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„Die Vielfalt geht verloren“

Organisierten den Jesteburger Neujahrsempfang (v. li.): Henning Erdtmann, Pastorin Ellen Kasper, Hans-Heinrich Höper, Anne Dietrich und Carola von der Lieth
 
Karl-Heinz Glaeser (Grüne, v. li.), Cornelia Ziegert (SPD) und Schützen-Präsident Torsten Lange

Kaufleute-Chef Henning Erdtmann richtet mahnende Worte an Neujahrsempfang-Gäste.

mum. Jesteburg. Spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich präsentierte sich der Neujahrsempfang der Gemeinde Jesteburg am Sonntag. Das liegt unter anderem auch an der Tradition, dass nicht ausschließlich die politische Gemeinde, sondern stets die Kirchengemeinde St. Martin, der GeWerbekreis und jeweils ein Verein die Organisation übernehmen. In diesem Jahr war „Jugend aktiv“ dran. So unterschiedlich die Veranstalter, so verschieden fielen auch die Reden der Gastgeber aus. Jeder setzte einen anderen Schwerpunkt.

• Henning Erdtmann, Vorsitzender des GeWerbekreises, schaute auf ein „holpriges Jahr“ zurück. „Eine Vielzahl von Gewerbetreibenden mussten ihre Geschäfte schließen. Dem Gegenüber stehen nur wenige, die den Mut haben, mit neuen Ideen in die Selbstständigkeit zu starten.“ Erdtmann warnte:
„Die Vielseitigkeit des Einzelhandels geht in Jesteburg verloren.“ Das sei allerdings nicht nur in Jesteburg so. Der GeWerbekreis-Chef appellierte an die Gäste, regionale Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und lokal zu kaufen. „Man muss nicht ins benachbarte Buchholz fahren oder im Internet einkaufen.“ Erdtmann sieht in Jesteburg aber auch viel Positives. „Es gibt hier viele Menschen, die sich selbstlos und ohne persönliches oder politisches Interesse engagieren. Wahrscheinlich wäre unsere Gemeinde gar nicht lebensfähig ohne diejenigen, die ehrenamtlich anpacken.“ Dem Kaufleute-Vorsitzenden missfällt, dass es viele Bürger gibt, die dieses Engagement hinterfragen und sogar schlecht reden. „Das ist der falsche Weg. Wir sollten engagierte Menschen viel mehr unterstützen.“

• Kirchenvorsteherin Carola von der Lieth wies darauf hin, dass es in diesem Jahr nicht nur 500 Jahre Reformation zu feiern gibt. Am 17. Dezember soll das 175-jährige Bestehen der Jesteburger Kirche zelebriert werden. Über die geplanten Veranstaltungen berichtet das WOCHENBLATT zu einem späteren Zeitpunkt.

• Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper beschäftigte am meisten die Finanzierung der Kindertagesstätten. „Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Kosten von 1,7 Millionen Euro auf 2,4 Millionen Euro gestiegen“, so der Verwaltungschef. „Die Eltern tragen zwar einen nicht unerheblichen Anteil über die Gebühren. Aber mehr als 50 Prozent müssen durch den kommunalen Haushalt - durch Steuereinnahmen - getragen werden.“ Das seien in den vergangenen fünf Jahren mehr als 500.000 Euro gewesen. „Jetzt möchte man in Berlin den Anspruch auf Betreuung bis auf das Ende der Grundschulzeit ausdehnen. Für den weiteren Bau von Kindertagesstätten stellt der Bund Mittel zur Verfügung. Auch wir werden eine weitere Kindertagesstätte bauen müssen. Doch nicht die Bau-, sondern die Personalkosten sind das Problem.“ Höper rechnet allein für 2017 mit Belastungen in Höhe von 1,56 Millionen Euro für die Gemeinde. Höper wies zudem nochmals auf die Wichtigkeit von bezahlbarem Wohnraum hin. „Wir müssen hier dringend etwas tun, denn sonst kommen wir in die Situation, dass Erzieher uns absagen, weil sie keine Wohnung finden.“

• Anne Dietrich, Vorsitzende des Vereins „Jugend aktiv“, dankte in ihrem Grußwort allen Unterstützern des Vereins. In den vergangenen 18 Jahren habe sich „Jugend aktiv“ zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens entwickelt. Es gebe inzwischen Kooperationen mit nahezu allen Vereinen im Ort.

• Der Neujahrsempfang begann mit einem Festgottesdienst in der St. Martins-Kirche. Die Besucher erlebten das „kleine Weihnachtsoratorium“ (Bach, bearbeitet von Claudia Zülsdorf). Es spielten Ulrike Meyer (Sopran, Hamburg), Claudia Zülsdorf (Oboe, Hildesheim), Gerd Jordan (Orgel, Hamburg) und Klaus Siebert (Sprecher, Jesteburg).