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"Es gibt keine auffälligen Kinder!" - Tomasz Niedzielin ist seit April Sozialpädagoge der Samtgemeinde Jesteburg

Tomasz Niedzielin in seinem Büro in der Oberschule. Von dort aus möchte er Inklusion in der Samtgemeinde als Leitbild prägen
mum. Jesteburg. „Ich möchte jedem Kind in der Samtgemeinde Jesteburg die Chance geben, seine persönliche Fähigkeiten zu entfallten“, sagt Tomasz Niedzielin (30). Seit dem 1. April ist der Sozialpädagoge für die Samtgemeinde tätig. Sein Auftrag: Alle Bildungseinrichtungen - Schulen und Kindergärten - mit einem Leitbild auszustatten. „Das ist keine leichte, aber eine sehr reizvolle Aufgabe“, sagt Niedzielin. Selbstverständlich sei jede Einrichtung autark. „Der Reiz besteht darin, das wir die Einrichtungen miteinander verbinden.“ Ganz wichtig dafür ist ein regelmäßiges Treffen aller Einrichtungen unter der Leitung des Sozialpädagogen.
Niedzielin ist von Jesteburg begeistert: „Hier gibt es so viele Menschen und Institutionen, die sich engagieren wollen. Ich habe den persönlichen Anspruch, dieses Engagement zu nutzen, um gemeinsam Projekte, Strukturen und Angebote zu entwickeln und um voneinander und miteinander zu lernen.“ Er selbst sieht sich daher auch als Moderator. Erst kürzlich vermittelte er zwischen Eltern, deren Kinder Opfer und Täter von Cyper-Mobbing sind. „Ich mag es nicht, wenn man von auffälligen Kindern spricht“, sagt Niedzielin. Das sei negativ. Er spreche lieber von Kindern, die Hilfe benötigen. Einer seiner Aufgaben sei es, den Mitarbeitern der Schulen und Kindergärten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn sie seine Unterstützung in schwierigen Fällen benötigen.
Bei seinem Vorhaben, die Jesteburger für Inklusion zu begeistern, könnte Niedzielin seine eigene Biographie nützlich sein. Der 30-Jährige wurde im polnischen Debno geboren. „Meine Großmutter lebte in Hamburg. Bei ihr verbrachte ich die Sommerferien“, erinnert sich der Sozialpädagoge. „Ich war schon damals von Deutschland sehr angetan.“ Aber er habe sich nicht getraut, als Jugendlicher auszuwandern. „Ich war davon überzeugt, dass ich die Sprache nicht gut genug beherrschte.“ Niedzielin machte sein Abitur und kam dann mit 18 Jahren nach Deutschland. Ein Jahr arbeitete er als Aupair. In dieser Zeit reifte bei ihm der Wunsch, etwas im Kinder- und Jugendbereich zu machen. Doch sein polnisches Abitur wurde in Hamburg nicht anerkannt. Niedzielin begann ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Sozialpsychiatrischen Einrichtung und besuchte parallel das Goethe-Institut in Kiel. Nachdem er auch in Deutschland die Hochschulreife erworben hatte, begann er mit dem Studium (Soziale Arbeit und Diakonie). Nebenbei arbeitete Niedzielin in verschiedenen Bereichen - unter anderem für eine Rechtsanwaltskanzlei.
Gemeinsam mit seiner Frau Christiane ging es 2012 nach München. „Ich wollte einfach einen Tapetenwechsel“, sagt der Sozialpädagoge. Schließlich arbeitete er im Landratsamt Freising, wo er für die Steuerung der Jugendhilfemaßnahmen zuständig war. „Die Aufgabe hat mir sehr gefallen“, sagt er. „Doch als sich Nachwuchs ankündigte, wollten wir wieder in den Norden.“ Inzwischen lebt das Paar mit Sohn Thies (acht Monate) in der Nähe von Buxtehude.