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"Der Mensch bleibt der Gleiche"

Bei der Premiere in Hamburg (v. li.): Sandra K., Timo Großpietsch, NDR-Intendant Lutz Marmor und Hans-Jürgen Börner (Foto: oh)

Der Jesteburger Medien-Profi Hans-Jürgen Börner hat gerade seinen Dokumentarfilm „Das späte Glück der Sandra K.“ vorgestellt. Er beschreibt darin das Leben des 55-jährigen Jens K., der sich entschließt, eine Frau zu werden. Börner: „Mein schwerster Film“.

mum. Jesteburg. „Das ist für mich das schwerste Projekt, an dem ich bislang gearbeitet habe.“ Das sagt der Jesteburger Medien-Profi Hans-Jürgen Börner (68) über seinen neuesten Dokumentarfilm „Das späte Glück der Sandra K.“. Gemeinsam mit Timo Großpietsch porträtiert Börner eine Familie, die - so sagt er - „unglaublich stark ist“. Im Mittelpunkt: Familienvater Jens K., der den Entschluss fasst, eine Frau zu werden. Das Besondere: Jens K. ist Börners Nachbar.
Die Geschichte von Jens/Sandra K. spielt in Jesteburg, wo jeder jeden kennt. Wo Kinder von klein auf hören: „Was sollen denn bloß die Nachbarn denken?“ Jens K. ist ein gestandener Mann, erfolgreicher Manager, Familienvater - einer, der seinen Garten gut in Schuss hält. Aber was seine Mitmenschen nicht sehen: Er ist ein Mann im falschen Körper. Jens fühlt sich als Frau, er will Sandra werden.
„Ich selbst hätte mir für mein Leben auch was anderes gewünscht. Wenn jemand meint, dass wir darüber glücklich sind, der irrt gewaltig“, sagt Sandra K. Sie hat sich entschieden, eine Frau zu sein - und das im Alter von 55 Jahren, nach 36 Jahren Ehe und der Geburt einer Tochter. Mit 14 Jahren hatte sie zum ersten Mal das Gefühl, im falschen Körper zu sein. Es folgten Jahrzehnte mit Ängsten, Unsicherheit und auch Suizidgedanken - bis es einfach nicht mehr so weiterging. „Ich wäre daran zerbrochen“, sagt sie. Es folgen das Outing bei Freunden, Bekannten, Nachbarn und am Arbeitsplatz; die Auseinandersetzung mit der Familie.
Unzählige Termine bei Behörden, Gespräche mit Therapeuten und schließlich risikoreiche Operationen zur Geschlechtsanpassung, Brustaufbau. 80 Stunden Barthaarentfernung. Kosten für die Krankenkasse: etwa 60.000 Euro.
Renate, die Ehefrau von Sandra K, ringt mit ihrem Schicksal: „Das Schwierige ist, dass ich mit einem Mann zusammen war und zusammen sein wollte und nicht mit einer Frau. Es ist zwar der gleiche Mensch, aber es ist eben kein Mann mehr.“ Für sie brach eine Welt zusammen, als ihrem Ehemann allmählich klar wurde, dass er im falschen Körper lebt.
Über eineinhalb Jahre haben Hans-Jürgen Börner und Timo Großpietsch Sandra K. bei ihrem Prozess der Wandlung und ihrem Kampf um ihre Ehe mit der Kamera begleitet. Der Film lässt erahnen, in welchem inneren Gefängnis sich Sandra K. jahrzehntelang eingesperrt fühlte. Er beschreibt ihre mutige Reise in die persönliche Freiheit.
Der Film wurde am Dienstag im Zuge des Hamburger Filmfests erstmals vorgestellt. „Die Resonanz war sehr positiv“, freut sich Börner über die gelungene Premiere, zu der auch Familie K. gekommen war. „Ich denke, es ist uns gelungen, im Sinne von Toleranz eine mutige Familie zu porträtieren.“ Für ihn speziell seien die Dreharbeiten etwas sehr besonderes gewesen. „Bei aller Professionalität wollte ich nicht das Verhältnis zu meinem Nachbarn gefährden“, erinnert sich Börner.
Börner schließt nicht aus, dass es eine Fortsetzung geben wird. „Das Paar will trotz der neuen Umstände zusammenbleiben und um seine Ehe kämpfen.“ Wann die Dokumentation ins Fernsehen kommt, ist nicht sicher. Möglich ist eine zeitnahe Ausstrahlung im NDR oder eine Ausstrahlung im Zuge der Themenwoche „Toleranz“ in der ARD.
• Hans-Jürgen Börner (68) hat viele Jahre lang Deutschlands seinerzeit einziges Satire-Magazin „Extra Drei“ moderiert. Mehr als 300 Mal, von 1999 bis 2004, war er Gastgeber beim „Talk vor Mitternacht“, dem politischen Talksalon im NDR-Fernsehen. Eine aus journalistischer Sicht besondere Zeit verbrachte Börner als Korrespondent in der DDR. Seine Alltagsgeschichten ermöglichten den Zuschauern Einblicke in das Leben in der anderen Deutschen Republik. Die NDR-Sendung „DAS!“ hat der Jesteburger als Leiter aufgebaut. Später hat er als leitender Redakteur für die ARD zahlreiche Dokumentationen und Reportagen produziert. Im September 2008 beendete er seine Tätigkeit als festangestellter Mitarbeiter des NDR und ist seitdem als freier Autor, Berater und Dozent tätig.
• Timo Großpietsch (36) studierte Medienwissenschaften an der Universität Hamburg sowie Fotografie und Dokumentarfilm an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Danach volontierte er beim NDR. Knapp zwei Jahre war er Autor beim Medienmagazin „Zapp“, bevor er als Dokumentarfilmer und Videojournalist in die Abteilung Dokumentation & Reportage des NDR wechselte.
• Trailer zum Film:
http://www.youtube.com/watch?v=fxSaNFSb7EA
• Facebook-Seite zum Film:
https://www.facebook.com/DasSpaeteGlueckDerSandraK