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Die „Rad-Fronten“ sind verhärtet

Am Samstag hatte das WOCHENBLATT die Vorschläge der ADFC-Vorsitzenden Karin Sager vorgestellt

WOCHENBLATT-Leser diskutieren Ideen von ADFC-Vorsitzende Karin Sager, „Autofahrer auf das Rad zu zwingen“.

(mum). Deutlichen Gegenwind - aber auch Zustimmung - bekommt Karin Sager für ihren jüngsten provokanten Vorstoß. Die Vorsitzende des Kreisverbands Harburg im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aus Asendorf (Samtgemeinde Hanstedt) will Autofahrer auf das Rad zwingen. Dafür hat sie jetzt unter anderem gefordert: „Durch Temporeduzierung, Parkgebühren, Parkzeitbegrenzung und Durchfahrtverbote wird die Nutzung des eigenen Autos in Ortslagen unattraktiv und teuer.“ Für Radfahrer und Fußgänger müsse hingegen in Ortszentren Platz geschaffen werden. Der Individualverkehr müsse eingeschränkt werden und zwangsläufig Straßen und Parkplätze reduziert werden. Das sagen die WOCHENBLATT-Leser zu den Ideen von Karin Sager.

• Karl-Heinz Kühl (Buchholz): „Ich stimme Karin Sager voll und ganz zu. Nach dem Motto „Wer Straßen sähet, wird Verkehr ernten“ führen Straßen ohne Begrenzungen nur zu mehr Autoverkehr. Selbst ein Fußweg von weniger als zehn Minuten ist für manche Menschen unzumutbar. Sie parken nicht nur im Halteverbot, sondern auch direkt in der Kreuzung. Nur Geschwindigkeitsbegrenzungen, Straßenverengungen und andere Hindernisse bringen mehr Sicherheit für Nichtautofahrer.“

• Gerhard Klußmeier (Rosengarten): „Wir retten die Welt durch immer mehr Verbote und immer höhere Gebühren. Unter diesem Motto machen regelmäßig realitätsverweigernde Möchtegern-Politiker von sich reden. Derartige Forderungen für ländliche Regionen zustellen, ist mehr als absurd. Gerne fahre ich mit Karin Sager einmal mit dem Rad von Leversen zum Einkaufen, zum Bäcker oder zur Apotheke und zu Edeka in die ‚nahegelegenen‘ Einkaufsorte Nenndorf oder Vahrendorf. Dabei dürfte der Profiradlerin vielleicht bewusst werden, in welchem Wolkenkuckucksheim sie sich eingerichtet hat. Bier und Mineralwasser bestellen wir dann bei Amazon.“

• Peter Eckhoff (Initiative „Buchholz fährt Rad“): „Stadt- und Verkehrsplaner hatten ab den 1950er Jahren immer das Kfz im Blick. Mit dem Ziel einer ‚autogerechten Stadt‘ eroberte das Automobil so die öffentlichen Flächen für sich. In den deutschen Großstädten besitzen immer weniger Menschen ein eigenes Auto. Das Angebot im öffentlichen Personennahverkehr mit Bus und Bahn ist attraktiv. Mit dem Fahrrad ist man auf kurzen innerstädtischen Strecken häufig schneller als mit dem Auto unterwegs. Und wenn man mal ein Auto braucht, stehen mittlerweile auch gute Carsharing-Angebote zur Verfügung. Fuß- und Radverkehr müssen sicher und bequem werden und das ÖPNV-Angebot attraktiver. Um dieses zu erreichen, brauchen Lokalpolitiker nur den Mut zu haben, dem Autoverkehr die Bevorrechtigung teilweise wieder zu entziehen.“

• Patrick und Britta Stoffregen (Holm-Seppensen): „Die Gedanken von Karin Sager finden wir weniger visionär als vielmehr diskriminierend und wenig lebenspraktisch. Frau Sager glaubt doch nicht wirklich, dass wir nach der Arbeit aus Hamburg kommend durch Buchholz nach Hause (Holm-Seppensen) fahren, um dann auf das Fahrrad zu steigen und wieder sechs Kilometer zurück ins Zentrum von Buchholz fahren? Mitfahrgelegenheiten sind auch keine Lösung, denn für die arbeitende Bevölkerung ist Zeit ein knappes Gut und Spontanität bei der Planung von Einkäufen unabdingbar. Vielmehr wäre es wohl eher an der Zeit, den im Artikel beschriebenen ‚Realitäten‘ gerecht zu werden und Raum für den drastisch angestiegenen Pkw-Bestand zu schaffen. Wir tolerieren es doch auch, wenn Hobbyradfahrer, sich durch den Kauf eines Rennrads berufen fühlen, nebeneinander und im Pulk auf unseren heimischen Landstraßen die ‚Tour de France‘ nachzustellen und den Verkehr blockieren.“

• André Schmidt (Wulfsen): „Im Grundsatz geht es immer wieder um die Frage, welche Interessen einen höheren Stellenwert haben: die ständige Nutzbarkeit des eigenen Autos (aus welchen Gründen auch immer) und die wirtschaftlichen Interessen oder die gesundheitlichen Aspekte (Belastung der Atemluft) sowie die ökologischen Aspekte (Klimawandel/ Resourcenverbrauch). Man braucht nicht lange zu diskutieren, wenn man der Nachhaltigkeit und der Verantwortung für spätere Generationen eine höhere Priorität einräumt. Aus diesem Grunde bin ich für alle Maßnahmen, die geeignet sind, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren.“

• Matthias Hüte (Winsen): „Frau Sager sollte sich mit ihren Argumenten, die Autofahrer zu motivieren, nicht verrennen. Sie erreicht damit das Gegenteil. Frau Sager fordert die vielen Maßnahmen gegen die Autofahrer, um Vorteile für sich zu erreichen. Ich könnte mir auch Maßnahmen vorstellen, um die Fahrradfahrer von der Straße zu bekommen, damit ich besser voran komme. Fordern würde ich das aber nicht. Warum? Weil ich die Radfahrer respektiere und sie im Verkehr als gleichberechtigt sehe.“

• Hanns Rickert (Kakenstorf): „Es würde genügen, wenn Karin Sager ihr Klientel dazu bringen würde, sich an für alle verbindlichen Verkehrsregeln zu halten.“

• Herbert Maliers (Buchholz): „Als ich mein erstes Auto kaufte, sagte mir mein Vater, ich müsse mir bewusst sein, dass so ein Fahrzeug auch töten könne. Er meinte damit: Fahr vorsichtig, das ist gut für dich und für andere. Damals wusste man noch nichts von Gesundheitsgefährdung durch Verkehrslärm, Feinstaub und Stickoxide. Und er gab mir noch etwas Wichtigeres mit: Trage durch dein Verhalten dazu bei, dass andere Menschen nicht geschädigt werden und die nachfolgenden Generationen nicht unsere Sünden ausbaden müssen. Seit ich drei Enkelkinder habe, lasse ich das Auto inzwischen lieber stehen.“

• Klaus-Peter Lohmann (Asendorf): „Als ADFC-Vorsitzende vertritt Frau Karin Sager die Interessen der Fahrradfahrer. Das ist auch absolut nachvollziehbar. Warum sie aber andere Menschen dazu zwingen will, ihre Ansichten zu teilen ist unverständlich. Leider aber ein Phänomen, das man heutzutage oft erlebt. Diese Bevormundung widerspricht den Prinzipien, auf denen unsere Demokratie fußt. Das demokratische Ideal geht davon aus, dass erwachsene Bürger selbst entscheiden können, was gut für sie ist. Frau Sager mag ja gut im Training sein, viele - nicht nur ältere - Menschen sind es nicht.“

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