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Hilfe für die in Rozaje Vergessenen - Pastor Dr. Ulrich Kusche sammelt Spenden für Armen-Region in Montenegro

Bittet ein letztes Mal um Unterstützung: Pastor Dr. Ulrich Kusche
 
Pastor Ulrich Kusche (4. v. li.) übergibt in Rozaje medizinisches Gerät aus Jesteburg an das Krankenhaus

„Es ist an der Zeit, dass ich mit diesem Thema abschließe - auch wenn es mir unglaublich am Herzen liegt“, sagt Dr. Ulrich Kusche (70). Von1993 bis 2007 war er Pastor der St. Martins-Kirche in Jesteburg. In dieser Zeit hat er eine Hilfsaktion angeschoben, die das WOCHENBLATT viele Jahre intensiv begleitet hat. Kusche setzte sich mit großem Engagement für die Menschen in Rozaje (Montenegro) ein.
Alles begann genau vor 20 Jahren. „Die Not ist dort unverändert groß“, so Kusche. „Ich bin aber der Meinung, dass es besser ist, wenn nun andere die Verantwortung tragen.“ Kusche, der im Landkeis Harburg noch immer bestens bekannt ist, möchte ein letztes Mal die WOCHENBLATT-Leser um Unterstützung bitten. „Eine kleine Spende aus Deutschland kann dort bereits wahrhaftig Großes bewirken“, so der Pastor, der inzwischen in Göttingen wohnt. Sein Ziel lautet daher, möglichst viel Geld für zwei Projekte zu sammeln, die ihm besonders am Herzen liegen.
Kusche möchte einen Kindergarten unterstützen. Das Besondere an der Einrichtung: Es ist die einzige, in der behinderte Kinder und Jugendliche liebevoll betreut werden. Außerdem soll das Geld für Menschen verwendet werden, die Deutschland verlassen, um nach Rozaje zurückzukehren. Sie flohen ohne Chance auf Asyl vor der Armut aus ihrer Heimat. Kusche möchte ihnen Lebensmittel zur Verfügung stellen.

(mum). Ulrich Kusche, 14 Jahre Pastor in Jesteburg, hat vieles erlebt. Die Armut in Montenegro hat ihn besonders berührt. Kusche bitte daher um Spenden für einen Kindergarten, in dem behinderte Jungen und Mädchen betreut werden. Außerdem möchte er mit Lebensmitteln und Feuerholz Familien helfen, die trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation nach Rozaje zurückkehren. „Nachdem die Sozialhilfe nach einem neuen Schlüssel verteilt wird, suchten in den vergangenen Monaten viele Menschen aus der Region Zuflucht in Niedersachsen - allerdings ohne Chance, dass ihr Asylantrag angenommen wird“, berichtet Kusche. Um eine baldige freiwillige Rückkehr zu erleichtern, bittet er um Spenden für diese mittellosen Rückkehrerfamilien. Nach seinen Schätzungen könnten es bis zu 100 Familien sein, die vor dem Nichts stehen. Unterstützt wird Ulrich Kusche bei seinem Aufruf vom Kirchenkreis Hittfeld. Sogar ein Spendenkonto wurde eingerichtet. Die Bankverbindung lautet Kirchenkreis Hittfeld, IBAN DE 69207500000007006612, Verwendungszweck „Nothilfe Montenegro“.
Ein Rückblick: Anfang der 1990er Jahre kam Muamer Kujevic als junger Erwachsener nach Deutschland. Er klopfte an die Pfarrhaus-Tür von Pastor Kusche in Jesteburg und erzählte von den Problemen in seiner Heimat. Im Jugoslawien-Krieg flohen mehr als 30.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo über die Berge nach Rozaje. Die Einheimischen teilten ihr Hab und Gut mit den Kriegsopfern. Das WOCHENBLATT startete seinerzeit einen großen Spendenaufruf. Inzwischen sind die Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, doch die Helden von damals brauchen jetzt selbst Hilfe.
Rozaje ist eine dieser vergessenen Städte in Europa. Sie befindet sich im nordöstlichsten Zipfel von Montenegro, an der Grenze zu Serbien und dem Kosovo - eine muslimische Enklave im sonst überwiegend von Christen bewohnten Balkanstaat. Etwa 22.000 Einwohner leben dort, davon 2.000 Familien in größter Armut. Die Kinder sind unterernährt, die ärztliche Versorgung ist mangelhaft. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 65 Prozent. Die Republik Montenegro ging 2006 aus der Staatenunion Serbien und Monte­ne­gro hervor. Offiziellen Statistiken zufolge ist ein Drittel der montenegrinischen Bevölkerung akut armutsgefährdet, wobei etwa zwölf Prozent der EinwohnerInnen in absoluter Armut leben.
Pastor Ulrich Kusche war im Oktober in Rozaje. Im Krankenhaus der Stadt, dem einzigen Träger der Gesundheitsversorgung der 22.000 Bewohner, übergab er medizinisches Gerät, das der Jesteburger Arzt Michael Stork nach seinem späten Ruhestand und kurz vor seinem Tod gespendet hatte. Bei dieser Gelegenheit erklärte der neue Direktor des Krankenhauses, dass seine Ärzte großes Interesse an Hospitationen im Krankenhaus Buchholz hätten. 2008 war erstmals ein HNO-Arzt für eine dreiwöchige Hospitation in Buchholz zu Gast. „Dieser Austausch soll jetzt fortgesetzt werden“, so Kusche. Geschäftsführer Norbert Böttcher und Ärztlicher Direktor Dr. Christian Pott hätten zugesagt, in naher Zukunft einen Arzt einzuladen.
„Ich möchte mich aufrichtig bei allen bedanken, die Rozaje in den vergangenen 20 Jahren unterstützt haben“, so Pastor Dr. Ulrich Kusche. „Ich wünsche mir, dass auch diesmal wieder viele Menschen helfen werden.“ Zuletzt hatte Kusche im Sommer 2014 um Hilfe gebeten. Damals ging es in erster Linie um Kleidung. Dank der Aufrufe im WOCHENBLATT konnte ein Lkw nebst Anhänger voller Hilfsgüter auf die Reise geschickt werden.