Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Die Jesteburger SPD verabschiedet Siegfried Ziegert (80) nach mehr als 20 Jahren Kommunalpolitik

Siegfried Ziegert hat Jesteburg viele Jahrzehnte geprägt. Am Freitag findet ihm zu Ehren ein Empfang statt
 

Ein großartiges Vorbild für bürgerliches Engagement

mum. Jesteburg. Siegfried Ziegert (80) war mehr als 20 Jahre Mitglied im Gemeinde- und Samtgemeinderat Jesteburg. Als Vorsitzender des Bauausschusses, als stellvertretender Bürgermeister und als Fraktionsvorsitzender lenkte er viele Jahre die Geschicke seines Heimatdorfes. Dazu engagierte sich der 80-Jährige in vielen kulturellen und sozialen Bereichen. Seine Partei nennt ihn ein „hervorragendes Beispiel für bürgerliches Engagement“. Zur Kommunalwahl im Herbst vorigen Jahres trat Ziegert nicht wieder an. Im Zuge einer Feierstunde am Freitag, 13. Januar, im Bendestorfer Filmmuseum (19 Uhr) will die SPD Ziegerts Abschied aus der Kommunalpolitik gebührend feiern. WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff sprach mit Siegfried Ziegert unter anderem über seine größten Erfolge und einen Supermarkt mitten im Ort.

WOCHENBLATT: Sie sind seit 45 Jahren Mitglied in der SPD. Hat sich „Ihre“ Partei in Jesteburg verändert?
Siegfried Ziegert: Die Mitgliederstruktur hat sich so verändert, wie die Bevölkerungsstruktur von Jesteburg.

WOCHENBLATT: Auf welche erreichten Ziele in Jesteburg sind Sie besonders stolz?
Ziegert: Dass ich es 2001 geschafft habe, einen SPD-Bürgermeister in der CDU-Hochburg Jesteburg im Gemeinderat durchzusetzen und in meinen letzten Kommunalwahlkampf 2011 die SPD zur stärksten politischen Kraft in Jesteburg zu machen. Bei den Sachthemen fällt mir die letzte Flächennutzungsplanung ein, wobei das Gewerbe leider wieder einmal schlecht behandelt wurde. Und das neue Feuerwehrgerätehaus in Jesteburg - eine wichtige Investition für die nächsten 30 bis 50 Jahre.

WOCHENBLATT: Und was hätte besser laufen müssen?
Ziegert: Die Bebauungsplan-Verfahren zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum ohne zusätzlichen Landverbrauch durch die Nachverdichtung bestehender Baugebiete waren bisher erfolglos, weil sie nur halbherzig durchgeführt wurden. Jesteburg hätte den Ostteil des Clement-Grundstücks nicht sofort wieder verkaufen dürfen, sondern zuerst die Neugestaltung des „Förster‘s Hus“ abwarten sollen. Der Masterplan Ortsmitte war für mich enttäuschend, weil er überwiegend nur dem Planungsbüro und der Gemeinde Hanstedt bei der Klage gegen Jesteburg und Famila genützt hat.

WOCHENBLATT: Wie hat sich das Verhältnis der Menschen zur Politik im Ort verändert?
Ziegert: Bei der letzten Kommunalwahl wurde doch deutlich, wie sich das Verhältnis der Menschen zur bisherigen Politik verändert hat. Die etablierten Parteien hatten das Ergebnis der vorangegangenen Samtgemeinde-Bürgermeisterwahl nicht zur Kenntnis genommen und schon gar nicht analysiert, ob ihre Themen und ihr Politikstil noch gefragt sind.

WOCHENBLATT: Wie ist Ihre Meinung zu „Famila“? Wird der Supermarkt jemals in Jesteburg eröffnen?
Ziegert: Der Gemeinderat hat ein Zielabweichungsverfahren bei der Landesregierung beantragt, ohne vorher das Urteil des Gerichts gelesen zu haben. Es wurde den Ratsmitgliedern vor der Abstimmung nicht vorgelegt. Nach Studium des Urteils kann ich dem Rat nur empfehlen, nach Lösungen zu suchen, die in der Mitte der Gemeinde liegen und gleichzeitig Verkehrsprobleme lösen. Vorschläge liegen ja auf dem Tisch, nämlich ein Nahversorgungszentrum nördlich der Bahn mit einer Verkehrsanbindung über die so genannte Bielecki-Trasse (vom Allerbeeksring, vorbei am Jesteburger Hof in Richtung Bendestorf).

WOCHENBLATT: Haben Sie ein politisches Vorbild?
Ziegert: Herbert Wehner, weil er gehandelt und nicht geschwafelt hat.

WOCHENBLATT: Ihre Tochter Cornelia wurde im vergangenen Jahr als Fraktionsvorsitzende abgewählt. Wie bewerten Sie das heute?
Ziegert: Meine Bewertung wäre sehr einseitig. Eine eindeutige Bewertung hat doch der Wähler bei der letzten Kommunalwahl abgegeben. (Cornelia Ziegert bekam nach Bürgermeister Udo Heitmann die zweitmeisten Stimmen und konnte sogar noch deutlich zulegen, d. Red.).

WOCHENBLATT: Ihre Partei veranstaltet Ihnen zu Ehren einen Empfang. Was wünschen Sie sich von den Gästen?
Ziegert: Keine Blumen und Geschenke, sondern eine Spende für das Filmmuseum in Bendestorf. Denn das Filmmuseum soll ein wichtiger Baustein der Kunst- und Kulturszene in der Samtgemeinde werden.

WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch.

Wichtige Stationen von Siegfried Ziegert

• 1967 gründet Siegfried Ziegert mit Freunden den Angelsportverein „Gut Fang“, deren Vorsitzender er zehn Jahre ist
• seit 1972 Mitglied in der SPD
• von 1976 bis 1999 ist Ziegert Ortsvereinsvorsitzender der SPD
• 1980 gründet Ziegert mit Jochen Bölsche aus Buchholz eine Ortsgruppe der Naturfreunde (die Naturfreunde Nordheide). Ziegert wird Vorsitzender
• von 1991 bis 2001 ist Ziegert wieder Ortsvereinsvorsitzender der SPD
• von 1999 bis 2006 Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat
• von 2006 bis 2011 Bauausschuss-Vorsitzender in Jesteburg
• von 2006 bis 2016 Fraktionsvorsitzender im Samtgemeinderat
• von 2006 bis 2016 Feuerschutzausschuss-Vorsitzender
• Siegfried Ziegert engagiert sich darüber hinaus sehr in der Flüchtlingshilfe sowie bei der Weihnachtspäckchen-Aktion zugunsten von Straßenkindern in Rumänien.