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"Der Zirkus darf nicht sterben"

Ricardo Köhler uns Carmen Frank ziehen gerade mit ihrem Zirkus Minimum durch den Landkreis Harburg
 
Beeindruckend ist die Feuershow von Ricardo Köhler

Der Zirkus Minimum tourt in diesen Tagen durch den Landkreis Harburg. Einer der Höhepunkt der Vorstellung ist die großartige Feuershow von Direktor Ricardo Köhler. Im WOCHENBLATT-Gespräch gewährt er mit Partnerin Carmen Frank Einblicke in das Zirkusleben.

(mum). "Erwartungsvolle Kinderaugen strahlen. Das ist mehr, als das verfluchte Geld. Solange sie noch mit dieser Münze zahlen, gehört der Zirkustraum in ihre Welt. Schlagt nicht dies' Kinder-Wunderland in Scherben. Helft alle mit: Der Zirkus darf nicht sterben!" Mit dem alten und traurigen Lied von Udo Jürgens beginnt stets die Vorstellung des Zirkus Minimum. Doch die Melancholie ist schnell verflogen, denn es folgen zwei Stunden voller Zirkus-Magie und einer beeindruckenden Feuerschlucker-Show. Ricardo Köhler, seine Lebensgefährtin Carmen Frank und die Kinder Marcello (18), Samuel (16) und Ricardo (13) ziehen gerade durch den Landkreis Harburg. Nach Stationen in Hanstedt, Jesteburg und Handeloh geht es noch nach Hittfeld und Buchholz. Im WOCHENBLATT-Gespräch gewähren die Zirkus-Leute Einblicke in ihren Alltag.
"Schwarze Schafe in der Branche machen den ehrlichen Zirkus-Familien das Leben schwer", sagt Carmen Frank, die bereits in achter Generation vom Zirkus lebt. Erst kürzlich hätten Leute sich als Minimum-Mitarbeiter ausgegeben, die Spenden für ein durch ein Feuer zerstörtes Zelt sammelten. "Bei uns hatte es aber gar nicht gebrannt", so Köhler. "Und um Spenden würden wir aus Prinzip nicht bitten."
Andere Zirkusse hinterlassen ihre Spielstätten wie ein Schlachtfeld - oder ziehen gar nicht weiter. Das hat Konsequenzen. Eigentlich wollte die Zirkus-Familie auch Station in Sprötze machen. "Es hieß, dass man ab September keinen Zirkus mehr dort haben will. Man habe Angst, dass wir dann über den Winter bleiben", so Carmen Frank. Andere Gemeinden versuchen sich mit extrem hohen Kautionen abzusichern. "In Hollenstedt sollten wir 1.000 Euro hinterlegen. Dazu eine Platzgebühr von 250 Euro zahlen", sagt Köhler. "So viel Geld haben wir nicht." In Jesteburg waren es im Vergleich 300 Euro als Sicherheit. Aber für das Aufstellen der Werbeschilder wurden 60 Euro fällig. "Richtig wohl haben wir uns in Handeloh gefühlt", so das Paar. Bürgermeister Heinrich Richter verzichtete auf Kaution sowie Platzgebühr und die Schilder durften kostenlos aufgestellt werden. Mit den Schildern sei es ohnehin so eine Sache. "Manche Gemeinde fürchten, wir würden sie beim Weiterziehen zurücklassen", so Carmen Frank. "Das würden wir nie tun, denn sie sind für uns viel zu wertvoll."
Ausgerechnet in Handeloh musste der Zirkus jetzt eine Woche länger bleiben als geplant. "Eigentlich beginnen wir sonntags nach der 11-Uhr-Vorstellung sofort mit dem Abbau. Wir mögen es nicht, an einem Platz zu bleiben, denn das sieht für Außenstehende so aus, als ob uns das Geld ausgegangen ist."
Auf der Tour durch den Landkreis hat die Zirkus-Familie längst nicht alle Tiere mitgenommen. Etwa 25 Tiere sind es - unter anderem Pferde, Ponys, Esel und Hunde. Im Dauer-Quartier in Delmenhorst würden noch sieben Friesenhengste, Lamas und Alpakas warten. "Auf Wildtiere verzichten wir inzwischen ganz", so Köhler. "Wir sind für unsere Tierhaltung zwar mehrfach ausgezeichnet worden, doch dem Ärger mit Tierschützern, die vor den Aufführungen demonstrieren, gehen wir lieber aus dem Weg." Vor einigen Jahren sind die Zirkusleute sogar noch mit drei Elefanten durch das Land gezogen. "Das ist heute undenkbar", so Frank. Die Elefanten seien in Tierparks untergebracht worden. Für die großen Tiernummern hat der Zirkus sogar ein Zelt mit vier Masten. Doch solche großen Zirkusse mit vielen Tieren würden viele Gemeinden gar nicht in ihrem Ort haben wollen.
Carmen Frank träumt davon, vor 120 Besuchern täglich auftreten zu dürfen. Die Realität sieht anders aus - es sind im Schnitt 40 Besucher. "Aber wenn die Kinder mit großen Augen das Treiben in der Manege bewundern, dann weiß ich, dass wir das Richtige tun."

• Wer den Zirkus Minimum live erleben möchte, hat dazu im Landkreis Harburg noch reichlich Gelegenheit. Vom 3. bis zum 9. Oktober macht der Zirkus Station in Hittfeld. Auftritte sind Freitag und Samstag um 16 Uhr sowie am Sonntag um 11 Uhr. Dann geht es weiter nach Buchholz. Dort bleibt die Zirkus-Familie vom 20. bis zum 30. Oktober. Vorstellungen sind Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 16 Uhr. Am Sonntag, 23. Oktober, um 15 Uhr und am Sonntag, 30. Oktober, um 11 Uhr.