Muus. „Bislang hatte es keine Beschwerden gegeben. Keine Hinweise auf Probleme“, sagte er. Schon einen Tag nach der Veranstaltung forderte Muus Cremare schriftlich auf, Auskunft über die Zwischenfälle zu geben. Zudem sei das zuständige Gewerbeaufsichtsamt offiziell eingeschaltet worden. Dies dürfte allerdings gar nicht notwendig gewesen sein, da mit Christina Freifrau von Mirbach die stellvertretende Behördenleiterin selbst an der Info-Veranstaltung teilgenommen hatte.
„Wir haben das Vertrauen in Sie als Unternehmen verloren“, fasste Florian Schönwälder, Anwohner und Sprecher der Anlagen-Gegner, die Stimmung nach der Info-Veranstaltung unter den Gegnern zusammen. Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass Cremare den langjährigen Betriebsleiter Michael Schlüter quasi über Nacht gefeuert hatte. Da half es auch nicht, dass der Sachverständige Michael Hintzen mehrfach betonte, dass das neue Krematorium alle Grenzwerte unterschreiten würde. Für Schönwälder steht außer Frage, dass ein Pferde-Krematorium grundsätzlich sinnvoll sei. „Es gehört aber in ein Industriegebiet an der Autobahn und nicht an den Rand eines Ortes, der von Tourismus lebt.“ Die Bürger befürchten, dass durch das Einäschern der Pferde Schadstoffe, Dioxine und Flurane in die Luft gelangen. Wie berichtet, erlaubt eine Gesetzesänderung die Pferde-Kremierung seit dem vergangenen Jahr. Bislang bestand nur die Möglichkeit, verendete Pferde in einer Tierkörperverwertungsanstalt zu entsorgen. Die Gesetzesänderung macht nun einen würdevollen Abschied möglich. Daraus will Cremare Kapital schlagen. In Frankreich betreibt das Unternehmen vier solcher großen Krematorien. Die neue Anlage soll auf einem benachbarten Grundstück nahe des bestehenden Gebäudes entstehen. Die 4.000 Quadratmeter große Fläche sei reserviert. Cremare plant ein etwa 1.000 Quadratmeter großes Gebäude. Insgesamt sollen gut zwei Millionen Euro investiert werden; 15 neue Arbeitsplätze würden entstehen. Das Gebäude habe eine Traufhöhe von 7,55 Metern. Zudem sei ein Schornstein mit einer Höhe von 15,40 Metern erforderlich. Den erforderlichen Genehmigungsantrag hat Cremare Ende August beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg eingereicht. Darin wird ein 24-Stunden-Betrieb von Montag bis Sonntag beantragt
Derweil formiert sich in Hanstedt der Widerstand weiter. Unter anderem haben zahlreiche Gewerbetreibende ein Schild aufgestellt. Unter der Überschrift „Kein Großtierkrematorium für unser schönes Dorf“ wollen sie die Ansiedlung verhindern.
Wie das WOCHENBLATT erfahren hat, sollen als nächstes Gespräche seitens der Verwaltung mit Vertretern der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg GmbH (WLH) stattfinden. Die WLH vermarktet das Gewerbegebiet. „Vielleicht kann das Unternehmen davon überzeugt werden, dass Hanstedt nicht der richtige Standort ist“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Letztlich könnte der Gemeinderat auch gegen die Ansiedlung stimmen, denn die Dorf-Politiker haben das letzte Wort. Ihr Veto könnten auch der Landkreis und das Gewerbeaufsichtsamt einlegen, wenn sie zu dem Ergebnis kommen, dass ein Pferde-Krematorium nicht in ein normales Gewerbegebiet passt.

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