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"Die Verwaltung hat keine Zeit für das Dorffest!" - "UWG Jes!"-Chef will beliebtes Event organisieren.

Wollen gemeinsam das Dorffest organisieren (v. li.): Sascha Kiehne, Loretta Wollenberg und Hansjörg Siede (Foto: Hansjörg Siede)
mum. Jesteburg. „Ich kann nicht nur kritisieren, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen“, sagt Hansjörg Siede. Der Unternehmer hat vor Kurzem die „Unabhängige Wählergemeinschaft Jesteburg“, kurz „UWG Jes!“, gegründet und gilt als schärfster Kritiker der Kommunalpolitik in seiner Gemeinde. Jetzt hat Siede angekündigt, das Dorffest im kommenden Jahr organisieren zu wollen. Zuvor hatten Bürgermeister Udo Heitmann (SPD) und Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper die Vereine darüber informiert, dass seitens der Verwaltung, anders als in den Vorjahren, keine Kapazitäten zur Verfügung stünden.
Siede ärgert dieses Vorgehen. „Lichtermeer, Inselflohmarkt, Maibaum-Aufrichten, Schützenfest und Weihnachtsmarkt - die Bürger und die Vereine organisieren in Jesteburg mit viel Herzblut die kulturellen Höhepunkte im Dorf“, sagt der „UWG Jes!“-Chef. „Und die gewählten Gemeindevertreter und die hauptamtliche Verwaltung ziehen sich aus allen bürgernahen Veranstaltungen zurück?“ Er sei entsetzt gewesen, als er eher beiläufig erfahren habe, „dass die Verwaltung sich weigert, die Verantwortung für die Durchführung des Dorffestes zu übernehmen“. Ursache seien personelle Veränderungen in der Verwaltung, hieß es. Auch sei man durch die Betreuung und Unterbringung der Flüchtlinge personell vollkommen ausgelastet.
Noch im September 2014 habe laut Siede der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur (WTK) einstimmig beschlossen, auch in 2016 wieder ein Dorffest zu feiern und das Rathaus beauftragt, einen Festausschuss zu bilden. „Trotz dieser Beschlusslage rudern nun alle zurück“, kritisiert Siede. Stattdessen sollen sich Höper und Heitmann dafür ausgesprochen haben, dass durch das Aus des Dorffests frei werdende Geld lieber für den Kunstpfad verwenden zu wollen. „Es darf nicht sein, dass jetzt selbst das Herzstück unserer Dorfgemeinschaft ausfällt, nur weil bevorzugt vermeintlich avantgardistische Kunstprojekte gefördert werden, mit denen kein normaler Jesteburger etwas anfangen kann“, so Siede.

Die Vorstellung, dass das beliebte Dorffest nicht stattfinden wird, wollte Hansjörg Siede nicht hinnehmen. Gemeinsam mit Loretta Wollenberg (Kammerspiele Gunther Malzacher) und Sascha Kiehne (Vorsitzender des Blasorchesters Jesteburg) ergriff der „UWG Jes!“-Chef die Initiative und erklärte sich bereit, die Organisation des Events zu übernehmen.
„Das Dorffest ist gelebte Kultur. Es spiegelt die breite und bunte, künstlerische und kulturelle Vielfalt in unserer Gemeinde wieder. Es wäre schade, wenn diese Institution einschläft“, so Loretta Wollenberg. Siede ergänzt: „Das Dorffest ist die wichtigste Veranstaltung für eine lebendige Dorfgemeinschaft. Engagierte Jesteburger präsentieren liebgewonnene Traditionen und neue Trends. Das Dorffest hat eine große Integrationskraft und zeigt die Vielfalt in unserer Gemeinde auf. Jung trifft auf Alt, Alteingesessene und Neuzugezogene feiern gemeinsam - mehr gelebte Dorfgemeinschaft geht nicht.“ Als der Arbeitskreis während der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur am vorigen Mittwoch seine ersten Ideen vorstellen wollte, ließ Vorsitzender Hans-Jürgen Börner (SPD) vom Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper, zur völligen Überraschung der Beteiligten, ausrichten, dass die Gemeinde nicht als Veranstalter des Dorffestes zur Verfügung stehe. Bestünde trotzdem weiterhin der Wunsch, ein Dorffest im kommenden Jahr auszurichten, so müsste dies auf eigene Verantwortung und eigenes Risiko der Arbeitsgruppe geschehen. Konkret gehe es beispielsweise um den Versichtungsschutz. „Für Privatpersonen gelten besonders hohe Prämien“, so Siede.
Obwohl Siede auf die nach wie vor gültige Beschlusslage aus 2014 verwies, nach der ein Dorffest stattfinden soll, setzte sich der WTK-Ausschuss über seine eigene Willensbildung hinweg und entschied einstimmig, dem Vorschlag Höpers zu folgen und eine entsprechende Empfehlung an Verwaltungsausschuss und Gemeinderat abzugeben. Das bedeutet, die Verwaltung wird nicht als Veranstalter auftreten. Zumindest akzeptierten die Ausschussmitglieder das vom Orga-Team vorgeschlagene Datum, 3. September 2016. Zudem empfahlen die Politiker einen Zuschuss in Höhe von 6.500 Euro.
Das Organisationsteam zeigte sich dennoch enttäuscht: „Wir machen erst einmal weiter wie geplant und werden einen Konzeptentwurf erarbeiten. Wir hoffen sehr, dass die Resonanz der Bürger und die ehrenamtliche Kreativität aller Jesteburger den Gemeinderat überzeugen werden, die Tradition ‚Dorffest‘ weiterhin als Gemeindeveranstaltung auszurichten“, so Kiehne. Wollenberg ergänzt: „Sollen es Vereine und einzelne Bürger ausbaden, wenn sich die Verwaltung um die Wahrnehmung ihrer Kernaufgaben drückt?“

Auf ein Wort

Ist Kunst wichtiger
als die Dorfgemeinschaft?

Jesteburg hat sich dieses Jahr die Koordination der Kunst- und Kulturwoche 5.000 Euro kosten laasen. Dieses Honorar erhielt Ratsmitglied Bernd Jost für die Organisation einer Sause, für die weitere 20.000 Euro zur Verfügung standen. Für das Dorffest kann Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper kein Personal abstellen. Die Politik macht auch „nur“ 6.500 Euro locker. Das wirft unweigerlich die Frage auf, ob in Jesteburg Kunst wichtiger ist als die Dorfgemeinschaft. Das ist das falsche Signal für alle, die sich in Jesteburg abseits der Kunst engagieren.
Sascha Mummenhoff