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Der "Dorfkrug" hat einen neuen Besitzer!

Freuen sich, dass der „Dorfkrug“ eine zweite Chance bekommt (v. li.): Astrid Ellerbrock, Rosi Kröger, Günther Killer, Franz-Josef Kröger, Bärbel Killer, Olaf Muus, Sven Killer und Jörg Kröger
   
Der „Dorfkrug“ hat eine Nutzfläche von fast 3.400 Quadratmetern. Die Straßenfront ist 35 Meter lang

„Killtec“-Gründer Günther Killer erwirbt Prestige-Objekt von Franz-Josef Kröger in Hanstedt.

mum. Hanstedt. Dieses Bild hat Symbol-Charakter: Auf dem Weg vom Rathaus, wo kurz zuvor der Verkauf des Hanstedter „Dorfkrugs“ offiziell verkündet wurde, zum Fototermin, stoppt Franz-Josef Kröger (76) seinen Rollstuhl. Der Mann, der so viel Hoffnung und Herzblut in das Mega-Projekt in Hanstedt - Groß-Gastronomie auf mehr als 3.400 Quadratmetern - investiert hat, winkt Günther Killer (69) zu sich heran, deutet auf das wunderschöne Fachwerkhaus, an dem seit vielen Jahren die Arbeiten ruhen, und weist ihn auf die vielen versteckten Details und Besonderheiten hin. Killer, Gründer des erfolgreichen Bekleidungs-Unternehmens „Killtec“ mit Sitz in Buchholz, hat sich viel vorgenommen. Er möchte das Projekt von Kröger zu Ende führen. Killer will, da sind sich die beiden Männer einig, „das schönste Gebäude in der Nordheide“ mit Leben füllen.
Doch der Reihe nach: Die Tinte unter den Verträgen ist gerade trocken. Günther Killer hat den „Dorfkrug“ vor wenigen Tagen erworben. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Damit geht für Hanstedt ein trauriges Kapitel in die - hoffentlich - letzte Runde. Seit 2009 ruhen die Arbeiten auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal im Herzen des Dorfes. Etwa ein Jahr, nachdem Kröger den alten Dorfkrug gekauft hatte, wurde das Lokal 2006 durch einen Brand zerstört. Zwei Jahre später begannen die Arbeiten am neuen, deutlich größeren Komplex. Kröger hatte vor, auf gut 3.400 Quadratmetern unter anderem zwei Restaurants, eine Lounge, einen Schießstand und zwei riesige Wohnungen unterzubringen. Die Wirtschaftskrise 2009 habe seine Pläne zerstört, erklärt Kröger. Eigenen Angaben zufolge verlor er damals drei Millionen Euro. Geld, das in den Innenausbau investiert werden sollte. Noch vor zwei Jahren hatte Kröger versucht, einen Partner zu finden. Auch eine Supermarktkette hatte sich für den Bau interessiert. Doch am Ende soll es stets geheißen haben: „Das Objekt ist zu groß.“ Man sagt, Kröger habe bis zu sieben Millionen Euro in den Rohbau investiert.
Killer freut sich auf die neue Aufgabe: „Ich empfinde es als große Ehre, dieses Projekt zu einem positiven Ende zu führen.“ Franz-Josef Kröger habe mit dem Gebäude ein wunderschönes Bild geschaffen. „Ich sehe meine Aufgabe jetzt darin, den Rahmen zu bauen.“ Killer möchte auf jeden Fall, dass ein gastronomischer Betrieb im „Dorfkrug“ einzieht. Für weitere Mieter sei er offen. „Außer Frage steht, dass es niemanden gibt, der das gesamte Areal mit Gastronomie beleben kann“, so der neue Eigentümer. Bevor er mit seinem Winsener Architekten Jörg Kröger beginnen will, die Räume aufzuteilen, möchte Killer wissen, ob es Interessenten gibt, die in den „Dorfkrug“ einziehen wollen. Zuletzt hatte es viele Spekulationen gegeben. Ein Ärztehaus sei im Gespräch gewesen. Auch eine Drogerie-Kette habe Interesse bekundet.

Eine zweite Chance

Sein Traum platzte bereits vor sieben Jahren: Franz-Josef Kröger wollte Hanstedt mit dem neuen „Dorfkrug“ eine Ortsmitte schenken, die ihresgleichen gesucht hätte. Doch inzwischen ist sicher - Kröger wird sich seinen Lebenswunsch nicht selbst erfüllen. Vor wenigen Tagen unterzeichnete Kröger die notwendigen Papiere. Jetzt gehört das Fachwerkhaus mit einer Nutzfläche von 3.400 Quadratmetern „Killtec“-Gründer Günther Killer. Der „Dorfkrug“, der einmal das wohl pompöseste Restaurant Norddeutschlands geworden wäre, bekommt durch den Buchholzer Bekleidungs-Unternehmer eine zweite Chance. Gemeinsam mit seinem Sohn Sven und Ehefrau Bärbel hat Killer eine GbR gegründet, um den „Dorfkrug“ zu beleben.
Günther Killer hat sich zur künftige Nutzung noch nicht geäußert. In den nächsten zwei bis drei Monaten ist der neue Eigentümer offen für Miet-Interessenten. „Dann werde ich gemeinsam mit meinem Architekten besprechen, welche Umbauten realisierbar sind.“
Interessenten können sich via E-Mail an dorfkrug@kroeger-architektur.de an den Architekten Jörg Kröger wenden. Dieser kennt sich übrigens mit Groß-Projekten aus. Unter anderem zeichnete sein Büro für den Snow-Dome in Bispingen und die neue Feuerwache in Neu Wulmstorf verantwortlich.
Killer gilt als seriöser Geschäftsmann. 1981 gründete er sein Unternehmen „Killtec“, das hochwertige Sport- und Freizeitbekleidung produziert. Allein am Hauptsitz in Buchholz arbeiten 130 Mitarbeiter. „Killtec“, das heute von den Söhnen Sven und Marcus geführt wird, gibt es in Europa in 27 Ländern; dazu kommen Ableger in Kanada, China und Bangladesch. Günther Killer hat noch eine zweite Leidenschaft - die Architektur. In Holm-Seppensen ließ er - eingebunden in eine natürliche Waldlandschaft - zehn Luxus-Architektenhäuser bauen (www.bkmodernliving.de).
Zuletzt hatten verschiedene Makler versucht, Investoren für den „Dorfkrug“ zu finden - ohne Erfolg. Eine Maklerin hatte sogar von internationalen Geldgebern geträumt. „Ich bin sehr froh, dass mit Familie Killer nun Eigentümer gefunden wurden, die den ‚Dorfkrug“ nicht nur als Investitionsanlage sehen, sondern denen das Gebäude wirklich am Herzen liegt“, sagt Samtgemeinde-Bügermeister Olaf Muus, der sich immer wieder um eine Vermittlung bemüht hatte.
Letztlich war es ein Zufall, der Kröger und Killer zueinander führte. Günther Killer ist Stammgast in dem Restaurant „Heidepeter“ in Hanstedt. Dort wurde er gefragt, ob er sich ein Engagement vorstellen könne. Nach vielen Gesprächen sagte er zu. Vor allem Apothekerin Astrid Ellerbrock habe ihn in seinem Entschluss bestärkt. Killer lobte zudem die Hanstedter Verwaltung. „Es macht Spaß mit so kompetenten Menschen zusammenzuarbeiten.“
Die Geschichte des "Dorkrugs" ist eine ganz Besondere: „Mein Mann ist ein Kämpfer“, sagte Krögers Ehefrau Rosi einst im WOCHENBLATT-Gespräch. „Er würde alles dafür geben, dass der Dorfkrug fertiggestellt wird.“ Aber nicht zuletzt seine gesundheitliche Situation habe zu einem Umdenken geführt. Oft wurde Rosi Kröger in den vergangenen Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, ihr Mann habe sich mit dem Objekt übernommen. „Diese Behauptungen sind falsch“, widerspricht sie. „Mein Mann hätte das geschafft, wenn die Wirtschaftskrise ihn nicht so hart getroffen hätte.“ Franz-Josef Kröger hatte etwas Außergewöhnliches für Hanstedt - für Norddeutschland - im Sinn. Außer zwei Restaurants, die durch eine gemeinsame Küche verbunden sein sollten, wollte Kröger im Kellergeschoss ein Billardcafé eröffnen. Im ersten Geschoss sollten Tagungsräume und Wohnungen entstehen.
Auffällig sind die hölzernen Inschriften an der Seite zur Kirche. „Im Jahre 2006 brannte ich nieder. Im Jahre 2008 stand ich wieder. Im Glanze voller Stolz, gebaut aus Stein und Eichenholz.“ Darunter die Geburtsdaten von Franz-Josef Kröger und seiner Frau Rosi. Der Dorfkrug sollte ihr Lebenswerk werden - und ein Meilenstein für die Region. Jetzt hofft das Ehepaar, dass Günther Killer ihren „Dorfkrug“-Traum realisieren wird.

Der "Dorfkrug" in Zahlen


Mit einer Nutzfläche von fast 3.400 Quadratmetern gehört der Hanstedter „Dorfkrug“ zu den größten Fachwerkhäusern Norddeutschlands. Die Straßenfront ist 35 Meter lang. Einige Zahlen aus der vom Bauherrn ursprünglich geplanten Raumaufteilung:
• Café und Restaurant mit Emporen: 650 Quadratmeter
• Festsaal: 700 Quadratmeter
• Küche und Sozialräume: 345 Quadratmeter
• Zwei Wohnungen im Dachgeschoss: insgesamt 400 Quadratmeter
• Gesamtfläche mit Außenanlage: mehr als 10.000 Quadratmeter.