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Jesteburg: Chaos-Planung für Oberflächenwasser

Jens Krafczyk zeigt auf die freigespülte Rinne: „Das ist sehr gefährlich!“
 
Eigentlich sollten die Steine die Rinne bedecken. Doch nach dem ersten Regenguss sind die Steine weggespült

Sinnvoll oder Geldverschwendung?

mum. Jesteburg.Im Jesteburger Ortsteil Reindorfer Osterberg diskutieren die Anwohner derzeit heftig über eine dort kürzlich abgeschlossene Maßnahme. Für 460.000 Euro wurde die Oberflächenentwässerung für die Straßen Diekskuhlen, Pferdeweg, Zu den Fischteichen und Reindorfer Osterberg „den bestehenden Vorschriften angepasst“ (das WOCHENBLATT berichtete). Wo vorher das Wasser im Wald versickerte, sind drei riesige Regenwasserrückhaltebecken entstanden - 65, 40 und 28 Meter lang. Die Becken bezahlt der Steuerzahler, die Baumaßnahmen entlang der Wege werden auf die Anlieger umgelegt.
Betroffen ist auch Anwohner Jens Krafczczyk. Aus seiner Sicht ist die Maßnahme vor seinem Grundstück ein absoluter Flop. „Das kann doch gar nicht funktionieren“, sagt Jens Krafczyk. Der Jesteburger schaut fassungslos auf die Straße vor seinem Haus. Die Gemeinde Jesteburg hat kürzlich den Pferdeweg am Reindorfer Osterberg komplett neu hergerichtet. Es musste dringend gehandelt werden. Die Asphaltdecke war an vielen Stellen beschädigt. Wohl auch, weil eine große Waldfläche, die entlang des Pferdewegs liegt, in Bauland umgewandelt wurde. „Die Lkw haben dazu beigetragen, dass unsere kleine Straße noch stärker beschädigt wurde“, so Krafczyk. Jetzt wurde die Straße gepflastert. „Sieht schön aus“, findet der Jesteburger. Allerdings mit einer Einschränkung: die Regenwasser-Rinne.
Entlang der rechten Straßenseite verläuft ein Streifen, der nicht gepflastert ist. Kleine Steine wurden wenige Zentimeter hoch aufgeschüttet. „Hier soll das Regenwasser ablaufen“, erklärt Krafczyk. „Funktioniert aber nicht!“ Bereits nach dem ersten stärkeren Regenschauer waren die Steine aus der Vertiefung gespült worden. „Das ist doppelt gefährlich“, kritisiert Krafczyk. Da die Steine überall auf der Straße verteilt sind, könnten Fußgänger leicht stolpern. Auch für Radfahrer sei der Untergrund gefährlich. „Wenn hier jemand bremsen muss, ist ein Sturz vorprogrammiert.“
Aber auch die freigespülte Rinne birgt für Verkehrsteilnehmer ein hohes Unfallrisiko. „Die Straße ist schmal“, sagt der Jesteburger. „Wenn sich hier zwei Auto‘s begegnen, muss das eine Fahrzeug zwangsläufig ausweichen und landet in der tiefergelegenen Rinne“, so Jens Krafczyk. „Kaputte Reife sind dann die Folge.“
Und es gibt noch weiteren Ärger: Gemeinsam mit seiner Frau Marlies hatte Jens Krafczyk über Jahre Steine gesammelt und damit die Grenze zwischen seinem Garten und der Straße dekoriert. Als die Arbeiten begannen, seien die Steine entfernt worden. „Man sagte uns, dass wir sie am Ende der Bauarbeiten wiederbekommen“, so der Jesteburger. Er staunte nicht schlecht, als seine Steine schließlich unter einem meterhohen Erdwall verschwanden.
„Die Baufirma hat uns mitgeteilt, dass die Steine gestohlen wurden“, so Thomas Burmester, Leiter des Jesteburger Bauamtes. „Um die Angelegenheit für alle Seiten befriedigend zu lösen, besorgte die Gemeinde Ersatz.“
Und was ist mit der neuen Entwässerung? „Die Gemeinde wird bei stärkeren Regenverhältnissen überprüfen, ob sie so funktioniert wie sie es soll“, so der Bauamtschef. Die gesamte Maßnahme am Reindorfer Osterberg sei noch nicht endgültig abgerechnet. Die Schlussrechnung liege zur Prüfung im Planungsbüro. Die Kosten für die Fahrbahn am Pferdeweg und für die Regenrückhaltebecken zahlt laut Burmester die Gemeinde. Aber: Die Kosten für die nicht funktionierende Entwässerung tragen die Anwohner.
Auch andere Anwohner nervt das Entwässerungs-Chaos. Beispiel Sackgasse „Reindorfer Osterberg“: Der teilweise etwa zwölf bis 14 Meter breite Straßenraum ist durch teils skurrile Baumaßnahmen so schmal geworden, dass im Seitenbereich nicht mehr geparkt werden kann und an vielen Stellen kein Begegnungsverkehr möglich ist. Letzteres ist - besonders im Winter - wegen einer Kuppe im Wegeverlauf extrem gefährlich.
Übrigens: Das Regenwasser soll in riesige Rückhaltebecken geleitet werden. „Ich glaube aber nicht, dass das Wasser dort jemals durch die Rohrleitungen ankommen wird“, sagt Jens Krafczyk. Zuletzt seien die Leitungen durch die Steine verstopft worden, so dass das Wasser aus allen Richtungen in das Becken geflossen sei. Außerdem bezweifelt er, dass es jemals so stark regnen wird, dass die Becken halbwegs gefüllt sein werden.