Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Die Bäume darf er nicht fällen - Gemeinde Bendestorf ernennt Ivar Buterfas zum Ehrenbürger

Ivar Buterfas (2. v. li.) freut sich mit Bürgermeister Hans-Peter Brink (v. li.) und Pastor Wolfgang Weißbach sowie Werner Borgsen (Vorstand „Stiftung Lager Sandbostel“) über die Ehrung
 
Bürgermeister Hans-Peter Brink gratuliert Ivar Buterfas (Mitte) und seiner Frau Dagmar zur Ehrenbürgerschaft

"Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel“, sagt Ivar Buterfas. „Sie ist die wichtigste in meinem Leben.“ Am Freitag ernannte die Gemeinde Bendestorf Buterfas (82) zum Ehrenbürger. Buterfas, den Bürgermeister Hans-Peter Brink „einen großen Mahner gegen den Nationalsozialismus“ nannte, hat schon einige Auszeichnungen erhalten. Unter anderem ist er Weltfriedenspreisträger. Eine Ehrung, die er mit dem Dalai Lama teilt. Sein Buch „Sunny Goj“ stellte er in mehr als 1.500 Lesungen - meist in Schulen - vor. Darin schildert er, wie er als Sohn eines Juden den Holocaust überlebt hat. Am Freitag wurde Buterfas nicht nur Ehrenbürger - er feierte auch seinen 82. Geburtstag.

mum. Bendestorf. „Ich war schon sehr überrascht, als Bürgermeister Hans-Peter Brink bei mir vor der Tür stand und um ein Gespräch bat“, erinnert sich Ivar Butterfas (82). „Ich hatte eigentlich gedacht, dass er mir die Genehmigung bringt, zwei Bäume auf meinem Grundstück zu fällen.“ Dem war aber nicht so. Brink teilte Buterfas mit, dass die Gemeinde Bendestorf ihn gern zum Ehrenbürger ernennen möchte. „Ich war sehr gerührt“, so der 82-Jährige. Trotz zahlreicher Auszeichnungen - unter anderem ist Buterfas Weltfriedenspreisträger und Träger des Bundesverdienstkreuzes - zählt für ihn die Auszeichnung seiner Heimatgemeinde sehr viel. „Die Ehrung macht deutlich, dass mein Wirken auch Zuhause geschätzt wird.“
So heißt es dann auch in der offiziellen Begründung: „Herr Buterfas hat wie viele Angehörige seiner Glaubensgemeinschaft in der Nazizeit Unermessliches erlitten. Es wäre mehr als verständlich, hätte er sich deswegen zornig von Deutschland abgewandt und dessen Bürger verachtet. Herr Buterfas hat jedoch den Dialog, vor allem mit der deutschen Jugend gesucht, um zu informieren und den Blick für politische Fehlentwicklungen zu schärfen, damit sie nie wieder vorkommen mögen. Wir Bendestorfer sind stolz darauf, dass Herr Buterfas ein besonderer Bürger Bendestorfs ist und sich bereit erklärt hat, die Ehrenbürgerwürde unseres Ortes anzunehmen, nachdem er im In- und Ausland bereits umfassende Ehrungen erfahren hat.“
Leicht hat es sich der Gemeinderat nicht mit der Entscheidung gemacht, denn Buterfas, der mit seinem autobiographischen Buch „Sunny Goj“ mehr als 1.500 Lesungen im deutschsprachigen Raum gab, um auf die Gräueltaten des Nationalsozialimus aufmerksam zu machen, hat auch für negative Schlagzeilen gesorgt. 2006 musste er als Vorsitzender des Fördervereins „Rettet die Nikolaikirche“ zurücktreten. Bei der Tombola zugunsten des neuen Panoramalifts im Mahnmal St. Nikolai sei damals geschummelt worden.
Doch das große Engagement des Ivar Buterfas steht außer Frage. Als Sohn eines Juden hat er den Holocaust überlebt und sich jahrzehntelang gegen das Vergessen um die Verbrechen der Nazizeit verdient gemacht. Weiterhin engagiert sich Buterfas seit 2001 für die Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel in der Nähe von Bremervörde. Dort befand sich eines der größten Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager. Buterfas holte prominente Mitstreiter wie den kürzlich verstorbenen Schriftsteller Ralph Giordano und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel als Unterstützer ins Boot und erreichte 2004 die Gründung der „Stiftung Lager Sandbostel“, die bis heute ein 3,2 Hektar großes Grundstück mit elf Gebäuden erworben hat.
Die Gemeinde Bendestorf geht mit der Vergabe der Ehrenbürgerschaft sehr sparsam um. Außer Buterfas gibt es mit Georg Sluyterman von Langeweyde, Hermann Peter und Hans Weißrich nur vier Ehrenbürger. Allerdings wird Buterfas nicht darauf hoffen brauchen, dass Bürgermeister Brink ihm nachträglich die Genehmigung erteilt, die Bäume auf seinem Grundstück fällen zu dürfen. „Die Auszeichnung ist mit keinen Sonderrechten verbunden“, so Brink.
• Die Lebenserinnerungen „Sunny Goj“ (1995) und „Mut ist nicht Leichtsinn“ (2007) sind im Selbstverlag erschienen. Die Bücher können im Internet unter www.ivar-buterfas.de bestellt werden.