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Der Leuchtturm strahlt

Das war wie eine Zeitreise! Am vergangenen Freitag eröffnete das Filmmuseum Bendestorf erstmals in neuen Räumen. Ein echter Hingucker war dabei der Auftritt von fünf jungen Frauen, die Mode der 1950er Jahre präsentierten. Als dann auch noch Ausschnitte alter Filme auf der Leinwand gezeigt wurden, war die Illusion perfekt
 
Eine kleine Geste: Bürgermeister Hans-Peter Brink (Mitte) überreichte 300 Euro an die Fördervereinsmitglieder Bernd Beiersdorf (li.) und Walfried Malleskat

Mehr als 100 Gäste feiern die offizielle Eröffnung des Bendestorfer Filmmuseums.

mum. Bendestorf. „Entsteht im kleinen Bendestorf ein Leuchtturm-Projekt für den gesamten Landkreis Harburg?“ fragte das WOCHENBLATT im April 2013. Bendestorfs Bürgermeister Hans-Peter Brink hatte gemeinsam mit Walfried Malleskat, Chef des Bendestorfer Filmmuseums, exklusiv in unserer Zeitung von der Idee berichtet, das Museum vom Obergeschoss des kleinen „Makens Huus“ auf das ehemalige Studio-Areal zu verlegen. Fast vier Jahre später ist aus der Vision Realität geworden. Am Freitag wurde das neue Filmmuseum offiziell eröffnet. Mit einer Einschränkung: Das neue Museum befindet sich in den ehemaligen Verwaltungsräumen des Studios und nicht in der sogenannten Halle A1.
„Sie haben hier wirklich etwas Großartiges geschaffen“, schwärmte Landrat Rainer Rempe vor zahlreichen Gästen. „Ich gehe davon aus, dass das Filmmuseum irgendwann die gleiche Strahlkraft für die Samtgemeinde Jesteburg entwickeln wird, wie die Kunststätte Bossard.“ Rempe zeigte sich vor allem von den Mitgliedern des Fördervereins des Filmmuseums begeistert: „Sie haben unglaubliches Engagement gezeigt.“ Der Verein (knapp 100 Mitglieder) hat 150.000 Euro für den Kauf des Gebäudes aufgebracht. Gut 250.000 Euro sind zudem bereits in den Umbau geflossen (rund 75 Prozent stammen aus EU-Fördermitteln).
In den komplett renovierten Räumen werden historische Exponate ausgestellt. Technische Geräte wie Kameras und Schneidetische werden zum Leben erweckt. Zudem wird historische Projektionstechnik demonstriert. Besonders sehenswert ist ein Hologramm von Hildegard Knef. Eine kurze Szene aus dem legendären Bendestorf-Streifen „Die Sünderin“ zeigt sie dreidimensional. Neu ist außerdem eine Projektion, die in einer Endlosschleife Filmzitate aus Bendestorf-Produktionen abspielt. Das Herzstück der neuen musealen Stätte ist aber das ehemalige Produzentenkino. Dort sollen schon bald „Filme, die sich ästhetisch und ideologisch von kommerziellen Kino-Programmen unterscheiden“, gezeigt werden.
Bürgermeister Brink, der die Idee des Filmmuseums stets unterstützt hat, erinnerte in seiner Rede an die Anfänge des Museums. Der ehemalige Bürgermeister Kurt Kaumans habe vor 30 Jahren lediglich an die spannende Zeit erinnern wollen, als Bendestorf als das Hollywood der Nordheide galt. „In meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht geglaubt, dass wir jemals diesen Tag erleben werden.“ Brink machte allerdings auch deutlich, dass ihm die Berichterstattung in den überregionalen Medien zuletzt nicht gefallen hat. Wie berichtet, sollen die verbliebenen Gebäude auf dem Studio-Gelände demnächst abgerissen werden. Stattdessen entstehen Wohnungen. „Das jedoch wollen einige Menschen einfach nicht akzeptieren“, so Brink. So habe der Fokus der Berichte leider häufig auf dem Erhalt der sogenannten Halle A1 gelegen, statt auf der Eröffnung des Museums. „Ich bin der Meinung, dass dadurch bedauerlicherweise von dem, was hier gemeinsam erreicht wurde, abgelenkt wurde.“
Für einen Hauch Nostalgie sorgte am Freitagabend Paul von Schell. Der Witwer von Film-Legende Hildegard Knef schilderte sehr emotional, wie seine Frau 1951 nach Bendestorf kam, um den Film „Die Sünderin“ zu drehen. Der Film habe sie zurück ins Rampenlicht gebracht. Doch sie habe auch sehr gelitten, denn aufgrund der berühmten Nacktszene, die das brave Nachkriegsdeutschland in Aufruhr versetzte, habe man ihr nachgestellt. „Die anderen wurden reich, mir blieb nur die Schande“, zitierte von Schell seine verstorbene Frau.
• Das WOCHENBLATT würdigt die Eröffnung des Filmmuseums mit einer Sonderseite am kommenden Samstag, 25. Februar.