Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

„Ich bin doch unschuldig!“ - Ralf Owsianski kämpft um den Ruf seines Unternehmens

Ralf Owsianski (re.) und sein Schwiegersohn Timo Hancke hoffen, dass der gute Ruf ihres Unternehmens bald wieder hergestellt wird
 
Das WOCHENBLATT berichtete im vorigen Jahr exklusiv über die Ermittlungen

Die Aufregung war groß! Ende Oktober durchsuchten Polizisten und Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Göttingen Wohnungen, Büros, Firmengrundstücke und Baustellen an sieben verschiedenen Orten - unter anderem in Marxen und Hanstedt. Im Fokus der Fahnder war ein Paar aus Hanstedt, das mit Schrott mehrere hunderttausend Euro ergaunert haben soll.
Unschuldig und dennoch leidtragend war Ralf Owsianski, Inhaber der Ro-Con Containerdienst GmbH. Obwohl er den Beamten bei den Ermittlungen nur half, vermuteten viele Kunden, auch er sei in den Betrug involviert. Das hat noch immer schlimme Konsequenzen. Die Einnahmen sind bis zu 40 Prozent gesunken. „Ich wünsche mir, dass die Leute verstehen, dass ich unschuldig bin“, so Owsianski.

(mum). Ralf Owsianski schaut nachdenklich in seine Auftragsbücher. „Lange werde ich das nicht mehr durchhalten können“, sagt der Inhaber der Ro-Con Containerdienst GmbH in Marxen (Samtgemeinde Hanstedt). Seit Oktober sind die Einnahmen um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Schlimm ist, dass Owsianski gar keine Schuld an dieser existenzbedrohenden Situation trifft. Die Staatsanwaltschaft in Göttingen hatte gegen Hannelore B. aus Hanstedt und ihren Lebensgefährten Michael R. Ende des Jahres mit Ermittlungen begonnen (das WOCHENBLATT berichtete damals exklusiv). Von ihnen hatte der Ro-Con-Chef den Betrieb im April 2014 gekauft und mit seinem bisherigen Betrieb verschmolzen. Beamte sahen sich damals auf dem Betriebsgelände in Marxen um - und wurden fündig. Sie stellten die Container sicher, mit denen Vorgänger Michael R. hunderttausende Euro ergaunert hatte.
„Ich habe die Container bei der Firmenübernahme im vorigen Jahr übernommen“, so Owsianski. In der Branche sei es üblich, dass Container auch nachträglich verstärkte Böden hätten, um besonders schweren Schrott zu transportieren. „Daher habe ich mir nichts dabei gedacht.“
Inzwischen bestätigte auch die Staatsanwaltschaft die Unschuld von Ralf Owsianski. „Es bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Ralf Oswianski Kenntnisse von den Manipulationen hatte oder er gar daran beteiligt gewesen ist. Gegen ihn besteht kein Tatverdacht“, sagt Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue. „Das Verfahren richtet sich nicht gegen ihn. Im Gegenteil - Ralf Oswianski hat zur Aufklärung der Taten beigetragen.“
Die Worte sind Balsam auf der Seele von Ralf Owsianski, der laut eigenen Angaben keinen Kontakt zu seinen Vorgängern hat. Doch kommen sie vielleicht zu spät? Von drei Mitarbeitern musste er sich bereits trennen. „Meine Familie und ich werden in Hanstedt geschnitten“, so der Unternehmer. Im Ort sei er als Betrüger verschrieen. Dabei habe er den Betrieb erweitert, um seiner Familie eine berufliche Perspektive zu bieten. Seit vergangenem Jahr sind auch Tochter Katharina und Schwiegersohn Timo Hancke im Unternehmen beschäftigt. „Ich wünsche mir, dass die Leute verstehen, dass ich mit der Sache nichts zu tun habe.“

So kassierten die Betrüger ab

(mum). Der Polizeieinsatz im Herbst war gut vorbereitet. Zeitgleich durchsuchten Polizisten Wohnungen, Büros, Firmengrundstücke und Baustellen an sieben verschiedenen Orten - unter anderem in Marxen und Hanstedt. „Wir haben umfangreiches Material sichergestellt“, bestätigt Oberstaatsanwalt Andreas Buick aus Göttingen. Die Schrott-Betrüger waren äußerst raffiniert vorgegangen.
Ein Insider erklärt den Trick: „In der Regel wird ein Lkw nur zu Beginn des Auftrags gewogen. Der trägt einen manipulierten Container, in dem eine 1,5 Tonnen schwere Platte auf dem Boden verschweißt ist. Die Waage zeigt beispielsweise fünf Tonnen an. Später werden Container ohne das zusätzliche Gewicht eingesetzt. Das bedeutet, das Abfuhr-Unternehmen kann pro Container 1,5 Tonnen Schrott mehr abfahren, als abgerechnet wird. Das rentiert sich schnell, denn für eine Tonne Schrott zahlt der Großhandel etwa 200 bis 240 Euro. Für Zugfahrzeug und Hänger macht das ein Plus von gut 500 Euro. Da bis zu drei Touren am Tag möglich sind, kommen da bis zu 1.500 Euro täglich zusammen.“
Wann mit einem Abschluss des Verfahrens zu rechnen ist, kann die Staatsanwaltschaft nicht sagen. „Die Ermittlungen werden voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, so Laue.

Lesen Sie auch:
Schlag gegen Schrott-Betrüger?
„Schrott-Mafia“ das Handwerk gelegt!