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"Der Rohbau steht Anfang Juni!" - Jesteburger Schützen im WOCHENBLATT-Interview

Lenken die Geschicke des Jesteburger Schützenvereins (v. li.): Schriftführer Norbert Viedt, Präsident Torsten Lange und Vize Sven Hatesuer (Foto: Schützenverein Jesteburg)
 
Auf dieser Fläche soll das neue Schützenhaus entstehen
 
So könnte das neue Domizil der Jesteburger Schützen aussehen. Der Rohbau soll rechtzeitig zum Schützenfest stehen (Foto: Schützenverein Jesteburg)

"Wir lassen nicht zu, dass Hanstedt sich mit der Klage gegen Famila in die Entwicklung des Ortes ein­mischt!" Der Vorstand des Jesteburger Schützenvereins begründet im WOCHENBLATT-Interview unter anderem, warum es richtig ist, dass der Gemeinderat schon jetzt 1,5 Millionen Euro für das neue Schützenhaus freigegeben hat - obwohl längst nicht sicher ist, dass auf dem Festhallen-Areal ein Famila-Markt entsteht. Der Rohbau soll, so die Schützen, im Juni stehen.

mum. Jesteburg. „Was lange währt, wird endlich gut“ - so könnte das Motto des Jesteburger Schützenvereins lauten. Viele Jahre schien die Zukunft der Festhalle unklar. Doch Mitte November vorigen Jahres machte der Gemeinderat Nägel mit Köpfen. Ganz gleich, wie das Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg ausgeht (siehe Kasten), die Schützen bekommen schon jetzt mehr als 1,5 Millionen Euro für den Bau ihres neuen Domizils.
Doch bislang tut sich auf dem Areal „Am Alten Moor“ nichts. Im WOCHENBLATT-Gespräch mit Redakteur Sascha Mummenhoff nennen Schützen-Präsident Torsten Lange, sein Vize Sven Hatesuer und Schriftführer Norbert Viedt die Gründe, und was die Jesteburger erwartet.

WOCHENBLATT: Wann beginnen die Arbeiten am neuen Schützenhaus?
Torsten Lange: Der Verein hatte bereits im Frühjahr 2014 großen Aufwand für die Realisierung der Anlage betrieben, damit nach der Festsetzung des Bebauungsplanes rechtzeitig mit dem Bau begonnen werden konnte. Ein Teil dieses Planungsaufwandes musste nun auf Grund der Verzögerungen wiederholt werden. Das kostet leider Zeit und nicht zuletzt Geld. Der Bauantrag ist nun genehmigt. Wenn alles nach Plan läuft, steht der Rohbau zum Schützenfest Anfang Juni.

WOCHENBLATT: Der Gemeinderat hat grünes Licht für den Kredit für das neue Schützenhaus gegeben. Waren Sie erleichtert?
Lange: Sicherlich sind wir genauso froh wie der Gemeinderat, dieses Thema mit dieser Entscheidung abschließen zu können. Die Kreditzusage ist ein klares Zeichen der Gemeinde Jesteburg. Wir lassen nicht zu, dass Hanstedt sich mit der Klage in die Entwicklung des Ortes einmischt.

WOCHENBLATT: In den vergangenen Jahren hieß es oft, die Schützen hätten die Entwicklung rund um das Areal verzögert. Ärgert Sie diese Kritik?
Sven Hatesuer: Würden wir uns über solche Äußerungen ärgern, könnten wir unsere ehrenamtliche Tätigkeit gar nicht erst ausüben. Zudem sind die in den letzten Jahren von Einzelpersonen vorgeschobenen Argumente ohne Substanz gewesen. Das Auftreten von Einzelkämpfern hat eine abschließende Entscheidung hinausgezögert. Die Rahmenbedingungen waren seit langem verhandelt. Unser Verein hat vor allem in den vergangenen sechs Jahren stetig konstruktiv mit der Gemeinde und dem Rat zusammengearbeitet.

WOCHENBLATT: Zuletzt hatte es Kritik von den Grünen und Teilen der SPD gegeben. Sie sollten erst das Geld für den Neubau bekommen, wenn sicher ist, dass Famila auch seinen Vertrag erfüllt - also bis das Urteil des Oberverwaltungsgericht widerufen wird. Wie denken Sie darüber?
Norbert Viedt: Wir können diese Haltung nachvollziehen. Aber die Argumente hierzu wurden auf der entscheidenden Ratssitzung diskutiert. Selbst wenn auf dem Gelände kein Verbrauchermarkt gebaut werden dürfte, würde der Vorfinanzierungsbetrag durch den Verkauf unter anderer Verwendung gedeckt werden. Im schlimmsten Fall würde für die Gemeinde kaufmännisch eine schwarze Null erzielt werden.

WOCHENBLATT: Was wird das neue Schützenhaus kosten?
Viedt: Kostenschätzungen aus 2013 haben einen Aufwand von 1.554.000 Euro ergeben. Hinzu kommen Kosten für die Innenausstattung der Anlage. Damit belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa 1,8 Millionen Euro. Diese Schätzung wird durch die laufende Ausschreibung abgesichert.

WOCHENBLATT: Beschreiben Sie Ihr neues Schützenhaus.
Hatesuer: In Jesteburg entsteht eine neue Schießsportanlage auf einer Grundfläche von 1.900 Quadratmetern. Davon sind etwa 800 Quadratmeter überdachte Schießbahnen. Das ist heute Vorschrift und ein wesentlicher Grund für die hohen Kosten der Schießstandverlagerung. Allein die Lüftung wird wohl 120.000 Euro kosten, die in den reinen Baukosten von 1,5 Millionen Euro nicht enthalten sind. Mit dem neuen Schießstand wird gleichzeitig für den Ort ein Veranstaltungsraum gebaut, der bis zu 200 Personen aufnehmen kann. In Kombination mit unserem Luftgewehrschießstand und dem Foyer können dort bis zu 350 Personen Platz finden.

WOCHENBLATT: Mit welcher Eigenleistung tragen die Schützen zum Bau ihres neuen Vereinshauses bei?
Lange: Bei der Größe des Baus wird sich die Eigenleistung auf die Verlegung von Bodenbelägen, Malerarbeiten und die Anbringung von Außendämmung beschränken.

WOCHENBLATT: Wo findet das Schützenfest 2015 statt?
Viedt: Im Juni wird die neue Anlage noch nicht fertig sein. Die Planungen sehen vor, dass es einen Festplatz zwischen unserem Bauplatz und dem Schwimmbad geben wird.

WOCHENBLATT: Wo finden derzeit die Schießabende und Veranstaltungen statt?
Lange: Bereits Anfang 2014 haben wir den Schießbetrieb für die Bereiche Luftgewehr und Kleinkaliber nach Asendorf verlagert. Die Pistolenabteilung hat ihren Schießbetrieb nach Klecken verlegt. Beiden Vereinen sind wir für ihre Gastfreundschaft sehr dankbar.

WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch.

Wie entscheidet das Gericht?
Die Jesteburger Schützen können aufatmen - unabhängig vom Ausgang des Normenkontrollverfahrens. Sie können mit dem Schützenhaus-Bau beginnen. Immerhin muss die Gemeinde dafür einen Kredit in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufnehmen (das WOCHENBLATT berichtete). Eigentlich sollte das Geld aus dem Verkauf des Festhallen-Areals an „Famila“ stammen.
Die Schützen verzichteten für den geplanten Famila-Markt auf ihr altes Schützenhaus und sollen dafür mit einem Neubau entschädigt werden. Doch Famila zahlt erst dann, wenn der Landkreis die Baugenehmigung erteilt. Da Hanstedt gegen die Supermarkt-Pläne ein Normenkontrollverfahren eingeleitet hat, steht nicht fest, ob Famila in der geplanten Größe in Jesteburg eröffnen darf.