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Ein besorgter Bürger oder doch nur ein Denunziant?

Die Abrissarbeiten an der alten Studiohalle in Bendestorf sehen spektakulär aus (Foto: bim)
 
Löste eine Kontrolle des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg und des Landkreises Harburg aus: Hans-Jürgen Börner
 

Eine riesige Baggerschaufel frisst sich durch das alte Mauerwert der Halle A1 auf dem ehemaligen Filmstudio-Areal in Bendestorf. Damit dürfte das Kapitel endgültig geschlossen sein. Zuletzt hatte der Jesteburger Ratsherr Hans-Jürgen Börner versucht, den Abriss zu torpedieren. Er hatte den Verdacht der illegalen Aspest-Entsorgung an die Behörden weitergegeben. Die Informationen hätten von einem ihm "als vertrauenswürdig bekannten Bendestorfer" gestammt. Allerdings sehen weder der Landkreis, noch das Gewerbeaufsichtsamt die Kritik als begründet an. Auf dem Areal sollen bis zu 30 Wohnungen entstehen.

mum. Bendestorf/Jesteburg. Viel Lärm um nichts - oder typisch Hans-Jürgen Börner? Auf Veranlassung des NDR-Veteranen und Jesteburger SPD-Politikers kontrollierten Experten des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg und des Landkreises Harburg vergangene Woche die Abrissbaustelle auf dem Gelände des ehemaligen Bendestorfer Filmstudios. Wie berichtet, war dort Mitte März der Teilabriss angelaufen. Projekt-Entwickler Friedrich-W. Lohmann möchte dort bis zu 30 Wohneinheiten bauen. Alles lief laut Lohmann nach Plan, bis Börner tätig wurde. An die zuständigen Behörden war von ihm der Verdacht illegaler Asbest-Entsorgung herangetragen worden. Doch schon einen Tag später folgte die Entwarnung. "Nach heutigem Stand sehen weder das Gewerbeaufsichtsamt noch der Landkreis einen Anlass, die Bauarbeiten auf dem Gelände des Filmstudios zu stoppen", teilt Christina Freifrau von Mirbach, die stellvertretende Leiterin des Gewerbeaufsichtsamtes, mit.
Verantwortlich für die Untersuchungen ist Hans-Jürgen Börner. Ein ihm "als vertrauenswürdig bekannter Bendestorfer" habe ihm mitgeteilt, dass er die ersten Abbrucharbeiten beobachtet und sich über den sorglosen Umgang mit asbesthaltigem Material gewundert habe, wird Börner unter anderem im Abendblatt zitiert. "Da hier berechtigte Sorge um die Gesundheit von Anwohnern und Arbeitern besteht, habe ich umgehend reagiert", so Börner weiter. Offensichtlich hat der einst gewissenhafte Journalist mit seinem gut gemeinten Engagement nur für unnötige Kosten gesorgt, die nun der Steuerzahler tragen muss. Jedenfalls geben die zuständigen Behörden Entwarnung. "Aufgrund des an die Behörden herangetragenen Verdachts der illegalen Asbestentsorgung hat das Gewerbeaufsichtsamt zusammen mit dem Landkreis Harburg die Baustelle kontrolliert", heißt es in einer Pressemitteilung. Gewerbeaufsichtsamt und Landkreis arbeiten wegen der betroffenen unterschiedlichen Aufgabenbereiche in enger Abstimmung zusammen. Das Gewerbeaufsichtsamt kümmert sich um Belange des Arbeitsschutzes, der Landkreis Harburg ist Abfall- und Immissionsschutzbehörde.
"Das Unternehmen Ferch Baumaschinen GmbH aus Winsen war auf dem Gelände mit Abrissarbeiten beschäftigt. Auf dem Grundstück stehen unter anderem ein Unterstand und ein Schuppen mit insgesamt etwa 200 Quadratmetern Dachfläche aus Asbestzement. Erkennbar war, dass an diesen Gebäuden bislang überhaupt keine Abrissarbeiten durchgeführt worden sind." Aufgrund dieser Feststellungen sehen beide Behörden keinen Anlass, die Bauarbeiten zu stoppen.
Gewerbeaufsichtsamt und Landkreis hätten darüber hinaus vereinbart, dass sich der Landkreis als Abfallbehörde vom Bauunternehmen Ferch Entsorgungsnachweise vorlegen lässt, damit die ordnungsgemäße Entsorgung des Bauschutts und weiterer Abfälle insgesamt lückenlos nachvollzogen werden kann. Zudem teilt das Gewerbeaufsichtsamt mit, "dass die Firma Ferch Baumaschinen prinzipiell über die notwendige Sachkunde für den Abbruch von festgebundenen asbesthaltigen Baustoffen verfügt".
Lohmann selbst sieht die Unterbrechung nüchtern. "Wir machen jetzt einfach weiter." Die Frage, ob hinter Börners Anschuldigung Absicht steckte, möchte er lieber nicht beantworten. Börner hatte im Vorfeld mit aller Macht versucht, den Abriss der Studiohalle A 1 zu verhindern. Nach seinen Vorstellungen hätte das Museum deutlich größer ausfallen sollen. Pläne, die die Gemeinde vor allem aufgrund der Kosten, ablehnte. Seit Donnerstag ist die Halle übrigens Geschichte. Sie wurde abgerissen.

Auf ein Wort

Börners Stil ist schlimm


Hans-Jürgen Börner war vielen jungen Journalisten ein Vorbild. Seine rhetorischen Fähigkeiten sind grandios - auch heute noch. Leider vergisst der ehemalige Moderator der Satiresendung "Extra 3", dass er nicht mehr in einem TV-Studio sitzt. Seine "Gegner" sind keine Berufspolitiker oder Wirtschaftsbosse, sondern - wie in diesem Fall - ehrenamtliche Bürgermeister. Bernd Beiersdorf ist sogar erst seit wenigen Wochen im Amt. Wie muss es sich für den hochanständigen Beiersdorf angefühlt haben, als er am Samstagnachmittag eine E-Mail von Börner bekommen hat, in der unter anderem zu lesen war:
"Heute erhielt ich besorgniserregende Informationen aus Bendestorf. Danach wurde bei den Abrissarbeiten auf dem Filmgelände angeblich Asbest freigesetzt. Sicherlich gehen Sie dem nach, da sich sicherlich noch weiteres Asbest in den zum Abriss bestimmten Gebäuden befindet", so Börner. Wegen sachbedingter Eile habe er interessierte Personen in cc… gesetzt. "Anfang der Woche wende ich mich an den Landkreis und die Polizei, sofern ich von Ihnen keine Entwarnung bekomme."
Für Börner ist so eine "interessierte Person" das Abendblatt. Dem Medien-Profi dürfte klar gewesen sein, dass daraus eine große Geschichte gemacht werden würde. Und tatsächlich titelte das Blatt unverblümt "Asbest-Alarm beim Abriss des Filmstudios". Inzwischen ist klar, dass an der Sache nichts dran ist. Börner hatte einen kurzen Moment des Ruhms. Er, der besorgte Bürger, der die Menschen vor Schaden bewahren möchte. Vielleicht war das tatsächlich sein Ziel. Nur dann frage ich mich, warum er nicht einfach den Bürgermeister angerufen hat. Für mich lässt das nur einen Schluss zu: Börner wollte in die Schlagzeilen. Um jeden Preis. Das hat er geschafft. Die Schlagzeilen hatte er. Nur leider steht er jetzt als Denunziant da.
Sascha Mummenhoff

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