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"Ich mache mir große Sorgen um das Kunsthaus"

Das Jesteburger Kunsthaus: Eine Woche vor der neuen Ausstellung wirkt das Gebäude trist. Die Scheiben sind schmutzig, weder Fahnen noch Plakate weisen auf Betrieb hin
 
Kritisiert die Informationspolitik seines Nachfolgers: Rainer Löding

Als der Verein „Kunstwoche Jesteburg“ kurz vor der Auflösung stand, sprang Rainer Löding ein. Nicht unumstritten aber mit großem Engagement setzte er sich für den Erhalt des Kunsthauses ein. Nach internen Differenzen stellte sich Löding voriges Jahr nicht wieder zur Wahl. Jetzt macht sich der Ex-Chef Sorgen um die Zukunft des Vereines. Der neue Vorstand sei auf einem falschen Weg.

mum. Jesteburg. „Ich mache mir große Sorgen um das Kunsthaus“, sagt Rainer Löding. „Wenn sich nichts ändert, dann sehe ich den Fortbestand des Hauses in Gefahr.“ Löding kennt sich aus. Der Harmstorfer lenkte als Vorsitzender drei Jahre die Geschicke des Vereins „Kunstwoche Jesteburg“. Nachdem die langjährigen Kunsthaus-Macher Hans-Heinrich Aldag und Hans-Jürgen Börner angekündigt hatten, nicht mehr für den Vorstand zur Verfügung zu stehen, stand der Verein kurz vor der Auflösung. Löding ergriff die Initiative - erst als Vize-Chef hinter Isa Maschewski, dann als Vorsitzender. Der Rollentausch war notwendig, um Maschewski, die den Job erst ehrenamtlich machen wollte, ein monatliches Honorar in Höhe von 1.600 Euro zu ermöglichen. Aufgrund von Differenzen mit Maschewski und deren Fürsprecher Börner habe Löding voriges Jahr auf eine weitere Kandidatur verzichtet. „Ich hätte sonst sehr gern weitergemacht“, sagt er. Seinen Job übernahm Professor Dr. Volker Steinkraus. Der Ollsener ist Gründer und Leiter des Dermatologikums in Hamburg.
„Mir war es immer wichtig, das Kunsthaus, das von der Gemeinde großzügig mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird, als einen Ort für alle Jesteburger zu etablieren“, so Löding. Daher hatte er darauf bestanden, dass regelmäßig Lesungen und Konzerte im Kunsthaus stattfinden. „Ich wollte verhindern, dass sich dort nur eine kleine elitäre Gruppe wohlfühlt“, so Löding. Dieses könne jetzt nicht mehr ausgeschlossen werden.
Löding kritisiert vor allem die Informationspolitik seines Nachfolgers Steinkraus und von Kuratorin Maschewski. „Weder auf der Homepage noch am Kunsthaus selbst wird auf Veranstaltungen hingewiesen“, so Löding. Man könne den Eindruck bekommen, das Kunsthaus sei geschlossen.
Der ehemalige Vorsitzende will auf keinen Fall falsch verstanden werden: „Ich bin von der Idee des Kunsthauses überzeugt. Aber man muss mit Herzblut dabei sein.“
Löding wollte während der Mitgliederversammlung seine Kritik offen vortragen. Doch obwohl diese laut Satzung spätestens bis zum 31. März hätte stattfinden müssen, gab es keine Einladung. Löding fragte nach und wurde von Steinkraus mit einer knappen E-Mail abgespeist. Er zog die Konsequenz und kündigte seine Mitgliedschaft. Damit ist er nicht allein. Dem WOCHENBLATT liegen weitere Austrittsschreiben vor. In einem Brief heißt es: „Eine fehlende Plakatierung zur bestehenden Ausstellung oder zumindest ein Hinweis auf die Bestimmung des Hauses fehlt und bestärkt den Eindruck eines Leerstandes.“
Zumindest Lödings Kritik in puncto Öffentlichkeitsarbeit trifft zu. Gut eine Woche bevor die aktuelle Ausstellung „Sparkasse Bossard“ eröffnet wurde, fand sich am Kunsthaus selbst kein Hinweis auf eine Veranstaltung. Nicht einmal über die Öffnungszeiten wurde informiert. Pressematerial gab es erst auf Nachfrage, Fotos folgten nach Redaktionsschluss. Auf Facebook und der Homepage wurde erst ab dem 7. April offiziell auf die Ausstellung (Start am 17. April) hingewiesen.
Volker Steinkraus reagiert gelassen auf die Kritik. „Es freut mich, dass Herr Löding sich Sorgen um uns macht. Aber ich darf Ihnen versichern, dass diese Sorgen unbegründet sind“, so Steinkraus. Der Verein würde sich hinsichtlich seiner Mitgliederzahlen gut entwickeln. „Wir haben seit meinem Amtsantritt einen Zuwachs.“ Genaue Zahlen will Steinkraus erst nach der Jahreshauptversammlung, die nun am 28. April stattfinden soll, nennen. Ein früherer Termin sei krankheitsbedingt nicht möglich gewesen. „Auf künftige Veranstaltungen weisen wir übrigens auf sehr zahlreichen Ebenen hin“, so Steinkraus. „Mir ist unklar, wie Herrn Löding dies verborgen bleiben konnte. Es stimmt nicht, dass das Kunsthaus an keiner Stelle auf künftige Veranstaltungen hinweist. Das Gegenteil ist der Fall. Seit Amtsantritt des neuen Vorstands haben wir unsere Sichtbarkeit nach Außen verbessert.“

Die Immobilie "Kunsthaus"

Die Gemeinde Jesteburg hat das Kunsthaus im Dezember 2012 für 365.000 Euro gekauft. Zuvor zahlte Jesteburg eine Miete in Höhe von 25.000 Euro pro Jahr. Die laufenden Kosten betragen zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Allerdings: Teure Sanierungen - etwa die Fenster - werden aufgeschoben. Der Verein „Kunstwoche Jesteburg“ wurde 2014 mit 11.000 Euro unterstützt. Voriges Jahr gab es 9.000 Euro. Für 2016 wurden 5.000 Euro freigegeben.