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Kunsthaus-Chef Rainer Löding: "Eigentlich ist das Ganze nur noch peinlich!"

Prost: Kunsthaus-Chef Rainer Löding postet lieber auf Facebook, statt WOCHENBLATT-Fragen zu beantworten (Foto: oh)

Jesteburgs Kunsthaus-Chef Rainer Löding hat keine Lust, kritische Fragen zu seinem Mega-Zuschuss in Höhe von 11.000 Euro zu beantworten. Stattdessen postet er lieber Halbwahrheiten auf Facebook. Zitat: „Das Ganze ist einfach nur peinlich!“

mum. Jesteburg. Rainer Löding, der Vorsitzende des Vereins „Kunstwoche Jesteburg“, ist ein Mann klarer Worte. Leider nur bei Facebook. Während er kritische Fragen zu seinem 51.000-Euro-Etat dem WOCHENBLATT nicht beantworten will, hat er sich auf der Facebook-Seite „Mein Jesteburg“ zu einem Kommentar hinreißen lassen. Offensichtlich sieht er dort eher die Zielgruppe (Besucher und Sponsoren) für das Kunsthaus. Löding schreibt: „Eigentlich ist das Ganze nur noch peinlich, was Herr Sascha M. vom Anzeigenblatt hier schreibt. Dem Gemeinderat hat er jedenfalls nicht imponiert. Alle Fragen wurden an zuständiger Stelle befriedigend beantwortet.“
Löding nimmt es mit der Wahrheit nicht ganz so genau, denn die erwähnten Politiker bauten zumindest eine Kontrolle ein. Zwar bekommt der Kunstverein tatsächlich immer noch stolze 11.000 Euro - zuzüglich Miete, Nebenkosten und weiterer Förderungen. Allerdings nicht pauschal in einer Rate. Karl-Heinz Gläser (Grüne) sprach sich im zuständigen Ausschuss gegen diese Regelung aus. Stattdessen gibt es jetzt pro Ausstellung einen Zuschuss in Höhe bis zu 2.000 Euro. „Jede Ausstellung muss einzeln beantragt werden“, so Gläser. „Wenn der Flyer fertig ist, fließt das Geld, das nur für die Ausstellung bestimmt ist.“
Übrigens: In dem Forum, das Löding für seine PR nutzt, schmunzelt man über die Kostenkalkulation des Vereins-Chefs. Die Macher der Seite schreiben: „Wir haben überlegt, ob wir nicht auch noch einen Social-Media- und Blog-Presse-Werbeberater-Zuschuss beantragen. Vielleicht geht das ja durch?“
Wie berichtet, plant Löding laut seines Antrags mit 4.000 Euro für die „grafische Gestaltung aller Werbemittel“ und zusätzlich 4.000 Euro für die „Pflege Blog und Social Media“. Die „Pressearbeit“ schlägt mit 4.800 Euro zu Buche. Addiert man dazu die 7.200 Euro „Kuratoren Gehalt“, sind es 20.000 Euro - genau die Summe, die ein Gönner Kuratorin Isa Maschewski voriges Jahr als einmaliges Honorar zur Verfügung gestellt hat. Nun muss Löding sehen, wie er das Geld für die Kuratorin beschafft.
Ein Satz in Lödings Zuschuss-Antrag lässt besonders aufhorchen: „Der Hamburger Kunstverein ist mit fast 3.000 Mitgliedern und seiner Fläche von mehr als 1.300 Quadratmetern sowohl der älteste als auch einer der größten Kunstvereine Deutschlands. Wir dürfen in Jesteburg mehr als stolz darauf sein, dass die Besucherzahlen des Kunsthauses Jesteburg an einem Tag in etwa so hoch sind wie die Besucherzahlen des Hamburger Kunstvereins in einer Woche.“ Ein interessanter Vergleich: Die Stadt Hamburg bezuschusste die Einrichtung 2011 mit fast einer halben Million Euro. Dennoch konnte das Haus schließlich weder Gehälter noch die Miete zahlen.

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