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Ein Leuchtturm für den Landkreis

Sind von der Idee des neuen Film-Museums überzeugt (v.li.): Hans-Jürgen Börner, Bürgermeister Hans-Peter Brink und Walfried Malleskat
 
In einer Halle (roter Kreis) auf dem Studio-Gelände soll ein modernes Film-Museum entstehen (Foto: oh)

Entsteht im kleinen Bendestorf ein Leuchtturm-Projekt für den gesamten Landkreis Harburg? Geht es nach den Plänen einer Projektgruppe, zu der unter anderem Bürgermeister Hans-Peter Brink, Walfried Malleskat (Leiter des Bendestorfer Filmmuseums) und TV-Profi Hans-Jürgen Börner zählen, dann öffnet auf dem Areal des ehemaligen Filmstudios ein Museum, das von großer touristischer Bedeutung für die gesamte Region werden könnte. Im Gespräch ist eine fast 350 Quadratmeter große Ausstellungs- und Eventfläche. Die Gruppe ist sich einig, dass sich mit dem Umzug des bisherigen Museums im „Makens Huus“ auf das ehemalige Studio-Areal ein besonderer Kreis schließen wird.
Bendestorf steht wie kein anderer Ort für die Film-Geschichte der Deutschen Nachkriegszeit. Filme wie „Die Sünderin“ (mit Hildegard Knef), „Die Csardasfürstin“ (mit Marika Rökk) und „Ave Maria“ (mit Zarah Leander) entstanden dort.

mum. Bendestorf. Wo einst internationale Stars wie Anthony Perkins, Anita Ekström und Vanessa Redgrave drehten, könnten schon bald Cineasten aus aller Welt die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Films erleben.
Das Konzept für das neue Film-Museum auf dem ehemaligen Studio-Gelände wurde am gestrigen Dienstag erstmals öffentlich vorgestellt. Die bisherigen Ideen: In einer Dauer-Ausstellung wird an die Bendestorfer Filmgeschichte erinnert. Die Besucher sehen alte Kameras, Scheinwerfer, Schneidetische, Plakate, Fotos, Original-Drehbücher und Autogrammkarten.
Ein weiterer Raum ist für Sonderausstellungen und Veranstaltungen wie Vorträge und Konzerte reserviert. Zudem ist ein Forum angedacht. Dort sollen Jugendliche und Erwachsene selbst tätig werden. Kurse für Nachwuchsfilmer oder auch Filmwettbewerbe seien denkbar.
„Damit das neue Film-Museum auch für das junge Publikum interessant ist, soll viel moderne Technik zum Einsatz kommen“, sagt Museums-Chef Walfried Malleskat. Über Touchscreens und Displays könnten die Besucher in verschiedene Bereiche eintauchen. Der tägliche Umgang mit Handykamera und Internet biete reichlich Anknüpfungspunkte.
Malleskat rechnet mit bis zu 5.000 Besuchern im Jahr. 20 Parkplätze stehen direkt am neuen Museum zur Verfügung. Zusätzlich können bei größeren Abendveranstaltungen die etwa 40 Stellplätze am Freibad genutzt werden. Für den kurzen Fußweg hat Hans-Jürgen Börner von der Planungsgruppe eine Idee: „Wie wäre es mit Schautafeln, die schon auf dem Weg Lust auf das Museum machen.“
Und wie steht es um die Finanzierung? Zahlreiche Sponsoren hätten angekündigt, das Projekt zu unterstützen. „Dank dieser Mittel sei der Kauf des Grundstücks nebst Halle gesichert“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Brink. „Und das ohne öffentliche Mittel.“ Jetzt geht es darum, genug Geld einzuwerben, um aus der alten Halle ein modernes Museum zu machen. Bis zu 500.000 Euro könnten dafür benötigt werden. Die Planungsgruppe ist sich sicher, dass die Finanzierung zumindest zum Teil über Fördertöpfe realisiert werden kann.
Bei den Planungen zählt für Bürgermeister Brink vor allem eines: „Für die Gemeinde darf das Projekt nicht zu einer finanziellen Belastung werden!“ Deshalb wird das Museum von Ehrenamtlichen geführt. Brink möchte, dass die Pläne von den Bürgern getragen werden. „Es wird keine Entscheidung gegen den Willen der Bendestorfer geben“, so der Bürgermeister.
• Wer das Projekt unterstützen möchte, wendet sich an Hans-Peter Brink (0 41 83 - 73 70) oder Walfried Malleskat (0 41 83 - 5 09 13 67). „Jeder Betrag zählt“, sagt Malleskat. Für nur 35 Euro im Jahr ist man bereits Mitglied im „Freundeskreis Filmmuseum Bendestorf“. Der Förderverein leistet bereits seit zwei Jahren vorbildliche Arbeit.

Die weiteren Pläne:

Das Film-Museum ist Teil einer umfangreichen Planung: (das WOCHENBLATT berichtete). Höchstens 30 Wohneinheiten sollen in Häusern mit zwei Vollgeschossen sowie einem Staffelgeschoss entstehen. Das Konzept fand die Zustimmung von Bürgern und Politik. Das Areal, auf dem nur die Halle A1 sowie der Komplex mit dem Vox-Klangstudio erhalten bleibt, soll über die jetzige Zufahrt erschlossen werden.


Hintergrund:

Im Heide-Hollywood gingen die Stars der Nachkriegszeit ein und aus. Im Zentrum des 1,4 Hektar großen Areals liegen drei große Studiohallen. Das Heidedorf wurde zur Filmmetropole, weil das Ufa-Studio Babelsberg in der sowjetischen Besatzungszone lag. Für die aufkommende westdeutsche Filmindustrie musste schnell ein Ersatzdrehort gefunden werden. In kürzester Zeit entstand in der ländlichen Idylle ein komplettes Studio. Von 1947 bis heute entstanden knapp 100 abendfüllende Spielfilme. Öffentlich-rechtliche und später auch private Fernsehsender nutzten die Studios für Unterhaltungsshows. Auch heute noch werden in Bendestorf Film- und Fernsehaufnahmen produziert. Zuletzt wurde 2012 die NDR/Arte-Produktion „Entscheidung bei Kunduz“ dort gedreht.