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Ein Clown sagt tschüss

Unzählige Kinder und Erwachsene brachte Helmut Schulze (80) als Zauber-Clown „Elmutio“ zum Lachen. Damit ist jetzt Schluss. Schulze hängt seinen Frack an den Nagel und verkauft alle Requisiten.
 
Helmut Schulze steht in einer seiner beiden Garagen. Dort wird er bald alle seine Requisiten verkaufen

Helmut „Elmutio“ Schulze hängt sein Kostüm für immer an den Nagel / Requisiten werden verkauft.



mum. Buchholz.
Für Helmut Schulze (80) gibt es nichts Schöneres, als Menschen zum Lachen zu bringen. Als Clown „Elmutio“ tourt er seit 40 Jahren durch die Lande. Doch damit ist jetzt Schluss. Nach einem schweren Autounfall, in den er unschuldig verwickelt wurde, fühlt er sich nicht mehr in der Lage, lange Strecken zu fahren. „Ich glaube, auch ohne Unfall wäre es wohl an der Zeit gewesen, einen Schlussstrich zu ziehen“, so Schulze. Dennoch: „Am Anfang habe ich geweint.“ Mit etwas Abstand sei er aber dankbar für so viele schöne Momente.
Wie ernst Schulze seinen Entschluss meint, seine Berufung aufzugeben, zeigt, dass er sein Gewerbe abgemeldet und sämtliche Termine abgesagt hat sowie alle seine Requisiten verkaufen möchte. Am Wochenende, 23. und 24. September, jeweils zwischen 11 und 17 Uhr soll alles in der Almastraße in Buchholz unter den Hammer kommen. Zwei Garagen voller Zaubertricks stehen zum Verkauf. Von den Einnahmen möchte Schulze mit seiner Frau im Oktober zu einem Klassentreffen nach Thüringen fahren. „Vielleicht sind ein paar Extra-Tage drin“, so der Clown. Bis zu dem Verkaufstermin gibt es für Schulze noch viel zu tun. Die Kostüme kommen in die Reinigung, alle Requisiten werden auf Vordermann gebracht und der Clown möchte Anleitungen für die Tricks heraussuchen. Schwierig wird dies allerdings für die vielen Tricks, die er sich selbst ausgedacht hat. „An vielen meiner Requisiten habe ich lange getüftelt und sie schließlich selbst gebaut“, so Schulz.
Mit 21 Jahren begann Schulze damit, mit Tricks Gäste zu unterhalten. „Die Leute denken immer, dass ich am Wochenende Geld im Vorbeigehen verdiene“, sagt er. „Sie sehen aber nicht, dass ich seit meiner Anfangszeit als Clown viel Zeit und Geld in meine Tricks investiert habe.“ Wie zum Beweis öffnet Schulze einen Schrank mit Requisiten und zeigt einen Trick mit einer Taschenuhr, die sich von allein auf eine vorhergesagte Uhrzeit einstellt. Dazu erzählt „Elmutio“ eine ausgedachte Geschichte. „Du musst wissen, die Leute wollen unterhalten werden. Ist die Geschichte lustig, dann kommt auch der Trick gut an.“
Schulze wurde für ganz unterschiedliche Veranstaltungen gebucht. Häufig waren es zuletzt Kindergeburtstage, Stadtfeste oder Jubiläen. Er hatte aber nicht nur Quatsch im Sinn. „Ich spielte vor Demenz-Erkrankten“, erzählt der 80-Jährige „Die Senioren wirkten apathisch.“ Ihm sei klar gewesen, dass er dort keine Luftballon-Tricks zeigen würde. Schulze habe seine Mini-Violine aus der Tasche genommen und zwei Lieder seiner Jugend angestimmt. „Ich bin sicher, dass die Senioren die Melodien erkannt haben, denn sie haben aufgeschaut und einen Glanz in den Augen gehabt“, erinnert sich der Künstler.
Helmut Schulze, der bereits seit 1958 mit seiner Frau Heidi zusammen ist, wurde in Königsberg geboren. Mit seiner Mutter und den Geschwistern floh er nach Thüringen. Im Alter von 18 Jahren zog es Schulze in den Westen. Seine erste Station war Neugraben. Der junge Mann absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenbauer, arbeitete im Hafen und im Flugzeugbau. Drei Jahre verdiente er sein Geld sogar als Seemann. Dann wurde er in der Nordheide sesshaft - unter anderem als Handelsvertreter für Saunen. Nach unzähligen Auftritten ist nun Schluss. Seinen Fans sagt er zum Abschied: „Seid nicht traurig! Das Leben will gelebt werden - und mit einem Lächeln geht das am besten.“