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Der Fahrstuhl ist bestellt

Wann? 08.06.2016 21:00 Uhr

Wo? Filmmuseum, Am Schierenberg 2, 21227 Bendestorf DE
Andreas Ettwig (li.) und Karl-Jochen Lewerenz freuen sich über die große Unterstützung
Bendestorf: Filmmuseum |

„Freunde des Filmmuseums Bendestorf“ bringen weitere 30.000 Euro auf / NDR-Beitrag am Mittwoch.

mum. Bendestorf. Das sind phantastische Nachrichten! Die Mitglieder des Fördervereins „Freunde des Filmmuseums Bendestorf“ haben ein großes Etappenziel erreicht: „Wir haben die 30.000 Euro für den dringend erforderlichen Fahrstuhl - eine Auflage des Landkreises - zusammenbekommen“, so Karl-Jochen Lewerenz. Inzwischen sei er bestellt worden. Das motiviert das ganze Team für den Endspurt. Gemeinsam wollen sie ein modernes Filmmuseum auf historischem Boden schaffen, das weit über die Landkreis-Grenzen hinaus Begeisterung erzeugen wird.
An guten Ideen mangelt es nicht. In einer Dauer-Ausstellung soll an die Bendestorfer Filmgeschichte erinnert werden. Die Besucher können alte Kameras, Plakate, Original-Drehbücher und Autogrammkarten sehen. Zudem ist ein Forum angedacht. Dort sollen Jugendliche und Erwachsene selbst tätig werden. Kurse für Nachwuchsfilmer seien denkbar.
Der Verein (nur knapp 70 Mitglieder) hat 150.000 Euro für den Kauf des Gebäudes aufgebracht. Gut 250.000 Euro sind zudem bereits in den Umbau geflossen. 242.000 Euro stammen aus EU-Fördermitteln. Weitere Spender oder Sponsoren werden dennoch dringend benötigt.
Während die Bendestorfer die Zukunft im Blick haben, können andere einen Blick in die Vergangenheit werfen. „Als Hollywood in der Heide lag“ lautet der Titel einer Reportage, die der NDR im Zuge der Reihe „Unsere Geschichte“ am Mittwoch, 8. Juni, ab 21 Uhr zeigt. Die Redakteure werfen einen kritischen Blick auf das Studio.
Nach dem Zweiten Weltkrieg quoll Bendestorf über von Menschen. Unter die vielen Flüchtlinge und Dorfbewohner mischten sich ab 1947 auch berühmte Schauspieler: Zarah Leander aß im „Dorfkrug“ Kartoffelsuppe, Marika Rökk zeigte Tanzeinlagen auf dem Tresentisch. Dazwischen versuchten traumatisierte Flüchtlinge als Hilfskräfte Fuß zu fassen. Bendestorf avancierte zur Filmhochburg.
Das alles hat mit Filmproduzent Rolf Meyer zu tun. Meyer kam von der UFA in Berlin; mit nichts als einem Fahrrad und einem Persilkarton landete er als Flüchtling in Bendestorf. Die englischen Besatzer machten ihn erst zum Bürgermeister, dann gestatteten sie ihm eine Produktionsfirma mit Studios. Der berühmteste Film seiner „Jungen Film-Union“ war „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef.
Bendestorf entwickelte sich zum wichtigsten Standort der westdeutschen Filmindustrie. Dort entstanden mehr als 100 Filme. Etwa 150 Mitarbeiter - darunter viele Bendestorfer - arbeiteten auf dem Areal. Ende der 1970er Jahre begann der Rückgang der Produktion. Die Studios waren für die Anforderungen der modernen Filmindustrie zu klein.
„Hollywood in der Heide“ - das ist laut der Redakteure Susanne Brahms und Matthias Greving nicht nur ein nostalgischer Rückblick auf die frühen Filme der jungen Bundesrepublik. Es ist ein Blick auf eine Nachkriegsgesellschaft, die versuchte, wieder auf die Beine zu kommen und sich moralisch neu zu verorten. Eine Gesellschaft, die es vermied, zurück zu blicken und auch in der Filmindustrie jedes kritische Thema ausblendete. Die andererseits mit ihren Filmen versuchte, den traumatisierten Menschen wieder Mut zu machen fürs Weiterleben.
• Die Wiederholung läuft am Donnerstag, 9. Juni, um 6.35 Uhr - ebenfalls im NDR.